Auslandstouristen verschmähen Deutschland

Seit Jahren verzeichnete die deutsche Tourismusindustrie überdurchschnittliche Wachstumsraten. Mit diesem Trend ist es nun jedoch vorerst vorbei. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) knickte die Zahl der Übernachtungen von Auslandsgästen in den ersten fünf Monaten dieses Jahres erstmals deutlich ein.

Buchungen entwickelten sich sowohl in Hotels wie auch auf Campingplätzen mit minus 6,5 Prozent rückläufig, was 1,3 Mio. Übernachtungen weniger bedeutet. Insgesamt sank die Zahl auf nur mehr 18,6 Mio. belegte Betten. Besonders Gäste aus Ländern, die von der Rezession am heftigsten getroffen wurden, blieben weitgehend aus.

"Der Inlandstourismus hat sich hingegen nicht ganz so schlecht entwickelt", erklärt Ulf Sonntag, Tourismusexperte am Tourismus-Forschungsinstitut N.I.T. http://www.nit-kiel.de, im Gespräch mit pressetext. Angesichts der Wirtschaftskrise ziehen viele Deutsche den Urlaub im Inland einer Auslandsreise vor. Die Gesamtentwicklung hängt jedoch stark von den einzelnen Bundesländern ab. "Manche Länder dürfen dank des starken Inlandstourismus sogar auf ein neues Rekordjahr hoffen. Von den deutschen Touristen ist generell eine positive Tendenz zum Urlaub spürbar", meint Sonntag. Bundesweit sind die Übernachtungszahlen von Inlandsreisenden nur um zwei Prozent gesunken und hielten dem einknickenden Auslandstrend Stand.

Aus dem Ausland ist dem Experten zufolge aber auch in der Hauptsaison mit rückläufigen Zahlen zu rechnen. "Es ist mehr als wahrscheinlich, dass 2009 im Geschäft mit ausländischen Reisenden kein gutes Jahr wird", so Sonntag. Wie lange der Abschwung anhält, sei von der Dauer der Wirtschaftskrise abhängig. "Das Auf und Ab in der Tourismusbranche steht und fällt derzeit mit dem Ende der Rezession", sagt Sonntag.

Die höchsten Rückgänge an ausländischen Deutschland-Touristen waren von Januar bis Mai aus Ländern wie Großbritannien oder den USA zu verzeichnen. Destatis zufolge reisten aus den schwer von der Wirtschaftskrise gezeichneten Staaten 240.000 bzw. 166.000 weniger Gäste in die Bundesrepublik. Die deutsche Hotellerie betrifft der Bruch des langjährigen Trends besonders stark. Während aus allen fünf Kontinenten ein globaler Einbruch bei Deutschland-Reisen zu verzeichnen war, durfte sich die Tourismus-Branche nur über wenige Lichtblicke freuen. So blieben etwa die Niederländer der Destination treu und nächtigten sogar um 1,9 Prozent oder knapp drei Mio. Mal häufiger in Deutschland.




Artikel vom: 2009-07-28 09:14:00