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Mäzene von heute

Um das gesellschaftliche Ansehen des Unternehmertums steht es in Deutschland nicht besonders gut. Nicht umsonst erklärte Dieter Kempf, Präsident des Hightech-Verbands Bitkom, in einem Zeitungsinterview: „In der öffentlichen Diskussion wird Unternehmertum nur selten als positiv dargestellt. Wir brauchen eine Willkommenskultur für Unternehmer. Ein Land, in dem das gesellschaftliche Umfeld unternehmerische Initiative anerkennt, fordert und fördert, steht natürlich besser da als ein Land, das der unternehmerischen Initiative gleichgültig und etablierten, wohlhabenden und schnell wachsenden Unternehmen sogar eher negativ gegenübersteht.“ Als wirksames Mittel zur Aufbesserung des Images erweisen sich sichtbare Zeichen gesellschaftlichen Engagements, also Aktivitäten im Bereich Corporate Social Responsibility (CSR).

Vorreiter des CSR-Trends sind vor allem Großkonzerne. So ließ sich etwa die Deutsche Bank ihr CSR-Engagement im vergangenen Jahr über 83 Mio. Euro kosten. Im Fokus des sozialen Engagements stehen Förderprogramme auf den Gebieten Bildung, Soziales, Kunst und Musik. Außerdem engagierten sich 2011 im Rahmen des weltweiten Corporate-Volunteering-Programms der Deutschen Bank über 7 000 Mitarbeiter allein in Deutschland ehrenamtlich in über 2 200 sozialen Projekten.

Weiteres Beispiel für die CSR-Programme großer Unternehmen ist IBM. Der Schwerpunkt liegt hier bei der Förderung des ehrenamtlichen Engagements, besonders in den Bereichen Bildung, Technik und Datenschutz. So will die IBM-Initiative „Manage your identity!“ Schülern ab der fünften Klasse klare und einfache Verhaltensregeln für den Umgang mit ihren persönlichen Daten im Internet nahebringen. Auch zahlreiche Einzelprojekte werden initiiert, etwa Projekttage in Schulen, die Kinder spielerisch die Technik des Alltags vermitteln.

Hilfe für Familien

Inzwischen ist CSR jedoch auch im Mittelstand allgegenwärtig. Den Unternehmen stehen unzählige Aktivitätsfelder zur Verfügung. Innerhalb des Betriebs kann es etwa um die Übererfüllung von Umweltauflagen und Ausbildungszielen gehen, aber auch um eine mitarbeiterfreundliche Personalpolitik. So kann eine durchdachte Strategie zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie das Image eines familienfreund­lichen Unternehmens aufbauen und die Aufmerksamkeit von potenziellen Mitarbeitern erregen.

Wie so etwas aussehen kann, zeigt das Beispiel der Holtmann Messe+Event GmbH. Holtmann hat eine Vertrauensarbeitszeit eingeführt sodass es keine diesbezüglichen Kontrollen mehr gibt. Somit können die Mitarbeiter kommen und gehen, wann sie wollen, solange die Arbeit im Team organisiert und erledigt wird. Auf diese Weise können sich die Beschäftigten bei Bedarf besser und flexibler um Kinder oder Pflegebedürftige kümmern. Seit 2007 gibt es zudem einen zweisprachigen Kindergarten für Ein- bis Sechsjährige.

Neben der Personalpolitik sind zahlreiche Formen der Mitarbeiterbeteiligung am Unternehmen denkbar, die sich von finan­ziellen Aspekten (Kapitalbeteiligung, Vermögensbildung, flexible Vergütung, Erfolgsbeteiligung) bis hin zur Einbeziehung der Mitarbeiter in innerbetriebliche Pro­blemlösungen, beispielsweise eine Nachfolgeregelung, erstrecken.

So partizipierte etwa die Belegschaft der Kolbe Druck in Form einer stillen Beteilung am Unternehmenserfolg. Zwischengeschaltet ist eine Mitarbeiter-Beteiligungs-GmbH. Von den 170 Mitarbeitern haben 62 % das Angebot angenommen. Mehr als 610 000 Euro stehen dem Unternehmen dadurch als zusätzliches Haftkapital zur Verfügung. Die Mitarbeiter sind auch an möglichen Verlusten des Unternehmens beteiligt.

Faire Beziehungen

CSR lässt sich über das Unternehmen selbst hinaus auch innerhalb der gesamten Wertschöpfungskette umsetzen. Dazu gehören Fairness in den Beziehungen zu Geschäftspartnern, Zulieferern und Kunden sowie nachhaltiges Wirtschaften vom Einkauf bis zum Endprodukt. Ein Vorzeigebeispiel hierfür ist die Firma Memo, ein Versandhändler für umwelt- und sozialverträgliche Qualitätsprodukte. Die Artikel im Sortiment werden nach strengen Kriterien für die gesamte Wertschöpfungskette ausgewählt: von der Rohstoffgewinnung über das Herstellungsverfahren, den Vertrieb und Gebrauch bis zu Recycling oder Entsorgung.

Schließlich kann CSR über den Geschäftsbereich hinaus direkt in gesellschaftliche Corporate-Citizenship-Aktivitäten ausgeweitet werden – Freiwilligenarbeit, Stiftungen sowie die Unterstützung sozialer, ökologischer und kultureller Projekte im In- und Ausland. Ein Mittelstands­beispiel hierfür ist der Personaldienstleister Bera mit Hauptsitz in Schwäbisch Hall. Als Kooperationspartner der internationalen Non-Profit-Organisation Habitat for Humanity, die sich weltweit für den Bau von Unterkünften für Bedürftige engagiert, entsendet das Unternehmen freiwillige Mitarbeiter in verschiedene Regionen, um dort beim Errichten der Behausungen zu helfen. So wurden in den vergangenen beiden Jahren zwei Reisen nach Rumänien und Äthiopien sowie eine Renovierungsaktion in Heilbronn durchgeführt. 2011 fuhren 17 Mitarbeiter nach Cluj in Rumänien, um unter professioneller Anleitung ­eines Bauteams ein komplettes Haus für eine bedürftige Familie zu errichten. In diesem Jahr baute die „Hilfstruppe“ von Bera zudem zehn Häuser in Äthiopien.

Die große Vielfalt an Möglichkeiten, sich als Unternehmen sozial in unterschiedlichstem Ausmaß zu engagieren, gibt Firmen unabhängig von Größe und Ka­pitalausstattung die Gelegenheit, sichtbar für die Gemeinschaft zu wirken und dabei auch ihr Ansehen innerhalb der Gesellschaft zu verbessern.

Dr. Hans-Dieter Radecke


Artikel vom: 2012-12-16 10:25:00
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