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Eine Frage des Vertrauens

Viele empfinden Compliance als einen neumodischen Begriff für eine altbekannte, ja selbstverständliche Handlungsmaxime. Aber dass dieses Schlagwort in den vergangenen Jahren einen solchen Siegeszug antreten konnte, zeigt, wie sensibel und dünnhäutig wir gegen alle Arten von Regelverstößen geworden sind. Denn bei Compliance handelt es sich um den Versuch, mögliche Regelverstöße und Gesetzesübertretungen innerhalb einer Unternehmenseinheit durch eine optimale Organisation zu verhindern. Ziel ist, regelkonformes Verhalten zu gewährleisten, Schaden vom Unter­nehmen fernzuhalten und die ­Risiken zu minimieren. Diese ­Risiken reichen von Bußgeldern oder Schadensersatz­ansprüchen bis hin zu Repu­-ta­tionsproblemen. Die Regeln definiert dabei nicht nur der Gesetzgeber, sondern auch das Unternehmen selbst durch interne Richtlinien.

Vor dem Hintergrund dieser gestiegenen Sensibilität der Gesellschaft gegenüber Pflichtverletzungen sorgten die Finanzkrise und die Regelverstöße einiger weniger innerhalb der Finanzbranche für die nachhaltige Diskreditierung ­eines gesamten Sektors. Es erfolgte ein Vertrauensverlust zwischen Bürgern und Finanzinstituten, Politik und Banken, Banken und Banken. Umso wichtiger ist es, sich strikte Compliance-Regeln zu geben, diese aktiv zu kommunizieren und für deren konsequente Einhaltung zu sorgen.

Firmenkultur von oben nach unten

2010 stellte eine Studie der Unternehmensberatung Deloitte fest, dass die Finanzmarktkrise das Thema Compliance und Risikomanagement ganz oben auf die Prioritätenliste der Finanzinstitute gesetzt habe. Das Thema Compliance bezieht sich aber nicht nur auf justiziable Aspekte – von Korruption bis Veruntreuung. Gerade heute müssen auch Fak­toren wie Vergütungssysteme, Nachhaltigkeit, Sozial- und Familienfreundlichkeit oder Diversity-Management miteinbezogen werden. Es geht um eine umfassende Unternehmenskultur, die, um zu funktionieren, von oben nach unten vorgelebt werden muss.

Die Finanzkrise hat aber auch dazu geführt, dass der Gesetzgeber – sowohl national wie vonseiten der Europäischen Union – durch immer neue Initiativen in Geschäftsprozesse eingreift. Zusätzlich schossen einige Unternehmen in Sachen Compliance-Regeln über das Ziel hinaus, sodass das „Manager Magazin“ schon einen „Terror der Tugend“ ausmachte – mit Blick auf den eisernen Besen Robespierres während der Französischen Revolution.

Eine Börse stellt von ihrem Aufbau, ihren Aufgaben und ihren Funktionen gewisser­maßen eine Art Compliance-Office für den gesamten Kapitalmarkt dar: Feste Regularien und traditionelle Usancen legen die Bedingungen des Handels fest. Wo es in Sekunden um Milliarden geht, müssen sich alle Beteiligten am Geschäftsprozess aufeinander verlassen können. Regulierte Börsen in ihrem öffentlich-rechtlichen Charakter machen so beim Handel auch keine Unterschiede zwischen Klein(st)-anlegern und institutionellen Investoren. Alle Geschäfte werden transparent abgewickelt und sind jederzeit nachvollzieh- und nachprüfbar. Nicht zuletzt die Tatsache, dass viele Geschäfte jenseits des „Compliance-Officers“ Börse stattfanden, hat die Finanzkrise wenn nicht ermöglicht, so zumindest verstärkt. Auch hier kann nur dafür plädiert werden, dass möglichst viel Handel über die bereits existierenden „Compliance-Vorschriften“ der Börsen erfolgt.

Aber wie im wirklichen Geschäftsleben ergeht es auch den Börsen: Ihre Leistungen kosten Geld, das, zum Beispiel über Börsenplatzgebühren, eingefordert werden muss. Auch die Einhaltung von Compliance-Richtlinien kann so manches auf schnelle Gewinnmaximierung ausgelegte Geschäft verderben. Insofern dominieren manchmal kurzfristig auf reinen Profit zum Selbstzweck ausgerichtete Marktteilnehmer den Markt. Um dem vorzubeugen, braucht es einen langen Atem und eine auf Fairness und Transparenz aus­gelegte Unternehmenskultur. Dies kann zur (Wieder-)Herstellung von Vertrauen und unternehmerischem Erfolg einen wichtigen Beitrag leisten.

Dr. Marc Feiler,
Justiziar und Mitglied
der Geschäftsführung
der Börse München


Artikel vom: 2012-11-15 14:04:00
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