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Der nächste Goldrausch

Gold und Geld: In der guten alten Zeit waren die zwei ein eng verbundenes, ja aneinander gefesseltes Paar – bis man sich trennte und jeder seiner Wege ging. Aber irgendwie kommt man nicht voneinander los. Plötzlich spricht man wieder über den Goldstandard, der beide verband, und über die schönen Jahre, die diese Verbindung vielen Millionen Menschen gebracht hat. Kann das gute Gold unser kränkelndes Geld vielleicht wieder aus der Krise befreien?

Vor allem in Amerika wird über eine Rückkehr zum Goldstandard debattiert. Geführt wird die Diskussion von den Politik-Nostalgikern der Tea Party. Aber sie finden durchaus Gehör in der republikanischen Partei, für die der Goldstandard ein Ausdruck republikanischer Tugenden ist. Er würde bedeuten: Schluss mit der Schuldenmacherei und eine neue Geldstabilität.

Gelddruck im Akkord

Ganz anders Amerikas Demokraten. Sie wollen den Dollar frei vom Goldstandard halten. Barack Obama ist überzeugt, dass er in der Krise Schulden machen muss, um seinen Laden wieder in Schwung zu bringen. Die Notenbank hilft mit und druckt unter dem Stichwort „Quantitative Easing“ Geld im Akkord. Wäre der US-Dollar ans Gold gefesselt, so hieße dies: sparen statt pumpen. Ein Rezept, meinen die Demokraten, das ­einer Notbremsung gleichkäme, die das Land wirtschaftlich in den Abgrund schleudern würde.

Wer hat recht? Vielleicht ist alles eine Frage des Timings. Der alte Goldstandard hatte dem Geld zweifellos eine solide Basis gegeben und der Geldpolitik ­einen Kompass. Die verrückten und gefährlichen Blasen, die durch die Kultur des frei schwebenden Geldes und heiteren Schuldenmachens entstanden sind, hat er verhindert. Aber was taugt der strenge Standard, wenn die Blase längst da ist und alles weh tut?

Sparen und/oder kurbeln – diese Debatte findet auch in Europa statt, aber praktisch ohne den Blick auf eine Rückkehr zum Goldstandard. Gold statt Geld lautet hier eher die Devise. Je mehr man um den Euro bangt, desto begeisterter greift man zum Gold, desto heftiger ist die Sehnsucht nach einem Wert, den man anfassen und festhalten kann.

Millionen Privatleute hat dieser Goldrausch inzwischen gepackt. Und allmählich erfasst auch den Staat eine milde Form des Goldfiebers. Er kauft so viele Goldbarren wie schon lange nicht mehr. Und nach einem ­Fin­gerzeig des Rechnungshofes strömen deutsche Währungshüter in die Welt hinaus, um nachzuschauen, wie es ihren Gold­reserven denn so geht. Nach Jahrzehnten gönnt man sich erstmals einen beruhigenden Blick auf die glänzenden Barren.

Es handelt sich um eine gewichtige, 3400 Tonnen schwere Einlage. Deutschland ist nach Amerika – und in der EU dicht gefolgt von Frankreich – das Land mit den meisten Goldreserven. Die Geografie der deutschen Goldreserven spiegelt die Angst vor den Russen während des Kalten Krieges wider. Zwei Drittel hat man ins befreundete Ausland ­geschafft, und zwar in Portions­größen, die sich offenbar an der Entfernung zu der russischen ­Armee orientierte. Die kleinste Ladung ging nach Paris, wo man die russischen Panzer nach dem Überrollen Deutschlands am ehesten ankommen sah. Etwas mehr ging ins schwerer einnehm­bare Insel-Königreich. Der dickste Brocken, die Hälfte des deutschen Staatsgoldschatzes, wurde transatlantisch in Amerika gebunkert. Die Devise lautete offenbar: Gold retten, auch wenn Europa untergeht.

Nach Nixon die Krise?

Finanzpolitisch war es eine Welt des wieder erstandenen, aber bedrohten Goldstandards. Diese Absicherung, das Pfund fest an einen Goldwert zu binden, hatte der Weltmacht Großbritannien über das ganze 19. Jahrhundert hinweg zu einer blühenden Wirtschaft verholfen. Die übrige Welt schloss sich diesem System an. Nur in Kriegszeiten wurde man schwach. Nach dem Zweiten Weltkrieg gingen Geld und Gold unter Führung der USA wieder ihre Ehe ein, drifteten aber nach und nach auseinander. Im Sommer 1971 warf Richard Nixon das Handtuch. Mancher sagt, dass damals die Krisenserie begann, die uns bis heute quält. Hatte der begrenzte Wertstoff Gold dem Gelddrucken und -pumpen natürliche Grenzen gesetzt, so wurde, vom Golde befreit, jahrzehntelang das Schuldenmachen der Standard der Finanzpolitik.

Reiz des Goldes

Anders als das Geld übt das Gold seinen unwiderstehlichen Reiz auch als Single aus. Allein dass es in ausreichender Zahl ­herumliegt, beruhigt die Nerven. Mit Abstand das meiste liegt privat in den Schmuckkästchen der Welt, nur ein Bruchteil wird in der Industrie verwendet oder stapelt sich als Staatsvermögen in Form von Barren. Der Schönheitsfehler der deutschen Staatsbarren war bisher, dass sie in alle Winde verstreut waren. Wie viel reizvoller wären sie doch zum Greifen nahe daheim in der eigenen Bank. Charles de Gaulle hatte sein Gold schon bald nach dem Krieg aus Amerika zurückgeholt. Die Heimholung des deutschen Goldes ­findet jetzt in kleinen Portionen statt. Man will den langjährigen Gastfamilien nicht alles auf einmal wegnehmen. Es könnte missverstanden werden.

Technisch wäre ein Abtrans­port in größeren Stapeln überhaupt kein Problem. Gold ist ein ex­trem kompakter Stoff. Es nimmt nicht viel Platz weg. Alles Gold, das die Menschheit in ihrer Geschichte produziert hat, ließe sich in einem Container unterbringen, der 20 Meter lang, 20 Meter breit und 20 Meter hoch ist. Mehr nicht. Ein Portiönchen Glanz­metall, das seit Jahrtausenden die Welt in Atem hält.

Rainer Bonhorst


Artikel vom: 2012-11-06 11:43:00
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