Trends - Hintergründe - Innovationen
Home Kontakt Sitemap 

Aktuelle Printausgabe

Abo WirtschaftsKurier
inkl. 7% MwSt.
Zusendung per Post

Abonnement
27,50 Euro
Studenten-Abo*
20,62 Euro
Mehrfachlieferungen** ab 5 Stück
20,62 Euro

*Bitte gültige Immatrikulations-
bescheinigung an den Verlag senden

** Vorzugspreis kann nur gewährt werden, wenn ein identischer Besteller, Empfänger und Zahler die jeweilige Menge abnimmt


Abonnement Ausland – Jahrespreis
ohne MwSt.
Zusendung per Post

Abonnement
38,40 Euro


Weimer Media Group
Maximilianstraße 13
80539 München

Tel: 08022-7044443
E-Mail: Abo-Bestellung


Das Abonnement verlängert sich automatisch um jeweils ein Bezugsjahr, wenn nicht zwei Monate vor Ablauf gekündigt wird.
Widerrufsgarantie: Sie können die Bestellung innerhalb von zehn Tagen ohne Angabe von Gründen schriftlich bei der Weimer Media Group, Maximilianstraße 13, 80539 München, widerrufen. Zur Fristwahrung genügt die rechtzeitige Absendung (Poststempel).

Zwischen Hoffen und Bangen

Die Stahlindustrie gehört zu den wichtigsten Branchen Deutsch­lands und steht beispielsweise beim Maschinenbau sowie bei der Metall- und Elektroindus­trie am Beginn der Wertschöpfungskette. Aber auch mit Blick auf die Mega­trends unserer Zeit – Mobilität, Energieeffizienz, Zugang zu Ressourcen wie Wasser und Energie – wird nach Heinz-Jörg Fuhrmann, Vorsitzender des Vorstands der Salzgitter AG, deutlich, dass Stahl gerade beim Klimaschutz eine Schlüsselrolle zukommt.

Derzeit befinden sich die deutschen Stahlkocher allerdings im Wechselbad der Konjunkturen: Während nach einem schwachen Jahresende 2011 ein guter Start am Jahresanfang gelang und Hoffnungen auf ein gutes Stahljahr 2012 weckte, verdüstert sich plötzlich der Horizont. In den USA macht die konjunkturelle Erholung sehr langsame Fortschritte und in China verringert der Konjunkturmotor seine Drehzahl. Und die Euro­zone befindet sich neben der Schuldenkrise zu allem Über­fluss nun auch noch in einer Rezession. Selbst das konjunkturelle Zugpferd Deutschland beginnt zu lahmen.

Seismograf der Branche

Der Chef des Duisburger Stahlhändlers Klöck­ner & Co. (KlöCo), Gisbert Rühl, schätzt die Risiken für Europas Stahlindustrie höher ein als noch zu Beginn des Jahres. Als ­großer unabhängiger euro­päischer Stahlhändler fängt KlöCo Marktstimmungen sehr schnell auf und gilt damit als eine Art Seismograf der Stahlkonjunktur. Überdies tragen die sich in den vergangenen Monaten eher zuspitzende Staatsschuldenkrise der europäischen Peripherieländer sowie die anhaltenden Zweifel an der Krisenresistenz der ­Finanzmärkte laut Wolfgang Eder, Chef der österreichischen Voestalpine, nicht dazu bei, zur Jahresmitte das Vertrauen in eine positive Entwicklung im weiteren Jahresverlauf zu stärken.

Zu schaffen machen der Branche überdies nach wie vor die Überkapazitäten – vor allem in China, wo die Regierung den beiden Stahlriesen Baosteel und Wuhan zudem das Plazet für den Bau zwei weiterer Stahlwerke gegeben hat. Sie werden zu den größten der Welt gehören und über eine Produktionskapazität ver­fügen, die fast der Hälfte der deutschen Rohstahlproduktion entspricht.

Mit diesen Großprojekten will die Volksrepublik offenbar eine ganze Reihe von wichtigen Infrastrukturinvestitionen im Land begleiten. Zwar erwarten Experten, dass es nach deren Abschluss zu der schon seit Langem geforderten umfassenden Konsolidierung innerhalb der chinesischen Stahlbranche kommen wird. Doch ausgeschlossen werden kann auch nicht, dass chine­sische Überkapazitäten den europäischen Stahlmarkt zusätzlich belasten werden. Salzgitter-Chef Fuhrmann sieht durchaus die Gefahr, dass chinesische Hütten ihr Heil im Export suchen werden, wie im ersten Quartal 2012 verstärkt zu beobachten war.

Noch ein Damoklesschwert

Karlheinz Blessing, Dillin­ger-Hütte- und Saarstahl-Chef, verweist als weiteres Damo­klesschwert auf den Beitritt Russlands zur WTO und die damit verbundene Erleich­terung von Importen nach ­Europa, was ebenfalls das Pro­blem der Überkapazitäten verschärfen werde. Gegenüber chinesischen und deutschen Hütten seien die Russen im Vorteil, da sie auf große eigene Rohstoffvorkommen zugreifen und damit zu niedrigen Kosten produzieren können.

Das Thema Überkapazitäten verlangt dringend nach Lösungen, denn der Preisdruck ist riesig. Im Juni sackten die Preise auf den kurz­fristigen Spotmärkten nach Berechnungen der britischen Marktforschungsgesellschaft Meps um fast 10 % gegenüber dem Vormonat ab. Zwar sinken derzeit die Rohstoffpreise, doch dieser positive Effekt wird weitgehend durch den schwachen Euro aufgezehrt.

Nach Blessing steht die europäische Stahlindustrie deshalb vor einer längeren Durststrecke. Es werde mittelfristig schwierig sein, im Stahl Geld zu verdienen. Die Rohstoffquellen seien weit entfernt und auch die Absatzmärkte, etwa für Automobile, verlagerten sich zunehmend in Schwellenländer. Kurzfristig keimt bei Experten dennoch Hoffnung auf: Sie verweisen auf die extrem leeren Läger der Stahlhändler und hoffen im Verlauf des Sommers auf wieder höhere Bestellungen. Doch Voraussetzung ist, dass die Wirtschaft nicht einbricht.

Dieter W. Heumann


Artikel vom: 2012-07-19 11:28:00
ANZEIGE