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Kooperation: Steuern, Gewerkschaften, Bürokratie – die italienische  Wirtschaft hat viele Probleme. Die Vereinbarung zwischen dem italienischen Mittelstandsverband Apindustria und dem Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) soll den Austausch verbessern. Der WirtschaftsKurier sprach mit Mario Ohoven, Präsident des BVMW, und Maurizio Casasco, Präsident von Apindustria.

Herr Ohoven
, was sind die Gründe für die ­Kooperation mit dem italienischen Mittelstandsverband Apindustria?

Mario Ohoven: Wir wollen einen stärkeren Austausch sowohl auf regionaler Ebene, insbe­sondere zwischen der Lombardei und dem Bundesland Bayern, als auch auf nationaler Ebene angeregen. Europa braucht heute wie nie zuvor starke bila­terale Verbindungen, es braucht ein echtes Zusammenwachsen der wirtschaftlichen Interessen, und zwar genau dort, wo sie am deutlichsten sichtbar werden: im Mittelstand.

Welche Rolle spielt Italien für die deutsche Wirtschaft?

Italien ist ein traditionell sehr starker Partner unseres Landes. Die italienische Wirtschaft ­gehört zu den sieben größten Volkswirtschaften der Welt und ist mit ihren etwa 60 Mio. Einwohnern für die deutsche Wirtschaft ein bedeutender Markt. So haben deutsche Unternehmen im Jahr 2011 Waren und Dienstleistungen im Wert von rund 65 Mrd. Euro nach Italien exportiert. Umgekehrt weist die Ausfuhrbilanz von Italien nach Deutschland für 2011 die ebenfalls beeindruckende Zahl von 48 Mrd. Euro aus. Damit gehört Italien zu den wichtigsten Handelspartnern Deutschlands.

Wie soll die Kooperation mit Leben erfüllt werden?

Für eine Zusammenarbeit ­bieten sich viele Anknüpfungspunkte. Italien und Deutschland sind wirtschaftlich bereits heute stark verwoben. Bei uns leben über eine halbe Million Italiener. Traditionell ist das Unternehmertum in Italien sehr stark ausgeprägt, und auch die in Deutschland wohnenden Italiener sind sehr ­häufig selbstständig oder haben eigene Unternehmen. ­Umgekehrt haben schon jetzt 2400 deutsche Unternehmen, zumeist aus dem Mittelstand, einen Sitz in Italien. 

Gibt es schon konkrete Projekte?

In den mehr als 2 000 Veranstaltungen jährlich, die die 300 Repräsentanten des BVMW vor Ort in ganz Deutschland organisieren, greifen wir genau die Themen auf, die den Mittelständlern aktuell unter den Nägeln brennen. Mit der regionalen Kooperation zwischen der Lombardei und Bayern wollen wir ­begin­nen, diese Themen auch italienischen Unternehmern in Deutschland zu vermitteln. Umgekehrt kann Apindustria deutsche Mittelständler, die Geschäfte mit der Lombardei planen oder bereits erfolgreich umsetzen, mit wertvollen, praxisrelevanten Informationen vor Ort unterstützen. Mit Bayern und der Lombardei schließen sich zwei in ihren Ländern jeweils besonders starke Regionen zusammen: Bayern erwirtschaftet nach Nordrhein-Westfalen das höchste Bruttoinlandsprodukt in Deutschland. Und die Lombardei steht für ein Fünftel des gesamten italienischen Sozialprodukts.

Was steht noch auf der Agenda?

Europa wird immer wichtiger. Deshalb wollen wir unsere Aktivitäten auch auf nationaler ­Ebene – und insbesondere mit Blick auf Brüssel – verzahnen und in gemeinsamen Aktionen bündeln. Hier bietet sich neben Veranstaltungen und politischer Arbeit vor allem das Zusammenwirken im europäischen Mittelstands-Dachverband CEA-PME an, dessen Präsident ich ja bin. So können wir gemeinsam Themen in Brüssel erfolgreich po­sitionieren. Wir wünschen uns, dass die Kooperation unserer beiden Verbände eine konstruktive Zusammenarbeit im Sinne eines Stücks gelebten Europas wird.

Signor Casasco, auch in Deutschland gibt es wie in Italien mehrere Mittelstandsverbände. Wieso haben Sie sich für den BVMW entschieden?

Mauricio Casasco: Der BVMW ist sicherlich eine der bedeutendsten Interessensvertretungen für kleine und mittlere Unternehmen in Deutschland. Eine wichtige Rolle hat gespielt, dass Herr Ohoven Präsident des europäischen Mittelstands-Dachverbandes (CEA-PME) ist. Auch dank des intensiven Zusammenwirkens mit der Kanzlei Giebelmann & Salvoni erscheint uns der BVMW als idealer Partner im Hinblick auf eine gemeinsame europäische Ausrichtung.

Italien hat wie Deutschland einen großen Mittelstand. Sehen Sie auch Differenzen?

Es gibt bedeutende Unterschiede, besonders was die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen betrifft. Deutschland hat ­einen schlanken Staat und entsprechend auch eine schlanke, organisierte Verwaltung. In Italien ist das anders: Der Aufwand, der von den Firmen betrieben werden muss, um den Verwaltungsvorschriften gerecht zu werden, die aufgrund der Vielzahl von Gesetzen und Ver­ordnungen erforderlich sind, beläuft sich auf ca. 300 Stunden pro Jahr. Besonders kleine Familienunternehmen können sich ­diesen Aufwand kaum leisten.

Welche weiteren Probleme gibt es?

Die Steuern, die die Unternehmen als Gesellschaften zu tragen haben, liegen bei 68%, in Europa sind es durchschnittlich 44%. ­Außerdem sind die Arbeitskosten extrem hoch, sie belaufen sich auf 41% des Bruttoverdienstes und liegen damit europaweit im Spitzenfeld. Zudem fehlt dem Arbeitsmarkt die nötige Flexibi­lität. In Italien werden den Teilzeitverträgen, den Freiberuflern sowie auch Ausbildungszeiten nicht genügend Aufmerksamkeit beigemessen; diese kommen vielmehr sehr oft entschieden zu kurz. Momentan geht der Druck der Gewerkschaften noch in die Richtung, dass man das Ziel verfolgt, dass der Arbeitsplatz stets auf unbestimmte Zeit garantiert werden muss.

Welche Rolle kann die Kooperation mit dem BVMW bei der Bewältigung der Schwierigkeiten spielen?

Wir planen beispielsweise – mit Unterstützung des BVMW – im nächsten Jahr eine Konferenz der europäischen Gewerkschaften zu organisieren. Die Arbeitnehmer-Vertretungen in vielen europäischen Ländern haben heute viel liberalere Positionen als die italienischen Gewerkschaften. Wir wollen mit solchen Aktivitäten einen stärkeren ­Austausch im Hinblick auf ein gemeinsames Europa ermög­lichen.

Ein Weg aus der italienischen Krise könnte die Stärkung des Exports sein. Sind die italie­nischen Firmen dafür gerüstet?

Leider gibt es darauf nur eine trockene Antwort: Nein, ein Großteil der kleinen und mittleren Unternehmen sind dem noch nicht gewachsen. Allerdings ist eine stärkere Internationalisierung ein sehr wichtiger Punkt. Denn der Inlandsmarkt stagniert derzeit. Firmen, die nicht einen Exportanteil von mindestens 25% haben, sind auf Dauer nicht überlebensfähig.

Wie können die Kontakte zu Deutschland bei der Lösung der italienischen Krise noch helfen?

Der Austausch der Erfahrungen der Unternehmer aus den einzelnen Ländern bildet eine ganz wichtige Grundlage. Denn die Internationalisierung funktioniert nicht nur über wirtschaft­liche Kontakte, sondern hat auch eine kulturelle Basis. Die Menschen müssen miteinander kom­munizieren, um eine gemein­same Zukunft für Europa und für die kommenden Generationen zu entwickeln. Dabei wird Herr Ohoven auch in seiner Funktion als Präsident des CEA-PME von unseren italienischen Unter­nehmen uneingeschränkt unterstützt, damit das gemeinsame Ziel, welches Europa im Auge hat, auch erfolgreich umgesetzt werden kann.

Die Fragen stellte
Elwine Happ-Frank,
­Chefredakteurin des ­
WirtschaftsKuriers




Artikel vom: 2012-07-07 07:52:00
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