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Verwirrende Signale

Europa: Soll Griechenland raus aus der Eurozone oder drinbleiben? Wiedereinführung der Drachme oder nicht? Sparen oder mehr Schulden? Führt das zu Wachstum oder in die Inflation? Und inmitten all der Fragen gedeiht die deutsche Wirtschaft.

Es war durchaus schon mal leichter, als Unternehmer für die nähere oder fernere Zukunft zu planen. Die poli­tischen Signale – ob national oder international – sind bestenfalls verwirrend, im Zweifel sogar deprimierend. Umso schöner, aber auch rätselhafter sind die ­Erfolge der deutschen Wirtschaft in einem Umfeld, das nicht weiß, wie es weitergehen soll. Noch schöner und noch rätselhafter ist die Prognose, dass es in Deutschland trotz Griechenland, trotz Spanien, trotz Hollande und trotz Obama weiter aufwärtsgehen wird.

Die Eurokrise macht unseren größeren und kleineren Nachbarn, die nicht zum Währungsverbund gehören, kaum weniger Sorgen als den Ländern mit Euro-Währung. Britische Experten warnen in drastischen Worten vor ­einer Pleite des Euro-Sorgenkinds Griechenland, weil dies auch das Pfund-Land Großbritannien in eine Rezession hinabreißen würde, aus der sich das Land, so ein Experte, auf Jahre hinaus nicht mehr befreien werde.

Barack Obama stößt Warnungen aus, die man nicht alle Tage von der politisch und ökonomisch führenden Nation hört: Der überzogene Sparkurs treibe nicht nur die europäische Wirtschaft, sondern auch die Weltwirtschaft in eine Abwärtsspirale.

Im Hauptkrisengebiet Griechenland ist die Verwirrung komplett. Die Linke, die wahrscheinlich die nächste Wahl gewinnt, will im Euro bleiben, aber die geborgten Milliarden nicht zurückzahlen und alle Sparanstrengungen aufgeben. Die Griechen wissen, was ihre künftigen Regierenden nicht wissen: Diese Politik führt geradewegs in die Staatspleite und in die Drachme. Also heben sie massenhaft ihre verbliebenen Euros von den Banken ab, um zu retten, was zu retten ist.

Außerhalb von Griechenland bleibt man strikt auf Kurs: Das Land muss im Euro bleiben, basta. Von Washington bis Berlin gilt das Motto: Drachme? Kommt nicht infrage. Angesichts der politischen Verhältnisse in Griechenland mutet das geradezu verrückt an. Weitere Milliarden zur Rettung eines Patienten, der kaum noch zu retten ist und offenbar auch gar nicht gerettet werden will? Aber die Einigkeit der Retter kommt nicht von ungefähr. Man hat die Gegenrechnung aufgemacht und ist zu dem Ergebnis gelangt, dass ein Scheitern des Eurolandes für die halbe Welt noch teurer würde als die bereits im Gang befindliche überteuerte Rettung.

Ob die Rechnung aufgeht, weiß wohl niemand. Die Diskussion darüber, wie die Rettung des Euro und der schwankenden Euroländer zu bewerkstelligen ist, geht derweil weiter. Sie wird jedoch immer einseitiger. Von allen Seiten ruft man der deutschen Kanzlerin zu, Schluss mit dem allzu strikten Sparkurs zu machen. Außerhalb Berlins gibt es nur wenige kleinere, aber aufrechte Nachbarn, die ebenfalls den Südländern nicht noch mehr Schulden finanzieren wollen. Doch der Druck wächst innen und außen.

Barrack Obama, der seit Langem schon aufs Gaspedal tritt, um die stotternde amerikanische Wirtschaft – mit nur mäßigem Erfolg – wieder in Schwung zu bringen, drängt sein Rezept auch den Europäern auf. Englands James Cameron, der daheim einen recht strikten Austerity-Kurs fährt, wünscht sich auf dem Kontinent einen etwas lockereren Umgang mit dem Geld. Auch er braucht ein gesundendes Europa, das ihm hilft, nicht wieder in die Rezes­sion zurückzurutschen, die sein Land gerade mühsam und unvollkommen überwindet.

Vor allem aber ist da François Hollande, der Angela Merkel ihre als typisch deutsch empfundene Sparwut austreiben möchte. Die deutsche Doppelangst vor Schulden und Inflation hält er für völlig kontraproduktiv: Auf diese Weise tausche man die Überschuldung nur gegen Rezession und weitere Überschuldung ein.

So wenig die Angelsachsen bei Angela Merkel bisher bewirkt haben, der französische Sozialist hinterlässt einen stärkeren Eindruck. Das deutsch-französische Verhältnis war und ist den Berlinern besonders kostbar. Und inzwischen ist die Angst vor sozialen Zusammenbrüchen im Süden Europas auch bei den Nordländern gewachsen: 50 % Jugendarbeitslosigkeit – das ist eine Horrorzahl, die niemanden kalt lässt.

Hinzu kommt, dass auch im Innern der Druck auf die Kanzlerin wächst. Das CDU-Wahlde­saster in Nordrhein-Westfalen hat dem Kurs der Sozialdemokraten mehr Kraft gegeben: Sparen ja, aber nicht ohne Wachstum. Angela Merkel hört inzwischen die Rufe nach Wachstum sogar aus dem ­eigenen Lager, aus dem Mund von Finanzminister Schäuble.

Die Zauberformel „Sparen plus Wachstum“ ist ja auch zu schön, um ihr zu widerstehen. Also noch mehr Geld für die Griechen, auch wenn sie nicht sparen? Das klingt weniger attraktiv. Aber die Doppelformel vom Sparen plus Wachstum hat längst ihre Eigendynamik entwickelt. Sie ist das Motto der letzten Phase der Eurorettung.

Und tatsächlich gibt es bei all dem Sparen ja auch Wachstum. In Deutschland nämlich. Die deutsche Wirtschaft wächst und gedeiht in diesem verwir­renden Euroumfeld. Ein Wirtschaftswunder mit Vorgeschichte: Man hat nicht über seine Verhältnisse gelebt und profitiert jetzt von dieser Solidität. Frankreichs Nicolas Sarkozy wollte darum sein Land deutscher machen. Vorerst muss Deutschland die Südländer aufpäppeln. Auch das muss kein Schaden für die deutsche Wirtschaft sein. 

Rainer Bonhorst


Artikel vom: 2012-06-04 13:45:00
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