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Eine Vertrauensfrage

Eines ist Josef Grünbeck gewiss nicht vorzuwerfen: dass er sich zu spät um die Regelung seiner Nachfolge gekümmert hat. Bereits um das Jahr 1970, im Alter von 45 Jahren, plante der Unternehmensgründer und Hauptgesellschafter der Grünbeck Wasseraufbereitung GmbH für die Zeit nach seinem Berufsausstieg. Da das Ehepaar Josef und Loni Grünbeck kinderlos blieb, fehlten Nachfolger aus der Familie, doch die enge Beziehung zu den Mit­arbeitern gab bereits den Weg vor für die Übertragung des Unternehmenskapitals auf die Belegschaft, wie Grünbeck-Geschäftsführer Peter Lachenmeir erklärt: „Josef Grünbeck bezeichnete seine Angestellten oft als seine Kinder, was seine große Verbundenheit zum Mitarbeiterstab beweist. So kam er schon damals auf die Idee, die Angestellten am Unternehmen zu beteiligen.“

Das Ergebnis war die erste Stufe des Grünbeck-Beteiligungsmodells: Im Rahmen eines Partnerschaftsvertrags wurden 50 % des Bilanzgewinns an die Mit­arbeiter ausgeschüttet, verblieben jedoch als Belegschaftsdarlehen verzinst im Unternehmen. Als zweite Stufe des Beteiligungsmodells wurde 1980 die Ein­zelfirma in eine GmbH umgewandelt. Weiterer Gesellschafter wurde die neu gegründete Grünbeck-Mitarbeiter-Beteiligungs GmbH. Sie ermöglichte die indirekte Beteiligung der Mitarbeiter, die ihre individuellen Erfolgsanteile im Unternehmen belassen. Richtungsweisend war die Einrichtung eines Firmenbeirats, der die Geschäftsführung berät und langfristig Aufgaben bei der Unternehmenssicherung übernimmt.

Fünf große Ziele hatte Grünbeck dadurch erreicht, wie Geschäftsführer Lachenmeir ausführt: „Die Regelung bedeutete die Erfüllung der wichtigsten Vorhaben der Familie Grünbeck: die Sicherung des langfristigen Fortbestands des Unternehmens, die Beteiligung der Mitarbeiter an seinem Wertzuwachs, eine Möglichkeit für die Mitarbeiter, Einkünfte aus Kapitalvermögen zu erzielen und so die finanzielle Grundlage für ihren Ruhestand zu verbessern, eine freie Verfügbarkeit des Beteiligungskapitals durch die Anteilsbörse sowie die Förderung der menschlichen Beziehungen zwischen Gesellschaftern und Mitarbeitern.“

Aktiv für Politik und Unternehmen

Anfang der 1970er-Jahre war diese Beteiligungsregelung eine aufsehenerregende Konstruk-­tion – doch für Grünbeck noch lange nicht das Ende der Fahnenstange. So, wie er sich als Abgeordneter im Deutschen Bundestag immer wieder für die Vermögensbildung in Arbeitnehmer­hand stark machte, entwickelte er auch das Partnerschafts- und Beteiligungsmodell im eigenen Unternehmen weiter.

1986 folgte die nächste Stufe des Grünbeck-Modells: Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bekamen die Möglichkeit, sich im Rahmen des Fünften Vermögensbildungsgesetzes als stille Gesellschafter an der Grünbeck Wasseraufbereitung GmbH zu beteiligen. Bei dieser Anlage, die als vermögenswirksame Leistung staatlich gefördert wurde, erhielten die Angestellten eine Prämie von seinerzeit maximal 300 Mark pro Jahr.

Doch damit nicht genug: 1988 beschlossen Beirat und Gesellschafter des Unternehmens und der Grünbeck-Mitarbeiter-Beteiligungs GmbH die Verschmelzung Letzterer mit der Hauptfirma. Damit sind die Mitarbeiter direkt am Unternehmen beteiligt. Heute hat Grünbeck 109 Gesellschafter und 67 stille Beteiligte. Diese wählen den Beirat und überwachen damit die Geschäftsführung.

Und Josef Grünbeck ging noch einen Schritt weiter: Er verfügte, dass im Erbfall seine Geschäftsanteile auf die Mitarbei­ter-Gesellschafter übertragen wer-den sollten – mit seinem Tod am 15. Oktober 2012 wurde diese ­Regelung nun wirksam.

Eine Stiftung für den Firmenerhalt

Um die Unabhängigkeit des Unternehmens dauerhaft zu sichern und eine Zersplitterung der Anteile zu vermeiden, hatte das Unternehmer-Ehepaar bereits 2010 die gemeinnützige Loni und Josef Grünbeck-Stiftung gegründet. „Durch diese neue Gesellschafterstruktur ist die Grünbeck Wasseraufbereitung GmbH quasi unverkäuflich. Der Standort Höchstädt mit seinen Arbeitsplätzen ist dauerhaft gesichert, auch der Name des Unternehmens bleibt erhalten“, so Lachenmeir. Stiftungszwecke sind die Förderung von Wissenschaft und Forschung, insbesondere im Bereich der Wasseraufbereitung, die Förderung von qualifiziertem Nachwuchs sowie die Unterstützung von hilfsbedürftigen Personen.

Das Vertrauen in die Belegschaft, das Josef Grünbeck in­vestierte, war offenbar gerechtfertigt, wie sich an der starken Marktposition des Unternehmens zeigt. Die heutige Grünbeck-Firmengruppe ist weltweit aktiv und die über 750 Mitarbeiter erarbeiten einen Jahresumsatz von rund 120 Mio. Euro.

Frühe Planung ist entscheidend

Auch die personelle Nach­folgeregelung bei der Unternehmensführung musste Grünbeck früh treffen. Das lag zum Teil an äußeren Einflüssen, wie Lachenmeir erläutert: „Josef Grünbeck war von 1978 bis 1982 und 1990/91 für die FDP Mitglied des Baye­rischen Landtags sowie von 1983 bis 1994 Mitglied des Deutschen Bundestags. Als Landesvorsitzender führte er die FDP Bayern von 1989 bis 1991. Dies war mit häu­figer Abwesenheit vom Tagesgeschäft des Unternehmens verbunden, das er als Vorsitzender der Geschäftsführung leitete. Hinzu kamen die Folgen eines schweren Autounfalls 1995. Daher entschied er sich zu seiner aktiven Zeit mit seiner Menschenkenntnis für einen fähigen und vertrauenswürdigen Nachfolger.“ Dafür holte er Walter Ernst in die Firma, der nach seinem Unfall Geschäftsführer wurde. Ab 2000 wurde die Führung um Günter Stoll erweitert. Als Ernst 2010 in den Ruhestand trat, rückte Lachenmeir in die Chefetage auf.

Alles in allem ist die Nachfolgeregelung von Josef Grünbeck kein Allerweltsmodell, sondern ein Beispiel für die unternehme­rische und menschliche Kompetenz eines Vorzeigevertreters des deutschen Mittelstands.

Dr. Hans-Dieter Radecke


Artikel vom: 2013-01-02 11:12:00
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