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Kredite bleiben billig

WirtschaftsKurier: Herr Wohlrabe, die Kredithürde, die mo­natlich vom ifo Institut veröffentlicht wird, misst die Bereitschaft der Banken in Deutschland, Kredite an Unter­nehmen zu vergeben. Dazu werden etwa 4 000 Firmen befragt. Wie hat sich die Kredithürde im November entwickelt?

Klaus Wohlrabe: Die Kredit­­hürde für die gewerbliche Wirtschaft Deutschlands ist im ­November minimal um 0,3 Prozentpunkte gestiegen. Erneut ­berichteten nur 21,6 % der befragten Unternehmen von Restrik­tionen bei der Kreditvergabe von Banken. Das Finanzierungsumfeld für die Unternehmen ist weiterhin sehr günstig.

Gilt die Entwicklung der Kredithürde gleichermaßen für das verarbeitende Gewerbe, das Bauhauptgewerbe und den Handel?

Die Entwicklung verlief in den Branchen unterschiedlich. Während die Kredithürde im verar­beitenden Gewerbe stieg, sank sie in der Bauwirtschaft, und im ­Handel blieb sie sogar unverändert. Für alle drei Sektoren gilt ­jedoch, dass die Kredithürde weiterhin sehr niedrig liegt.

Und wie sieht die Kredithürde aus – betrachtet nach Unternehmensgrößen?

Im verarbeitenden Gewerbe stieg die Kredithürde über alle Größenklassen hinweg, am stärksten jedoch für die Groß­firmen. Im Moment lassen sich aber keine generellen Trends dar­aus ablesen.

Korreliert die Höhe der Kredithürde ziemlich eng mit der konjunkturellen Situation in den einzelnen Wirtschaftszweigen?

Das kann man durchaus sagen, und zwar negativ. Das heißt, wenn die Kredithürde sinkt, dann befindet sich die Konjunktur tendenziell im Aufschwung und umgekehrt. Es muss jedoch betont werden, dass die Kreditsituation nur ein Teil in dem komplexen Puzzle der Konjunktur ist. In diesem Jahr ist dieser Zusammenhang jedoch etwas außer Kraft gesetzt worden: Trotz günstigem Finanzierungsumfeld kam es zu einer Abkühlung der Konjunktur. Dies kann unter anderem mit einer gestiegenen Unsicherheit aufgrund der Eurokrise erklärt werden.Die Kredithürde verharrt gegenwärtig auf ziemlich niedrigem Niveau. Die Bereitschaft der Kreditinstitute, ihr Geld zu verhältnismäßig günstigen Konditionen zu verleihen, ist relativ hoch. Aber die Wirtschaft greift nicht in erhofftem Ausmaß zu.Die immer noch relativ niedrige Kredithürde der Banken und Sparkassen kann nicht verhindern, dass die Wirtschaft schwächelt. Man darf den Einfluss reichlichen und billigen Geldes nicht überschätzen. Für Unternehmen sind vor allem die künf­tigen Geschäftsaussichten und die Gewinnerwartungen wesentlich wichtiger. Hätten wir allerdings derzeit eine hohe Kredithürde, die sich eventuell gar als Kreditklemme darstellen würde, dann dürfte dies den Abkühlungsprozess in der Wirtschaft eher noch beschleunigen.

Dass derzeit zumindest ein Teil der Kreditinstitute über eine schleppende Kreditnachfrage klagt, könnte unter anderem doch auch mit der höhe­ren Selbstfinanzierung der Unternehmen zu tun haben. Was hat die Unternehmen dazu bewogen, ihre Eigenfinanzierung teilweise kräftig zu stärken?

In der Tat, die Selbstfinanzierung der Unternehmen hat sich in den letzten Jahren deutlich verbessert. Da spielen die Erfahrungen aus der jüngsten Finanzkrise eine erhebliche Rolle. Die Krise sorgte für zeitweilig ausgetrocknete Finanzmärkte – mit Folgen für die Kreditmärkte. Das hat ­einen Teil der Firmenkreditkunden der Banken in erhebliche Schwierigkeiten gebracht. Die Unternehmen sind vielfach dazu übergegangen, sich in der Fi­nanzierung neu aufzustellen. Die letzten – konjunkturell – guten Jahre, die dem Gros der Unternehmen zu einer komfortablen Ertragslage verhalfen, sind vielfach genutzt worden, um die Selbstfinanzierungskräfte nachhaltig zu stärken.

Bedienen sich immer mehr Unternehmen – auch aus dem Mittelstand – anderer Finan­zierungsquellen und gehen zum Beispiel direkt an den Kapitalmarkt?

Sicherlich kann man nicht von einem Trend weg vom klassischen Bankkredit sprechen. Aber die Unternehmen öffnen sich heute eher anderen Finanzierungsformen, als das früher der Fall war. Das ifo Institut hat im vergangenen Jahr Unternehmen zu dieser Thematik befragt, und da stellte sich heraus, dass die Banken und Sparkassen heute ein weit über den klas­sischen Bankkredit hinausgehendes ­Angebot offerieren. ­Richtig ist aber auch, dass sich – vor allem größere – Mittelständler direkt an den Kapitalmarkt ­wagen und zum Beispiel Schuld­verschrei­bun­gen oder eigene Anleihen auflegen.

Die Eurozone – Deutschlands größter Exportmarkt – befindet sich in der Rezession. Wie lange wird sie anhalten?

Wir gehen davon aus, dass die ­Rezession in der Eurozone das Jahr 2013 bestimmen wird. Zu ­beachten ist auch, dass jederzeit wichtige Entscheidungen mit Blick auf die Euroschuldenkrise anstehen können, die heute noch ungewiss sind, die aber auch den Konjunkturverlauf im Euro­raum beeinflussen dürften.Die deutschen Exporte in die Partnerländer innerhalb der Eurozone sind teilweise kräftig zurückgegangen.

Wie weit können die Ausfuhren in die Schwellenländer dies ausgleichen?

Nach unseren Erkenntnissen ist das derzeit noch weitgehend möglich. Vor allem aus Osteuropa beobachten wir eine lebhafte Nachfrage nach deutschen Waren und Dienstleistungen. China hat sich erholt, sodass die Ex­porte davon profitieren. Neben Asien gilt der ostasiatische Raum als gutes Umfeld für die deutschen Exporte, zum Beispiel in Länder wie Indonesien, Malaysia oder Südkorea, die die Exportrückgänge größtenteils auffangen. In diesen Ländern erwarten wir auch in den nächsten Quartalen eine florierende Export­tätigkeit. Aber auch Brasilien, das derzeit kräftig in seine Infrastruktur investiert, belebt die deutschen Ausfuhren. Zwar nehmen die Unsicherheiten für die Ausfuhren – wie bereits eingangs betont – allgemein zu, doch ­insgesamt sehen wir die deutschen Exporte noch auf ­sicherem Boden.

Sehen Sie auch die Bundes­republik auf dem Weg in eine Rezession?

Noch sehen wir für Deutschland nicht die Gefahr einer Rezession. Die ersten beiden Quartale 2012 waren besser als erwartet. Das dritte Quartal war mit 0,2 % Wachs­tum etwas schwächer, und für das laufende Quartal erwar-ten wir sogar ein leicht negatives Wachstum. Aufs Jahr gerechnet wird aber eine positive Zahl herauskommen.

Kann die ursprüngliche Wachs­tumsprognose 2012 für Deutschland aus heutiger Sicht in etwa erreicht werden?

Die Prognose des ifo Instituts für das reale Wirtschaftswachstum für 2012 lag zu Jahresbeginn bei 0,7 %. Auf Basis der aktuellen ­Entwicklungen kann diese Pro­gnose leicht angehoben werden.

Und welche Entwicklung erwartet das ifo Institut für 2013?

Unter der Annahme, dass es zu keiner Verschlechterung der ­Eurokrise kommt, rechnen wir wieder mit einer leicht positiven Wachstumsrate.

Das Interview führte
WiKu-Mitarbeiter
Dieter W. Heumann


Artikel vom: 2013-01-01 11:06:00
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