Trends - Hintergründe - Innovationen
Home Kontakt Sitemap 

Aktuelle Printausgabe

Abo WirtschaftsKurier
inkl. 7% MwSt.
Zusendung per Post

Abonnement
27,50 Euro
Studenten-Abo*
20,62 Euro
Mehrfachlieferungen** ab 5 Stück
20,62 Euro

*Bitte gültige Immatrikulations-
bescheinigung an den Verlag senden

** Vorzugspreis kann nur gewährt werden, wenn ein identischer Besteller, Empfänger und Zahler die jeweilige Menge abnimmt


Abonnement Ausland – Jahrespreis
ohne MwSt.
Zusendung per Post

Abonnement
38,40 Euro


Weimer Media Group
Maximilianstraße 13
80539 München

Tel: 08022-7044443
E-Mail: Abo-Bestellung


Das Abonnement verlängert sich automatisch um jeweils ein Bezugsjahr, wenn nicht zwei Monate vor Ablauf gekündigt wird.
Widerrufsgarantie: Sie können die Bestellung innerhalb von zehn Tagen ohne Angabe von Gründen schriftlich bei der Weimer Media Group, Maximilianstraße 13, 80539 München, widerrufen. Zur Fristwahrung genügt die rechtzeitige Absendung (Poststempel).

Bis in alle Ewigkeit

Die Fugger und die Rockefeller haben auf den ersten Blick nicht viel gemeinsam, außer Geld – und ihre stifterische Tätigkeit. Noch heute gründen Firmenlenker Stiftungen, um der Gesellschaft Gutes zu tun oder um die Zukunft des Betriebs zu erhalten. „Oftmals entscheiden sich Unternehmer dazu, ihre Firma in eine Stiftung einzubringen, um das Thema Nachfolge zu sichern“, weiß Martina Erlwein, Leiterin des Stiftungs-Office der Berenberg Bank in Hamburg. „Dazu gehören die Erhaltung des Firmenvermögens in seiner Gesamtheit, die Gestaltung der unternehmerischen Nachfolge und die finanzielle Absicherung und Versorgung der Familie.“ Trotz aller Vorteile sollte der Schritt vorab gut durchdacht sein, denn das gestiftete Vermögen gehört mit der Überweisung auf das Stiftungskonto unwiderruflich der Einrichtung.

Aufgrund der Verbesserung der Rahmenbedingungen für Stiftungen seit 2000 hat sich die Zahl rechtsfähiger Stiftungen bürgerlichen Rechts in Deutschland laut Bundesverband Deutscher Stiftungen in der vergangenen Dekade mehr als verdoppelt. Insgesamt zählte der Verband 2011 deutschlandweit rund 19 000 Stiftungen. Die Organisation mit Sitz in Berlin hat es sich zur Aufgabe gemacht, stiftungswilligen Bürgern bei der Umsetzung ihres Ziels mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.

Anthroposophische Saftmanufaktur

Dass eine Stiftung zur Sicherung der Firmenidee und als Nachfolgeregelung sinnvoll ist, zeigt das Beispiel der Voelkel-Stiftung. Mit der Gründung erreichte Voelkel-Geschäftsführer Stefan Voelkel, dass die familiengeführte Bio-Saftmanufaktur im Sinne der Firmenmaximen, die auf anthroposophischen Grundsätzen beruhen, weitergeführt wird.

Die ganzheitliche Unternehmensphilosophie im Hause Voelkel reicht rund 80 Jahre zurück. Damals zogen Karl und Margret Voelkel mit einer fahrbaren Saftpresse – dem „Mostmax“ – auf dem Höhbeck nahe der Elbe von Dorf zu Dorf und verwandelten das Obst der Anwohner in fruchtige Säfte. 1936 entstand die Bio-Mosterei Voelkel in der stillge­legten Meierei von Pevestorf.

Mit der biodynamischen Bewirtschaftung der Obstgärten legte das Ehepaar Voelkel vor knapp einem Jahrhundert den Grundstein für den Demeter-Grundgedanken, dem das Unternehmen bis heute treu ist. Mit etwa 150 Mitarbeitern hat sich die Saft­manufaktur, mit Stefan Voelkel in der dritten Generation, zu einer der bekanntesten Bio-Marken Deutschlands entwickelt.

Kreislauf der Finanzierung

Anlässlich des 75. Firmenjubiläums 2011 entschloss sich der Firmenchef gemeinsam mit seinen vier Söhnen, das Unternehmen in eine Stiftung zu überführen. „Wir haben uns für diese Form entschieden, damit das Kapital und die Erträge aus dem Unternehmen auch in Zukunft in die Unternehmensentwicklung reinvestiert werden“, erklärt der Safthersteller. Der Finanzierungskreislauf funktioniere dabei folgendermaßen: „Die Gewinne der Voelkel GmbH gehen an die Stiftung, die dieses Geld wiederum in die GmbH investiert.“ Stefan Voelkel und seine Schwester Christiane Voelkel überschrieben der Stiftung gleichermaßen ihre Firmenanteile. Die Unternehmensstruktur wurde beibehalten, das Kuratorium der Stiftung bildet die vierte Generation der Familie Voelkel. Sie wacht über die Einhaltung der Stiftungsgrundsätze.

Besonders die langfristige ­Sicherung des Voelkel-Leitgedankens „Verantwortung für Mensch und Natur“ war für die Stiftungsgründung ausschlaggebend: „Wir haben beobachtet, dass es auch in der Bio-Branche Unternehmen gibt, die schnell wachsen und dann verkauft werden. So geraten Gründungsidee und Unternehmenszweck oft in den Hintergrund. Das ist im Hinblick auf den Bio-Gedanken und die Verantwortung für Umwelt und Gesellschaft bedenklich“, begründet Stefan Voelkel die Entscheidung.

Mit der Verankerung der Unternehmensphilo­sophie in der Stiftungssatzung konnte diese bei Voelkel nachhaltig gesichert werden. So leistet das Familienunternehmen weiterhin einen ökologischen und gesellschaftlichen Beitrag im Sinne seiner Gründer.

Etwas anders sieht es bei der Schöffel-Stiftung in Schwabmünchen aus. Hier war gesellschaft­liches Engagement ausschlaggebend für die Stiftungsgründung. Während andere Firmen jedoch häufig die Vermarktung ihrer stifterischen Tätigkeiten zu Corporate-Social-Responsibility-Zwecken für das Unternehmen nutzen, sind Geschäftsaktivitäten der Schöffel Sportbekleidung GmbH und Ziele der Schöffel-Stiftung klar voneinander getrennt. „Die Stiftung ist für uns kein Marketinginstrument, sondern ein privates Engagement der Familie Schöffel“, betont Andrea Schöffel, die für die Planung und Umsetzung der Projekte zuständig ist. Die Familie sei sich darüber bewusst, dass sie auf der Sonnenseite des Lebens stehe. Daher sei es vielmehr ein persönliches Anliegen, der Gesellschaft ein Stück des Erfolgs abzugeben, so die Stiftungsbeauftragte. So wurde im März 2011 die Schöffel-Stiftung ins Leben gerufen.

Den Stiftungsrat der Schöffel-Stiftung bilden Peter Schöffel, CEO der GmbH, und sein Vater Hubert Schöffel. Sie legen die Anlagestrategie des Stiftungsvermögens fest. „Die Erträge des Stiftungskapitals fließen zu 100 % in die Projekte“, berichtet Andrea Schöffel. „Durch das ehrenamtliche Engagement der Familienmitglieder fallen keine Personalkosten an. Die Verwaltung wird von Mitarbeitern der GmbH mitbetreut.“

Ein Wanderweg für den Heimatort

Vor allem soziale Projekte in der Region stehen im Mittelpunkt der Stiftungstätigkeiten. „Wir unterstützen beispielsweise ein ­Demenzprogramm für alte Menschen sowie ein Kunstprojekt der Sankt-Gregor-Jugendhilfe zur kreativen Förderung von Kindern und Jugendlichen“, berichtet Andrea Schöffel. „Als größeres Zukunftsprojekt planen wir, die Attraktivität unserer Heimatstadt Schwabmünchen für alle Bevölkerungsschichten mit einem Rundwanderweg um den Ort zu steigern.“

Beide Stifter berichten von ­einem reibungslosen Gründungsablauf. „Unterstützung erhielten wir von einer Anwaltskanzlei. Als Vorbilder haben wir uns Geschäftsmodelle wie das des Naturkosmetik- und Arzneimittelherstellers Wala gesucht, bei denen das Firmenkapital nicht den Eigentümern gehört, sondern der Firmenidee“, beschreibt Stefan ­Voelkel das Vorgehen bei der Stiftungsgründung.

So unterschiedlich die Beweggründe für die Stiftungsgründung bei Voelkel und Schöffel sind – die Motivation fällt in beiden Fällen sehr hoch aus. Stefan Voelkel und Andrea Schöffel sind sich einig, dass sie den Schritt immer wieder machen würden. Das Kapital gehört zwar nicht länger einer Privatperson, dennoch muss es unternehmerisch, das heißt gewinnbringend, verwaltet werden. „Wir wollen ja möglichst viel Gutes tun“, verkündet Andrea Schöffel optimistisch – und der anthroposophische Leitgedanke im Hause Voelkel soll noch von kommenden Generationen vertreten werden.

Kathrin Hansel


Artikel vom: 2012-12-17 11:00:00
ANZEIGE