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Mutmacher

WirtschaftsKurier: Es gibt viele Möglichkeiten, Geld anzulegen. Doch nicht alle sind in Zeiten des Dauerzinstiefs sinnvoll. Wel­che ist denn die lukrativste?

Dr. Christian Jasperneite: Die Frage ist dabei immer, was der Investitionshorizont ist. Ein ­tradingorientierter Anleger denkt vielleicht nur an die nächsten Tage und Wochen. Wenn man von einem Zeitraum von meh­re­ren Jahren ausgeht, sind An­­leihen wenig attraktiv. Aktien sind zunehmend alternativlos, wenn man langfristig eine Rendite von über 4 % realisieren möchte.

Wie stark sollte man die Aktienquote erhöhen?

Man sollte niemals ausschließlich auf eine Möglichkeit setzen. Aber der Anleger wird nicht darum ­herumkommen, in seiner strate­gischen Allokation die Aktienquote etwas anzuheben. Er wird danach immer noch Staatsanleihen oder Unternehmensanleihen halten, aber der Anteil sollte abnehmen. Ein wichtiger Punkt ist auch, das Portfolio viel aktiver zu ma­nagen. Früher hat man mit einer sehr statistischen Allokation relativ ordentliche Ergebnisse ­erzielt. Angesichts des volatilen Umfelds sollte man öfter die ­Aktienquote variieren. Genauso wie wir im Moment empfehlen, Aktien relativ stark zu gewichten, kann es sein, dass man in ein paar Wochen vielleicht schon das Gegenteil tun muss. Man wird also zunehmend gezwungen sein, relativ aktiv seine Quoten zu ­steuern, weil man sonst mit sehr großen Drawdown-Verlustrisiken konfrontiert ist.

Haben Sie ein Beispiel?

Wir haben das mal in einem Multi-Asset-Portfolio durchgerechnet, das eine Rendite von 4 % anstrebt. Wenn man das strategisch angeht, müsste man einen Drawdown von 23 % akzeptieren. Das heißt, wenn man mit einer Investition von 100 Euro startet, kann es sein, dass 18 Monate später nur noch 77,78 Euro da sind. Das wäre der Preis dafür, dass man langfristig überhaupt noch eine Chance hat, eine 4 %-Rendite zu bekommen.

Was sagen die Kunden dazu?

Die meisten Anleger sind eigentlich nicht bereit, solche extremen Drawdown-Risiken zu akzep­tie­ren. Die Alternative ist dann, den Kopf in den Sand zu stecken oder das Ganze aktiver anzugehen. Ich glaube, da wird der Weg hingehen. Das hat jetzt überhaupt nichts mit Zocken zu tun, denn man kann das alles durchaus auf Basis von fundamentalen Daten ganz seriös aufziehen. Aber man muss halt „am Ball bleiben“. Also anders als das, was Kostolany früher gepredigt hat: kaufen, liegen lassen und 20 Jahre schlafen. Das wird nicht mehr funktionieren.

Angesichts der großen Unsicher­heit – sollte man nicht mehr Bar­bestände aufbauen?

Grundsätzlich habe ich überhaupt kein Problem damit, temporär die Cashquote deutlich hochzufahren. Aber das muss dann wohlüberlegt sein, denn auch das ist eine aktive Entscheidung. Allerdings würde ich, wenn man jetzt investieren will, dazu raten, innerhalb weniger Wochen eine Allokation aufzubauen – aber sie muss atmen. Denn wenn die EZB es schafft, das Rendite­niveau der südeuropäischen Staatsan­l­eihen zu reduzieren, ­wovon ich ausgehe, dann werden die Aktien auch weiter steigen. Noch ist das Potenzial am Aktienmarkt nicht ausgereizt.

Wie sinnvoll sind Investitionen in Immobilien?

Das Problem ist, dass Immobilien zumindest in einigen Segmenten und Nutzungsarten schon relativ teuer sind. Denn sehr viele In­vestoren rechnen in den nächsten Jahren mit erhöhten Inflations­raten und sind daher bereit, ­geringe Mietrenditen zu akzep­tieren; schließlich liefern Immo­bi­lien bei hohen Inflationsraten ­einen gewissen Schutz. Das ­Pro­­blem ist nur, dass die Inflation vielleicht gar nicht kommt. Japan ist ein schönes Beispiel dafür, dass man über sehr, sehr lange Zeit eine dramatisch expansive Geldpolitik ohne Inflation be­treiben kann. Grundsätzlich gehören aber Immobilien in ein gut ­di­versifiziertes Portfolio, gerade vor dem Hintergrund rekordtiefer Renditen für Anleihen.

Sie glauben also nicht, dass die Inflation in Europa noch kommt?

Nein, davon gehe ich nicht aus. Ich denke, solange die europäischen Volkswirtschaften – insbesondere Südeuropa – in einer ­Situation sind, in der die Kapazitätsauslastung deutlich unter normalen Werten liegt und das Niveau der Kreditvergabe niedrig ist, haben wir kein Inflations­­pro­blem. Und das ist momentan die Situation. Zwar steigt die Geldmenge, aber sie wird nicht nachfragewirksam.

Wann steigen denn eigentlich mal wieder die Zinsen?

Ich könnte jetzt sagen: Die nächsten 20 Jahre passiert da nicht viel, aber das wäre natürlich übertrieben. Man muss dabei hinsichtlich der Restlaufzeiten unterscheiden. Die EZB ist sicherlich in der Lage, das bei Anleihen von bis zu fünf Jahren Laufzeit zu steuern. Bei längeren Anleihen wird sie das nicht können. Und der ESM wird,  trotz der starken Ausweitung, möglicherweise nicht genug Munition haben, die Renditen auf lange Zeit niedrig zu halten.
Das Interview führte
WIKU-Redakteur
Julian Reusch


Artikel vom: 2012-12-06 10:51:00
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