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Ein knappes Gut

WirtschaftsKurier: Institutionelle Investoren kaufen immer öfter Pfandbriefe als Alternati-ve zu Staatsanleihen. Wie wirkt sich das auf den Markt aus?

Jens Tolckmitt: Der Pfandbrief ist derzeit in der Tat sehr begehrt. Die Nachfrage übersteigt das Angebot deutlich. Das Angebot kann aber nicht beliebig erhöht werden, weil die Emissionstätigkeit der Pfandbriefbanken an die Entwicklung des deckungsstockfähigen Aktivgeschäfts geknüpft ist, also an die Vergabe von Finanzierungen für Immobilien oder für die öffentliche Hand in genau definierten Märkten.

Was macht den Pfandbrief so attraktiv?

Der Pfandbrief ist ein deutsches Produkt mit einer langen Tra­di­tion und einer im Vergleich zu ähnlichen Papieren aus anderen Ländern einzigartigen gesetzlichen Grundlage. Diese wird eindeutig vom Sicherheitsgedanken dominiert. Noch nie in der Geschichte des Pfandbriefs hat ein Investor damit Geld verloren. Selbst im Fall der Insolvenz einer Emissionsbank bekäme er sein Geld zurück. Denn jeder Pfandbrief ist mit Hypothekendarlehen sowie Forderungen gegen die öffentliche Hand besichert, die vor dem Zugriff anderer Gläubiger geschützt sind. Hinzu kommt seine insbesondere im Vergleich zu Staatsanleihen höhere Verzinsung. Und was die Perspektive der Emittenten betrifft: Für sie ist der Pfandbrief deshalb so attraktiv, weil er zu jeder Zeit zu an­gemessenen Konditionen einen zuverlässigen Zugang zu Liqui­dität bietet. Selbst zu den Hochzeiten der Finanzkrise, als der Markt zum Beispiel für ungedeckte Schuldverschreibungen von Banken praktisch nicht mehr funk­tio­nsfähig gewesen ist, wurden erfolgreich Pfandbriefe emittiert.

Stichwort Sicherheit: Aus welchen Immobilienarten besteht die Deckungsmasse von Hypothekenpfandbriefen?

Das ist von Papier zu Papier verschieden. Im Marktdurchschnitt besteht die Deckungsmasse von Hypothekenpfandbriefen zu 80 % aus Immobilienfinanzierungen auf dem im internationalen Vergleich sehr wertstabilen deutschen Immobilienmarkt. Etwa die Hälfte der Deckungsmasse sind Wohn- und die andere Hälfte Gewerbeimmobilien. Wichtig ist in dem Zusammenhang, dass die Objekte nach besonders strengen Grundsätzen bewertet werden und nur bis zu 60 % dieses konservativen Wertansatzes über Hypothekenpfandbriefe ­refinanziert werden dürfen. Damit ist ein sehr großer Puffer für Marktpreisveränderungen in das System eingebaut.

Immer mehr deutsche Banken beantragen eine Pfandbriefbank-Lizenz. Das müsste doch zu einer Ausweitung des Angebots führen.

Es stimmt, das Interesse am Pfandbrief ist sehr groß. Die Zahl der Emittenten ist in den vergangenen Jahren stetig gewachsen und wird nach unserer Einschätzung auch weiter steigen. Dies wird sicher zu einer Erhöhung des Angebots durch den Markteintritt neuer Emittenten führen. Doch grundsätzlich gilt wie gesagt: Die Banken können nur in dem Umfang Pfandbriefe aus­geben, wie sie auch Hypotheken- und Staatsfinanzierungskredite vergeben. Insofern hängen die Emissionsvolumina auch maßgeblich vom Aktivgeschäft ab, das speziell im Bereich der Immo­bilienfinanzierung zwar aktuell deutlich belebt ist, aber wegen der vorhandenen Unsicherheiten im Markt vorerst nicht das Niveau früherer Jahre erreicht.

Die Natixis, das zweitgrößte französische Institut, hat eine Pfandbriefbank-Lizenz in Deutschland erworben. Warum ist der deutsche Markt für Ausländer so interessant?

Alternative Refinanzierungs­instrumente hatten in der Finanzkrise, speziell nach der Lehman-Pleite, deutliche Schwächen gezeigt, teilweise war der Markt dafür tot. Der Pfandbrief hat sich demgegenüber als krisensicher erwiesen. Er ging sogar gestärkt aus der Krise hervor und ist heute fester Bestandteil eines strate­gischen Refinanzierungsmanagements. Das gilt auch für immer mehr ausländische Institute. Sie können sich zudem über den Pfandbrief günstiger refinanzieren als über vergleichbare Wertpapiere in ihrem Heimatland.

Günstiger als über andere Covered Bonds, also über Pfandbrief-ähnliche gedeckte Schuldverschreibungen aus anderen europäischen Ländern?

Vor der Finanzkrise waren die Konditionen bei den anderen ­Covered Bonds ähnlich wie beim Pfandbrief. Das hat sich seither geändert. Die Investoren honorieren die im Vergleich zu anderen Covered Bonds strengeren gesetzlichen Regelungen beim Pfandbrief, die höhere Sicherheit versprechen. Dieses Vertrauen drückt sich in niedrigeren Renditeaufschlägen aus.

In Deutschland sollen die Institute jetzt noch mehr Informationen über die Deckungsmassen veröffentlichen. Ist das nötig?

Eine wichtige Lehre aus der Finanzkrise ist, dass der Investor verstehen soll und muss, was er kauft. Die Banken veröffentlichen bereits vierteljährlich detaillierte Informationen über die Zusammensetzung der Deckungsmassen. Wir sind aber ständig im ­Dialog mit den Investoren und achten sehr genau darauf, dass wir deren Anforderungen erfüllen. Sicherlich wollen die Investoren keine unbegrenzte Datenflut. Aber die eine oder andere Ergänzung scheint sinnvoll und gewünscht, so zum Beispiel eine Ausweitung der Angaben über die Länderrisiken in den sogenannten weiteren Deckungswerten. Das hat mit der Krise in ei­nigen europäischen Ländern zu tun. Diesem Wunsch werden wir im Rahmen der derzeit im parlamentarischen Prozess ­befindlichen Novelle des Pfandbriefgesetzes nachkommen.

Das Interview führte
Elwine Happ-Frank,
Chefredakteurin des
WirtschaftsKuriers


Artikel vom: 2012-11-29 15:05:00
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