Trends - Hintergründe - Innovationen
Home Kontakt Sitemap 

Aktuelle Printausgabe

Abo WirtschaftsKurier
inkl. 7% MwSt.
Zusendung per Post

Abonnement
27,50 Euro
Studenten-Abo*
20,62 Euro
Mehrfachlieferungen** ab 5 Stück
20,62 Euro

*Bitte gültige Immatrikulations-
bescheinigung an den Verlag senden

** Vorzugspreis kann nur gewährt werden, wenn ein identischer Besteller, Empfänger und Zahler die jeweilige Menge abnimmt


Abonnement Ausland – Jahrespreis
ohne MwSt.
Zusendung per Post

Abonnement
38,40 Euro


Weimer Media Group
Maximilianstraße 13
80539 München

Tel: 08022-7044443
E-Mail: Abo-Bestellung


Das Abonnement verlängert sich automatisch um jeweils ein Bezugsjahr, wenn nicht zwei Monate vor Ablauf gekündigt wird.
Widerrufsgarantie: Sie können die Bestellung innerhalb von zehn Tagen ohne Angabe von Gründen schriftlich bei der Weimer Media Group, Maximilianstraße 13, 80539 München, widerrufen. Zur Fristwahrung genügt die rechtzeitige Absendung (Poststempel).

Ein ungemachtes Nest

Als „Chef alter Schule“ bezeichnet Björn Sikler, Geschäftsführer der Helgerit GmbH, seinen Vater, der seine Mitarbeiter eng geführt habe und seine Meinung durchzusetzen wusste. Um seine eigenen Projekte möglichst eigenständig umsetzen zu können, kümmerte sich Sikler bei seinem Eintritt in das Unternehmen zunächst um damals brachliegende Geschäftsfelder: den Vertrieb für weltweite Produzenten von Sintergleitlagern, Kugellager-Ausgleichsscheiben und Fahrzeugteilen in Deutschland sukzessive auszubauen sowie den Vertrieb für einen neuen europäischen Partner für Sinterformteile zu übernehmen. Im Lauf der Jahre wurde der Bereich Fahrzeugteile um den Nachbau von nicht mehr verfügbaren Oldtimerteilen erweitert.

„Bei meinem Eintritt im Jahr 1994 ging es zunächst darum, bei Helgerit die Basisstrukturen zu schaffen“, erzählt Sikler. So machte er in der Lagerhalle Platz für seine Produkte und baute ein Sortiment auf, mit dem er sich einen Namen als zuverlässiger Handelspartner machte – unter anderem in der Fahrzeugindustrie. Gemeinsam mit einem Freund richtete er die Buchhaltung ein. „Es mussten für mehrere Jahre rückwirkend Abschlüsse durchgeführt werden“, erinnert sich Sikler. Auch andere „Altlasten“ wie Ansprüche des Finanzamts aus einer Betriebsprüfung aus früheren Jahren konnte er auf dem Verhandlungsweg klären. „Nicht zuletzt aufgrund dieser Situation in den ersten Jahren bemühe ich mich bis heute um sehr klare Strukturen“, erklärt der Geschäftsführer.

Das lässt sich an den Meilensteinen des Unternehmens ablesen: Im Jahr 2000 konnte er eine neue Unternehmenssoftware mit integrierter Finanzbuchhaltung in Betrieb nehmen und 2002 eine kompetente Buchhalterin mit entsprechend großem Erfahrungsschatz einstellen. „Mit der Vorlage der Bilanz aus dem Jahr 1999 konnte ich auch mit der Volksbank Esslingen Verhandlungen über die Finanzierung der weiteren Expansion aufnehmen“, so der Leiter der Reutlinger Firma. Bis 2004 gelang es ihm dann, alle Gesellschafts­anteile zu übernehmen. „Erst nach dieser langen Phase war ich mir einigermaßen sicher, es zu schaffen“, sagt Sikler.

Warum er diese schwierigen Jahre auf sich genommen hatte, kann er im Nachhinein nicht mehr genau sagen. Eine wichtige Erkenntnis hat er jedenfalls mitgenommen: „Wenn man erfolgreich sein will, braucht man klare Strukturen, die auch für Dritte trans­parent sind.“ Damit meint er vor allem die Finanzierungsgeber, in seinem Fall die Hausbank und das Förderinstitut des Landes Baden-Württemberg, die L-Bank. Seine belastbaren Unterlagen, die neu geschaffenen klaren Strukturen und ein überzeugender Businessplan öffneten ihm die Türen zur Hausbank und zu den Förder­mitteln der L-Bank. Guter persönlicher Kontakt mit den Ansprechpartnern sowie offene Kommu­nikation, so Sikler, schafften Vertrauen, das sich auch ökonomisch auszahle. Die Darlehen mit zum Teil 20-jähriger Laufzeit und tilgungsfreien Anlaufjahren gaben ihm die Luft für den Aufbau. Und: „Wer gut arbeitet, braucht weniger Sicherheiten“, so seine Erfahrung.

Hinzu kam noch, dass es gelang, faire und langfristige Kundenbeziehungen zu entwickeln. Die Basis dafür hatte zum Teil noch sein Vater gelegt, indem er ein internationales Netzwerk aufgebaut hatte. So begleitete dieser schon Mitte der 1990er-Jahre den VW-Sanierer José Ignacio López bei einer Reise nach Indien und knüpfte Kontakte. „Für einen guten Kunden realisieren wir auch schwierige Aufträge“, berichtet Sikler, „sogar dann, wenn die Beschaffung aufwendig ist.“ Auch die Qualität sieht er für die Kundenbeziehung als bedeutend an. Mit einem selbst entwickelten Prüf­gerät werden elektrische Teile vor dem Versand getestet, wodurch nur gute Qualität an die Kunden geliefert wird. Ebenfalls schaffte Sikler die Möglichkeit, Teile in bestimmtem Umfang auf die Bedürfnisse der Kunden anzupassen.

Weit mehr als ein Lippenbekenntnis ist für ihn die Aussage, dass die Mitarbeiter ein wertvolles Kapital der Firma sind. So liegt heute jeder Bereich auf den Schultern eines Mitarbeiters, dem er von Anfang an jeweils einen Aufgabenbereich zur selbstständigen Betreuung zuwies, „und überall ist es gut vorangegangen“, sagt Sikler: „Die Mitarbeiter haben sich selbst etwas aufgebaut.“ Seine Wertschätzung zeigt er in der Gestaltung familienfreundlicher Arbeitsplätze, Ermöglichung von Heimarbeit, freie Nutzung von Telefon und Internet und vielem mehr.

Ob Sikler Tipps für andere hat, die von ihren Eltern ein Familienunternehmen übernehmen? „Ab dem 50. Lebensjahr sind die meisten Menschen, die ein Unternehmen führen, beratungsresistent“, warnt er schmunzelnd, wohl wissend, dass ihn von diesem Alter auch nur noch wenige Jahre trennen, „wichtig ist es, ein gutes Netzwerk zu haben, Durchhaltevermögen zu besitzen und nach allen Seiten Vertrauen aufzubauen“.



Artikel vom: 2012-11-16 12:47:00
ANZEIGE