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Geld von den Riesen

Kürzlich hat der Kolumnist Jonathan Weil in den amerikanischen „Bloomberg News“ vorgeschlagen, sich bei der Bewertung von Geldhäusern an der Gastronomie zu orientieren. „Beurteilt Banken wie Restaurants“, riet er. Er hatte dabei allerdings vor allem die in den USA unter konkreten Online-Adressen abrufbaren Informationen zu den Hygienebedingungen von Gasthäusern im Sinn. Wie „sauber“ Banken sind, müssen eher Aufsichtsbehörden und Ratingagenturen prüfen. Für Unternehmer lohnt es sich in erster Linie, die „Menükarte“ der Finanzierungsangebote zu studieren und die Leistungen so- wie die Preise genau zu prüfen. Weil viele Unternehmer das nicht tun, nehmen sie nach Einschätzung der Unternehmensberatung Schulz & Partner oft überteuerte Kredite mit unfairen Zinsen auf. „Allein im zweiten Quartal 2012 ist dem deutschen Mittelstand daraus ein Zins-Schaden von 871 Mio. Euro entstanden“, haben die Experten errechnet.

Cockpit für bessere Zins-Orientierung

Zur besseren Orientierung für Firmen- und Finanzchefs veröffentlicht die Unternehmensberatung regelmäßig ein „Zins-Cockpit Mittelstand“, in dem ein fairer Referenzzins für einjährige Betriebsmittelkredite sowie fünfjährige Investitionsdarlehen ermittelt wird. Er basiert auf den Meldungen der Deutschen Bundesbank sowie deutschlandweit aller Banken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken. Zur Jahresmitte lagen diese Referenzsätze in einer Spanne zwischen 2,7 % und 3,2 %. Im Durchschnitt waren sie damit zwar insbesondere aufgrund der EZB-Leitzinssenkungen rückläufig, meist jedoch, so bemängeln die Unternehmensberater, werden sie nicht an den Mittelstand weitergegeben. Neben unfairen Konditionen beklagt die Studie zudem rückläufige Zusagen für mittel- und langfristige Kredite. „Viele mittelständische Unternehmer befürchten, dass mit den kommenden Basel-III-Richtlinien die Kreditvergabe noch restriktiver wird“, warnen die Autoren.

Für Mittelständler ist das allemal Grund genug, auch nach Finanzierungsalternativen über den klassischen Bankkredit hinaus Ausschau zu halten. An Angeboten mangelt es nicht. Der amerikanische Mischkonzern General Electric etwa hat unter dem Dach seines Geschäftssegments GE Capital einige führende deutsche Finanzdienstleister versammelt, die dem Mittelstand vom Factoring und Leasing bis hin zu Investitionskrediten, Lagerfinanzierungen und dem Fuhrparkmanagement eine breite Dienstleistungspalette offerieren. Das Angebot stößt gerade in jüngster Zeit auf reges ­Interesse. So war der Unternehmensbereich ASL Fleet Services im ersten Halbjahr 2012 mit um 12 % mehr ausgelieferten Fahrzeugen als in der Vorperiode überdurchschnittlich gut unterwegs. Joachim Secker, CEO von GE Capital in Deutschland, begründet den Erfolg mit einer weiter wachsenden „Fixierung der Kunden auf Kostenreduzierung und flexible Fuhrparklösungen und damit einem Trend hin zu einem fundierten Beratungsansatz“. Auch beim Forderungsverkauf und der Lagerfinanzierung sieht Secker eine starke Nachfrage nach maßgeschneiderten Lösungen. „Im Geschäftsbereich Factoring konnten wir im Vergleich zum Vorjahreszeitraum 8 % mehr Umsatz generieren“, freut sich der CEO. Das Umsatzwachstum war damit fast dreimal so hoch wie beim Durchschnitt der führenden Factoring-Gesellschaften in Deutschland.

Als weiteren Schritt zum Erfolg sieht GE die im September ­geschlossene Kooperationsvereinbarung mit der zum Ham­burger Otto-Konzern gehörenden WCF Finetrading. Die Gesellschaft hat vor zehn Jahren als Branchenpionier ein Instrument zur flexiblen Vorfinanzierung von Wareneinkäufen eingeführt, das Mittelständler mit Umsätzen zwischen 5 Mio. und 1,5 Mrd. Euro nutzen. Finetrading tritt als Zwischenhändler auf und bezahlt die Rechnung des einkaufenden Unternehmens, das selbst sein Zahlungsziel von 120 Tagen behält und somit Liquidität gewinnt. Zum Tragen kommen solche Zwischenhändler-Lösungen auch im Fall nahe beim Kunden aufgestellter Konsignationslager. Üblicherweise kann hier der Lieferant seine Rechnung erst bei Abruf der Ware stellen. Die Lösung bei Finetrading: Die Gesellschaft erwirbt die Ware, ehe sie der Endabnehmer abruft, sodass der Lieferant seine Forderung umgehend dank der guten Bonität von WCF an eine Factoring-Gesellschaft verkaufen kann. In diesem Fall gewinnt also der Lieferant spürbare Liquiditätsvorteile.

Beim Mittelstand stoßen solche und andere Lösungen bankenunabhängiger Anbieter auf zunehmendes Interesse. Laut dem von GE Capital kürzlich erstmals veröffentlichten Insight Barometer gaben 94 % der befragten Finanzexperten und Makler an, dass ­immer mehr Unternehmen über erschwerte Bedingungen bei der Kreditaufnahme oder -verlängerung klagen. Verstärkt nachgefragt würden deshalb Factoring und Leasing sowie die Einkaufsfinanzierung.

Auch bei der Financial-Service-Einheit SFS des Münchener Siemens-Konzerns sieht man ­zunehmenden Bedarf an alter­-­na­tiven ­Finanzierungsmodellen. Mit ihrer Expertise will SFS dazu ­beitragen, dass Unternehmen mit Leasing oder dem sogenannten Energiespar-Contracting ihre Wettbewerbsfähigkeit verbessern. Im weltweit wieder schwächeren Konjunkturumfeld, so die Analyse der Finanzexperten des deutschen Konzerns, müssen Unternehmen ihre operativen Kosten senken. „Energiesparende Technologien bieten hierfür eine gute Möglichkeit“, unterstrich Kai-Otto Landwehr, Leiter des Commercial-­Finance-Geschäfts der SFS in Deutschland und Vorsitzender der Geschäftsführung der Siemens Finance & Leasing GmbH, anlässlich einer Studie zum Einsatz energieeffizienter Techno­logien bei Unternehmen. Der Bericht bestätigt, dass die Lage bei der Finanzierung von In­ves­ti­­tio­nen durch Bankkredite angespannt bleibt. Besondere Bedeutung kommt andererseits alternativen Finanzierungsmodellen zu, bei denen sich die Investitionen in energiesparende Technologien durch erzielte Einsparungen refinanzieren oder die Einsparungen sogar höher sind. SFS bietet vor diesem Hintergrund die Finanzierung des Equipments durch Leasing an.

Vorteile auf beiden Seiten

Über das Energiespar-Contracting kann zudem die Deckung der Kosten für Technik und Service garantiert werden. Siemens übernimmt Einspargarantien und die Finanzierung der Maßnahmen. Vorteil für investierende ­Unternehmen: Sie können so ihre Zahlungen strecken und Kapitalbindungen vermeiden. Der Vorteil für Siemens: Die auf das Projekt abgestimmte Finanzierung ermöglicht oftmals erst eine Auftragserteilung.

Norbert Hofmann


Artikel vom: 2012-11-12 12:23:00
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