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"Wir sind anders"

WirtschaftsKurier: Herr Herwig, Sie haben sich ziemlich anspruchsvolle Wachstumsziele für 2012 gesetzt. Drei Viertel des Jahres sind vorbei: Wie sieht es aus?

Jochen Herwig: Wir sind in allen Sparten gut gewachsen. Bis zum Jahresende rechnen wir mit einer Zunahme von 4,6 % bei den Beiträgen. Das Wachstum im Markt liegt voraussichtlich bei 0,5 %. Wir sind also sehr zufrieden mit der Entwicklung und wollen diesen Trend auch 2013 fortsetzen.

Wieso schneiden Sie so deutlich besser als die Branche ab?

Ein wichtiger Treiber ist die Kfz-Versicherung, bei der wir schneller als der Markt auf negative Entwicklungen reagiert haben, indem wir die Beiträge frühzeitig, aber lediglich moderat erhöht haben. Zugute kam uns dabei, dass die Kunden nicht mehr so extrem preissensitiv sind, sondern dass ein guter Service bei Schadensfällen an Bedeutung gewonnen hat. Als großer ­Serviceversicherer sehen wir uns hier mit unserem preislich attraktiven Kraftfahrtprodukt, das sämtliche für Kunden wichtige Leistungen einschließt, sehr gut aufgestellt.

Auch andere Kfz-Versicherer haben versucht, Preiserhöhungen durchzusetzen. Das ist ihnen aber nur zum Teil gelungen, einige haben auch Marktanteile verloren. Wieso konnten Sie die Anhebungen weitergeben?

Entscheidend dabei ist sicherlich unsere Form des Außendienstes. Unsere Vertrauensleu-te – so nennen wir unsere Vertriebler – haben vor Ort Verbindungen zu den Kunden aufgebaut, die zum Teil seit Jahrzehnten bestehen. Dabei stehen ­Beratung und Service im Vordergrund – nicht nur bei der Kfz-Versicherung, sondern auch in anderen Bereichen. Die Agen­turen können vererbt und damit in Familienbesitz bleiben. Ich habe gerade im vergangenen Jahr zwei Vertriebsbüros anlässlich ihrer 115-jährigen Zugehörigkeit zur LVM besucht.

Die Lebensversicherung ist ins Gerede gekommen. Ist sie noch das adäquate Mittel für die Altersvorsorge?

Ja, auf jeden Fall – und mehr denn je. 90 Mio. Kunden in Deutschland mit einer Lebensversicherung können nicht irren. Sie wissen, dass sie für das Alter vorsorgen müssen – und zwar privat. Was passiert denn, wenn die private Vorsorge wegbrechen würde? Könnte der Staat das ersetzen? Da mache ich ein dickes Fragezeichen dahinter.

Auf welche Angebote konzentrieren Sie sich in der Lebensversicherung?

Auf praktisch alle Produkte für die Altersvorsorge inklusive der Riester- und der Basisrente. Bei der Kapitallebens- und Rentenversicherung setzen wir auf ­Ansparverträge mit langen Laufzeiten, die den Kunden dann in ­einem Alter von 60 bis 65 Jahren wirklich unterstützen. Fonds­gebundene Lebensversicherungen spielen bei uns so gut wie keine Rolle.

Warum nicht? Viele Versicherer setzen fast ausschließlich darauf.

Die Angebote der Versicherungsbranche sollten sich deutlich von denen der Banken abheben. Die fondsgebundene Lebensversicherung ist eigentlich mehr ein Bank- als ein Lebensversicherungsprodukt. Dabei liegt das gesamte Anlagerisiko beim Kunden. Und das Erfolgsmodell der deutschen Lebensversicherung besteht gerade in der garantierten Verzinsung und in der Garantie einer lebenslangen Rentenzahlung. Ohne diese Kern­elemente würde eine private Rentenversicherung nicht mehr diese Bedeutung für die Altersvorsorge haben.

Auch angesichts des niedrigen Garantiezinses? Die Absenkung hat doch in der Branche zu Diskussionen um die Zukunft der Lebensversicherung geführt.

Diese Diskussionen fördern nicht gerade das Image der Lebensversicherung, was ich sehr bedauere. Denn ich glaube, dass wir über viele Jahre hinweg gezeigt haben, dass wir ein sehr großer Stabi­litätsfaktor sind – auch für die Kapitalmärkte. Um es klar zu sagen: Ein Lebensversicherungsprodukt ohne Garantiezins kann ich mir nicht vorstellen.

Warum nicht?

Das ist eine Besonderheit der ­Lebensversicherung. Man muss unterscheiden zwischen dem ­Gewinnversprechen, das für ein Jahr gegeben wird, und der Garantieverzinsung, die über die gesamte Laufzeit des Vertrags garantiert wird. Was ich mir vorstellen könnte, ist, dass der Garantiezins zeitlich begrenzt wird. Wenn ein Kunde beispielsweise eine Ansparphase von 30 Jahren wählt, dann könnte man sich unterschiedliche Stufen vorstellen.

Wie bewältigt die LVM die Herausforderung der Niedrigzinsphase?

Wir haben immer noch sehr langfristige Anlagen mit einer höheren Verzinsung im Portfolio. Das heißt, wir profitieren auf der einen Seite davon. Auf der anderen Seite haben wir auch hohe stille Reserven angesammelt, die wir bei jetzt auslaufenden Verträgen zu 50 % ausschütten müssen. Wir haben diese Frage sehr intensiv mit der Politik diskutiert, da dies zulasten der Kunden im Bestand geht. Das ist ein Problem, vor das uns die Niedrigzinsphase stellt ...

... und das andere?

Die andere Frage ist das Thema Anlage. Wir diversifizieren noch stärker, als wir es vorher getan ­haben. Wir gehen weg von Staatsanleihen – besonders Papiere der europäischen Krisenstaaten haben wir kaum noch im Portfolio. Wir setzen auf Pfandbriefe und Unternehmensanleihen. Wir sind durchaus auch in Aktien engagiert und runden die Mischung mit Anlagen in Private Equity ­sowie in Emerging Markets und Hedgefonds ab.

Zum LVM-Konzern gehört die Augsburger Aktienbank (AAB). Welche Rolle spielt sie?

Wir haben die AAB vor ein paar Jahren erworben, weil wir den Anlagebedarf für ablaufende ­Lebensversicherungen kommen sahen. Dafür können wir nun ­attraktive Angebote machen. Darüber hinaus haben wir weitere Produkte kreiert, wie das Tages- und Festgeld oder auch das Grundschulddarlehen, was in Zeiten wie diesen gut nachge-fragt wird. Die AAB spielt bei der langfristigen Beziehung zu un­seren Kunden eine wichtige Rolle im Konzern.

Die Wurzeln der LVM liegen im Agrarsektor. Welche Bedeutung hat er heute noch?

Die Landwirtschaft spielt weiterhin eine große Rolle. Ungefähr 10 % unseres Prämienaufkommens stammen aus diesem Bereich. Circa 100.000 Landwirte sind bei uns versichert, damit wir haben wir einen Marktanteil von ungefähr einem Drittel. Darauf sind wir sehr stolz.
 
Wo sehen Sie Wachstumsmög­lichkeiten für die LVM? Erwägen Sie eine Expansion ins Ausland?

Im Rahmen unserer derzeitigen Überprüfung der Strategie haben wir eine klare Entscheidung zu diesem Thema getroffen: Aus-land – nein! Für Fusionen im Inland ­sehen wir aktuell keine Möglichkeiten und können uns diese aufgrund unserer besonderen Struktur auch nur schwer vorstellen. Sollte sich eine passende ­Gelegenheit bieten, würden wir grundsätzlich im Inland einen Zukauf prüfen. In erster Linie wollen wir aber durch eine stärkere regionale Ausweitung wachsen. Vor allem auch in Bayern und Baden-Württemberg wollen wir unsere Präsenz weiter ausbauen.

Das Interview führte
Elwine Happ-Frank,
Chefredakteurin des
Wirtschaftskuriers


Artikel vom: 2012-10-21 12:06:00
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