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Neuer Königsweg

Deutschlands Energieversorgern (EVU) weht in ihrem klassischen Geschäft der Wind kräftig ins Gesicht – und dessen Stärke dürfte noch zunehmen. Als Folge der Energiewende ist mit sinkenden Renditen, steigenden Strompreisen und stär­kerer Abhängigkeit von ausländischen Energieimporten zu rechnen. Das geht aus einer Studie der Managementberater Horváth & Partners hervor. Da trifft es sich gut, dass die Begleiterscheinungen der Energiewende den EVU neue Geschäftsfelder bescheren – dort, wo Unternehmen gefordert sind, ihren Umgang mit Energie zu überdenken.

An der aktuellen Studie „Stra­tegieentwicklung der Energieversorger 2012“ der Stuttgarter Managementberater haben 71 Energieversorgungsunternehmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz teilgenommen. Diese sehen sehr starkes Wachstumspotenzial bei energienahen Dienstleistungen. Die höchsten Margen erwarten sie bei Energieeffizienzdienstleistungen, Betrieb und Contracting von Erzeugungsanlagen und Netzdienstleistungen.

Mini-Kraftwerke sind sehr beliebt

Dass in dem Zusammenhang immer wieder das Stichwort „Contracting“ fällt, ist kein Zufall. Stadtwerke, mit ihrer regionalen Nähe und eher mittelständischen Struktur, beackern dieses Feld schon seit Jahren. Das Modell, mit dem sie am Markt antreten, sieht vor, dass der Contracting-Nehmer seine Immobilie dem Contractor zur Verfügung stellt, damit dieser dort Strom-, Wasser- oder Heizungsanlagen gegen eine Einrichtungsgebühr installieren und betreiben kann. Der Kunde profitiert von Energiepreisen unter dem Marktniveau sowie von einem verminderten Energie­bedarf der Immobilie. Besonderer Zuneigung erfreuen sich in den einschlägigen Konzepten „Mini-Kraftwerke“ mit Kraft-Wärme-Kopplung.

Contracting liefert die Grundlage für Wirtschaften unter dem Leitmotiv „Grünes Denken, schwarze Zahlen“. So hat die Universität Hohenheim damit be­gonnen, Umweltmanagement mit Forschung, Lehre und finanziellen Einsparungen zu verbinden. Dazu lässt sie sich nach dem europä­ischen Umweltmanagementsystem EMAS (Eco-Management and Audit Scheme) und der ISO 50001 validieren. Seit 2010 ist die Hochschule Ökostrom-Kunde – und die Energiekosten sinken. Laut Schätzung dürfte die Stromrechnung so pro Jahr um bis zu 1 Mio. Euro kleiner ausfallen. Einen ähnlichen Effekt hat das Energie-Contracting. Die Investitionskosten in Höhe von 4,4 Mio. Euro werden sich, so die Hochschule, „jedenfalls schnell wieder amortisieren“.

Contracting taugt für unterschiedlichste Energiekonzepte. Die Stadtwerke Leipzig sind unter anderem im Licht-Contracting ­aktiv. Sie rüsten die Beleuchtungsanlage des Kunden um und installieren 110 % der geforderten Beleuchtungsstärke. Die Stadtwerke tragen dabei sämtliche Kosten der Umrüstung und führen die Wartung der Beleuchtungsanlage durch. Zusätzlich sichern sie eine unterbrechungsfreie Produktion während der Umrüstung. Der Kunde garantiert dafür eine Mindestanzahl an Betriebsstunden und die Nutzung der Lampen. Einen prozentualen Anteil eingesparter Energie vergütet er an die Stadtwerke Leipzig.

Ein Schwerpunkt stadtwerk­licher Contracting-Aktivitäten ist die Immobilienwirtschaft. Die Wohnungsgesellschaft Schwerin (WGS) hat 2011 zur Modernisierung von Zentralheizungsanlagen im Rahmen eines Wärmecontracting-Vertrags die Hilfe der Stadtwerke Schwerin gesichert. So ist vorgesehen, Wohnungsbestände, die an innerstädtische Fernwärme­leitungen grenzen, an das Netz anzuschließen. Gebäude abseits dieser Verbindungsleitung werden mit modernen Wärmeerzeugungsanlagen ausgestattet. Durch diese Zusammenarbeit „bleiben den Mietern die sonst nach Moder­nisierungsmaßnahmen üblichen Mieterhöhungen erspart“, wie es in einer Pressemitteilung heißt.

Die Stadtwerke Erkrath haben mit einem ganzheitlichen Wärmecontracting-Angebot die Sanierung eines ehemaligen Industriegebäudes in Gang gebracht. Der Energieversorger kümmert sich seit Herbst 2010 um die gesamte Wärmeversorgung der Immobilie. Stadtwerke-Geschäftsführer Gregor Jeken: „Beim Contracting setzen wir unsere ganze Erfahrung und unser gesamtes Know-how ein, um dem Gebäude­eigentümer ein individuell auf ihn zugeschnittenes Angebot zu präsentieren.“ Das Gebäude stand mehrere Jahre leer, bevor 2009 mit der Sanierung begonnen wurde. Mittlerweile sind dort ein Druckereibetrieb und die Zweigstelle einer Landesbehörde eingezogen.

Von der Ruine zur attraktiven Immobilie

Gebäudeeigentümer Andreas Wenzel hat dafür gesorgt, dass aus der einstigen Ruine eine ansprechende Immobilie wurde. „Wir haben seit 2009 quasi alles erneuert. Das Dach musste isoliert werden und wir brauchten eine neue Kanalisation. Auch 99 % der Fenster mussten wir ersetzen“, resümiert er. Das Gebäude habe vorher weder über ausreichend Strom­anschlüsse noch über eine vernünftige Heizung verfügt. Insgesamt floss sukzessive ein hoher sechsstelliger Betrag in das Sanierungsprojekt.

Da kam es Wenzel entgegen, dass er durch die Vertragspartnerschaft mit den Stadtwerken nicht auch noch eine hohe Summe für die Heizungsanlagen aufbringen musste. Trotzdem ist sein Gebäude heute mit modernster und umweltschonender Heiz-Technologie ausgestattet. „Durch das Contracting ist die Finanzierung der Wärmeversorgung komplett gesichert. Ich habe die Möglichkeit, den Investitionsaufwand für die Anlagen über den vereinbarten Wärmepreis scheibchenweise über einen längeren Zeitraum zu begleichen“, beschreibt Wenzel einen wesentlichen Vorteil.

Ulrich Pfaffenberger


Artikel vom: 2012-10-14 11:38:00
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