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Die Forschungs-Mär

Eine geringe Intensität bei Forschung und Entwicklung (FuE) bedeutet keinesfalls, dass ein Unternehmen sich nicht auf Hightech-Niveau bewegen kann. Das Beispiel der baden-württembergischen Firma alutec metal innovations verdeutlicht dies. Dem Unternehmen ist es aufgrund seiner technischen Exzellenz in der Nutzung und Weiterentwicklung der Kaltfließpress-Technologie gelungen, sich im internationalen Wettbewerb als einer der führenden Anbieter von hochpräzisen Press- und Profilteilen aus Aluminium zu positionieren. Seinen Hightech-Kunden aus dem Automo­tive-Bereich steht alutec bereits in einem frühen Stadium von Neuprojekten beratend zur Seite, um gemeinsam die unter technischen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten optimale Lösung für den Kunden zu finden. Auch wenn es im Unternehmen entsprechend der klassischen Definition keine eigene Forschungs- und Entwicklungsabteilung gibt, ist alutec für seine Hightech-Partner durch sein mehr als 20-jähriges Praxis- und Erfahrungswissen ein wich­tiger Impulsgeber und Problemlöser in Innovationsprojekten.

Ähnlich wie die Firma alutec haben im Jahr 2008 über 40 % der Unternehmen im deutschen Verarbeitenden Gewerbe erfolgreich neue Produkte oder neue Prozesse entwickelt, obwohl sie nur über geringe Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten verfügen. Es gibt also einen relevanten Anteil von nicht-forschungsintensiven Unternehmen in der deutschen Industrie, die sowohl innovativ als auch wettbewerbsfähig sind. Das überrascht: Denn eigene betriebliche FuE-Aktivitäten gelten in der aktuellen Innovationsforschung landläufig als notwendige Voraussetzung für erfolgreiche Innovationen. Manche Experten prophezeien daher gar ein „Aussterben“ nicht-forschungsintensiver Branchen und Unternehmen in Deutschland.

Eigene Forschung ist kein Erfolgsgarant

Bisher hat sich das nicht bestätigt. Zum einen tragen nicht­forschungsintensive Branchen nach wie vor erheblich zur industriellen Wertschöpfung und Beschäftigung bei. Sie erwirtschaften aktuell einen Wertschöpfungsanteil von rund 41 % und beschäftigen immer noch rund die Hälfte aller Erwerbstä­tigen in der deutschen Industrie. Zum anderen sind Betriebe, deren FuE-Aufwendungen am Umsatz weniger als 2,5 % betragen, keineswegs nur in typischen nicht-forschungsintensiven „Lowtech“-Branchen des Ver­arbeitenden Gewerbes, wie beispielsweise in der Ernährungs- oder Textil­industrie, zu finden. Viele solcher Unternehmen gibt es auch in Branchen wie dem Maschinenbau oder sogar der Medizintechnik und Optik.

Nicht-FuE-intensive Betriebe sind folglich keinesfalls von technologischem Wissen abgeschnitten. Wenn technologische Entwicklungen eine hohe Relevanz für die eigene Wettbewerbsfähigkeit des Betriebs haben, verfügen sie durchaus über eine ähnliche oder sogar überlegene Technologiekompetenz im Vergleich zu besonders FuE-inten­siven Betrieben. Sie besetzen häufig Nischenmärkte, in denen sie mit ihren Produkten weniger aufgrund des bahnbrechenden Innovationsgrads der Erzeugnisse selbst als vielmehr durch die besondere Qualität, Flexibilität oder Liefertreue erfolgreich sind. So entwickelten sie sich vielfach vom einfachen Lieferanten zum in­novativen Problemlöser, der aufgrund seines praxisbezogenen Erfahrungs- und Anwendungswissens als „Prozess-Spe­zialist“ die Herstellung der oftmals auf Kundenseite vorent­wickelten Produkte konzipiert und umsetzt.

Ein Beispiel dafür ist die Friedr. Freek GmbH aus dem nordrhein-westfälischen Menden, die zur Elektro- und Metallbranche gehört. Ihr Kerngeschäft ist die Entwicklung, Herstellung und der Vertrieb elektrischer Heiz­elemente und -systeme für industrielle Anwendungen und Haushaltsgeräte.

Jeder tut, was er am besten kann

Um als Hersteller von elek­trischen Heizelementen auch ohne formale Forschung und Entwicklung am Hightech-Standort Deutschland bestehen zu können, arbeitet das Unternehmen mit zahlreichen Kooperationspartnern (Kunden, Lieferanten, Forschungseinrichtungen und Wettbewerbern) aus dem In- und Ausland zusammen. Hieraus hat sich über die Zeit ein dichtes Netzwerk von Partnerunternehmen entwickelt, das es den be­­-tei­ligten Akteuren ermöglicht, ­gegenüber Kunden als Systemlieferant aufzutreten. Durch die strategische Kombination der jewei­ligen Kernkompetenzen der beteiligten Unternehmen kann das ganze Leistungsspektrum von der Ideenentwicklung, technischen Umsetzung, Fertigung bis hin zu entsprechenden Vertriebspartnern als komplettes Problem­lösungspaket angeboten werden. Die Friedr. Freek GmbH erzielt hierdurch Größen- und Flexibilitäts-, vor allem aber Innovationsvorteile, die sich in der hohen Qualität, Zuverlässigkeit und kundenspezifischen Anpassung ihrer Produkte niederschlagen.

Das Beispiel verdeutlicht eine weitere Erfolgsstrategie nicht-forschungsintensiver Unternehmen: die Erschließung externer Kompetenzen und Know-how durch Netzwerke und Kooperationen. In Zeiten zunehmender Komplexität und des steigenden Querschnittcharakters neuer technologischer Lösungen können sich die miteinander ­kooperierenden Unternehmen dadurch auf ihre jeweiligen Kernkompetenzen konzentrieren und gleichzeitig von den Kompetenzen der Partner profitieren. Folglich erhöhen sie ihre Chancen, neue Marktlösungen zu entwickeln, die die Kompetenzen verschiedener Partner kombinieren und dem Kunden einen Mehrwert bieten. Bei der Wahl ihrer Kooperationspartner beschreiten nicht-forschungsintensive Unternehmen allerdings andere Wege als FuE-intensive Unternehmen: Sie arbeiten häufiger mit Kunden und Zulieferern zusammen. In bestimmten Innovationsbereichen kooperieren sie deutlich häufiger mit externen Dienstleistern oder sogar Wettbewerbern.

Die Erfolge von strategischen Kooperationen sprechen für sich, die Forschungsergebnisse des Fraunhofer ISI zeigen aber auch, dass nicht-forschungs­intensive Betriebe des deutschen Verarbeitenden Gewerbes die Chancen und Potenziale von Innovationskooperationen mit externen Partnern noch nicht ­vollständig erkannt haben und op­timal ausschöpfen. Dabei könnten sie gerade durch Teilnahme an FuE-Kooperationen mit forschungsintensiven Partnern signifikant häufiger erfolgreich neue Produkte entwickeln als vergleichbare Betriebe, die nicht kooperieren. Hier gibt es also noch Verbesserungsbedarf. Das Fraunhofer ISI kann Unternehmen dabei mit seiner Expertise bei strategischen Entscheidungen unterstützen.

Dr. Oliver Som und
Dr. Christoph Zanker,
Fraunhofer ISI


Artikel vom: 2012-09-21 12:12:00
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