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Weder Monster noch Giga

Während größere Flugzeuge wie der Airbus 380 mit tosendem Beifall begrüßt werden, hat vor allem die Presse bisher Unsicherheit gegenüber dem Lang-Lkw geschürt“, ärgert sich Wolfgang Thoma, Gesellschafter und Geschäftsführer der Spedition Ansorge mit Sitz in Biessenhofen im Allgäu. Seit 1. Februar pendelt Ansorge mit zwei langen Lkws zum Containerterminal in München-Riem. Damit zählt das Unternehmen zu den Pionieren, die mit den 25,5 Meter langen Fahrzeugen unterwegs sind. Nach den ersten 20 000 Kilometern sieht Thoma keine wesentlichen Nachteile für sein Unternehmen. „Der Lang-Lkw ist eigentlich unspektakulär, nur etwas länger“, beschreibt er das als Monstertruck diskreditierte Gespann.

Die Fahrzeugkombinationen sind 6,5 Meter länger als „normale“ Trucks, aber wie Standard-Lkws auf maximal 44 Tonnen beschränkt. Bei gleichem Gesamtgewicht spart die größere Ladefläche bei großen und leichten Gütern jede dritte Zugmaschine ein. Ansorge nimmt bisher mit zwei Fahrzeugen am Feldversuch der Bundesregierung unter Federführung des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) teil. Die Ergebnisse sollen zeigen, wie der Lang-Lkw den Verkehr entlasten und die Folgen des bis 2025 um bis zu 70 % ansteigenden Güterverkehrs abmildern kann.

Das auf fünf Jahre angelegte Projekt startete am 1. Januar 2012 in sieben Bundesländern. Bisher beteiligen sich daran Bayern, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Sachsen, Schleswig-Holstein und Thüringen. Das Bundesverkehrsministerium hofft auf insgesamt 400 Test-Fahrzeuge, doch bisher reagieren die Spediteure verhalten. Bei der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt), die das Projekt wissenschaftlich begleitet, waren Anfang Juni erst acht Unternehmen mit zusammen 13 Fahrzeugen registriert. Bayern hat mit zwei teilnehmenden Unternehmen und dem größten Streckennetz die Nase vorn. Neben den in der Ausnahmeverordnung ausgewiesenen 100 Routen auf bayerischen Autobahnen und wichtigen Bundesstraßen kommen 83 nachgeordnete Bundes- und Landstraßen dazu, die Zufahrten zu Güterverkehrszentren wie Augsburg oder zu einzelnen Unternehmen ermöglichen.

Länger bedeutet auch sicherer

Durch strenge Zusatzvorschriften sollen die Lang-Lkws ­sicherer sein als die alltäg­lichen Transporte mit Überlänge oder Übergewicht. Ans Steuer dürfen nur punktefreie Fahrer, die mindestens fünf Jahre Erfahrung im gewerblichen Verkehr und eine Schulung für Lang-Lkws besitzen. Das Fahrzeug muss mit bestimmten modernen Assistenzsystemen ausgestattet sein und eine Kamera am Heck ist genauso Pflicht wie eine Tafel mit der Aufschrift „Lang-Lkw“. Überholmanöver auf Autobahnen sind verboten und auf dem restlichen Streckennetz dürfen nur Verkehrsteilnehmer, die nicht schneller als 25 Stundenkilometer fahren, überholt werden.

Strategisch passt der Lang-Lkw in das Konzept von Ansorgechef Thoma. Als Spezialist für den kombinierten Verkehr Straße-Schiene bündelt er Leergut und Sanitärprodukte, die wenig wiegen, aber sehr groß sind. Dazu waren bisher pro Tag in zwei Umläufen, das heißt zweimal nach München und zurück, drei Zugmaschinen unterwegs. Mit dem Lang-Lkw sind es nur noch zwei. Das bedeutet für die Kostenkalkulation ein Drittel weniger Diesel und für die Umwelt ein Drittel weniger CO2-Ausstoß.

Wie die meisten Speditionen bemängelt auch Thoma das begrenzte Streckennetz und vor allem das Problem der letzten Meile. Besonders ärgerlich für ihn sind die Kilometer auf baden-württembergischer Seite zum Container-Umschlagbahnhof in Ulm. Das benachbarte Bundesland nimmt am Feldversuch nicht teil. Ausnahmeregelungen gibt es keine. Die Politiker befürchten einen Rückschritt für den umweltfreundlichen Verkehrsträger Bahn und außerdem Gefahren im Straßenverkehr. Dabei ist der lange Lkw geradezu gelenkig und kommt aufgrund einer mit­lenkenden Dolly-Achse ohne Gefahr für Geranien um jeden Kreisverkehr – und ohne Schäden für den Straßenbelag. Acht statt fünf Achsen beim herkömmlichen Sattelzug sollen den Asphalt durch verteilte Punktlast schonen und zudem den Reibungswiderstand bei Bremsmanövern erhöhen.

Gisela Blaas



Artikel vom: 2012-07-14 14:43:00
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