Sparwerke

Landauf, landab sprießen sie derzeit wie Pilze aus dem Boden: Bei Stadtwerken und Sparkassen ist neuerdings für Geschäftskunden ein „Gewerbecheck Energie“ im Angebot. Unternehmen, die sich daran beteiligen, bekommen – online und kostenlos – eine Analyse ihres Energieverbrauchs und Hinweise auf Verbesserungsmöglichkeiten. Die dabei getroffenen Aussagen basieren auf einer Art Benchmarking, denn die individuellen Kennzahlen fußen vor ­allem auf einem Branchenvergleich der Verbrauchswerte. Der Unterschied zwischen Bäcke­reien und Friseuren, zwischen Autohäusern und Sonnenstudios wird akribisch berücksichtigt, damit die Aussagen auch Hand und Fuß haben.

Dass ausgerechnet Stadtwerke und Stadtsparkassen hier so offensiv zu Werke gehen, ist kein Zufall. Denn hinter der neuen Dienstleistung steckt die Arbeitsgemeinschaft für sparsame Energie- und Wasserverwendung (ASEW) im VKU – dem Verband Kommunaler Unternehmen. Da ist die Nähe zu allem, was „Stadt“ im Vornamen hat, vorgegeben. Mehr als 260 kommunale Energie- und Wasserversorgungsunternehmen arbeiten in der ASEW zusammen, um, wie es heißt, „die rationelle, sparsame und umweltschonende Energie- und Wasserverwendung“ zu fördern: „Die ASEW-Mitgliedsunternehmen engagieren sich im Bereich der Energieeffizienz, der erneuerbaren Energien, der Energiedienstleistungen sowie des sorgsamen Umgangs mit Wasser.“ Sie schlagen damit direktes Kapital aus der Energieeffizienz-Richt­linie, die private wie gewerbliche Verbraucher unter den Druck der Veränderung setzt und damit den Experten auf dem Gebiet ein neues Feld für Beratung und Anwendung ihres Wissens öffnet.

Aller guten Dinge sind drei

Gerade durch ihre regionale Nähe sind Stadtwerke dafür prädestiniert, kleine und mittlere Unternehmen anzusprechen. Und weil dann fällige Investitionen auch finanziert werden müssen, kommen die – ebenfalls regional stark aufgestellten – Sparkassen mit ins Spiel, die ihren Geschäftskunden den Spareffekt innovativer Energienutzung schmackhaft machen können. Ob in Eichstätt, Engen oder En­nepetal-Breckerfeld – die Kreditinstitute werben unter dem roten S unisono: „Ihr Vorteil im Wettbewerb: Mit dem Gewerbecheck Energie finden Sie einen schnellen und kostenfreien Einstieg in das Thema Energieeffizienz.“ Auch ein Dritter im Bunde ist ­vielerorts zu finden: die jeweilige Handwerkskammer, deren spe­zialisierte Mitgliedsbetriebe dann die praktische Ausführung übernehmen.

Was steckt hinter dem Energiecheck? Zunächst ist er ein wohlfeiles Instrument, um den Kontakt der Energieversorger zu ihren Gewerbekunden zu erneuern, zu erweitern oder zu verstärken. Dieser Effekt indes würde sich schnell in Luft auflösen, ­hätte die ASEW nicht echten Nutzen in das ausschließlich online verfügbare (und damit sehr preisgünstig zu betreibende) Ser­vice-Angebot hineingepackt. Ein solches Thema kommt vor allem deshalb am Markt an, weil viele Gewerbekunden Energieeffizienz als Wettbewerbsvorteil entdeckt haben, aber bei der praktischen Umsetzung noch im Trüben fischen. Da bietet es sich an, bei jenem Gesprächspartner Beistand zu suchen, um in die Materie einzusteigen, bei dem man die effizienter zu nutzende Energie einkauft – den Stadtwerken. Ein weiterer Vorteil bei der Akzeptanz liegt zudem in der weitgehenden Anonymität der per Internet gestarteten Abfrage und gelieferten Auswertung.

Individuelles Sparpotenzial

Kleine und mittelständische Firmen können mit dem Tool Einsparpotenziale und branchenspezifische Energiekennzahlen selbst ermitteln und sehen so, wo sie im Vergleich zum Branchendurchschnitt stehen. Die entsprechenden Vergleichszahlen sind – branchen- und regionalspezifisch – gerade bei den kommunalen Energieversorgern ausreichend vorhanden. Sie münden bei jeder Anfrage in eine Grobanalyse der Hauptenergieverbraucher wie beispielsweise Beleuchtung, Druckluft, Warmwasser oder Heizung und machen unmittelbar erkennbar, wo Einsparpotenziale bestehen. Gerade der direkte Branchenvergleich macht die Ergebnisse für den einzelnen Unternehmer unmittelbar begreifbar und glaubwürdig. Dafür, dass das neue Wissen konkretes Handeln auslöst, ist auch gesorgt: Zur Umsetzung erkannter Verbesserungspoten­ziale steuert das jedem Kunden übermittelte Ergebnis auch jeweils konkrete Handlungsempfehlungen bei. Durch die schließlich an die Bedürfnisse verschiedener Branchen und Betriebsgrößen angepassten zusätzlichen Energiespartipps, die mit der Auswertung verbunden sind, können die Kunden dann ihren Energieverbrauch auch in Eigeninitiative optimieren. Die Entscheidung darf beim Kunden ­reifen und dort Handlungen ­auslösen: eine clever erzeugte Grundlage, um miteinander ins Geschäft zu kommen. Zumal die jeweiligen Stadtwerke ihre spe­zi­fischen Angebotsmodelle direkt in die Empfehlungen einfließen lassen können.

Der Mittelstand als neue Zielgruppe

Hinter Aktionen wie dem ­Gewerbecheck Energie steckt auf­seiten der Stadtwerke ganz offenbar die Erkenntnis, dass es sich immer mehr lohnt, zielgerichtet auf kleine und mittlere Betriebe zuzugehen. „Gewerbekunden sind für Stadtwerke eine wichtige und umsatzstarke Zielgruppe – doch nicht immer sind die Unterschiede und Beson­derheiten gegenüber dem klassischen Privatkundenbereich klar“, so ASEW-Geschäftsführerin Vera Litzka, die mit ihrer Organisation intensiv an der Weiterbildung der Kundenberatung in diesem Segment arbeitet. „Mit einem neuen Qualifizierungslehrgang vermittelt die ASEW Stadtwerke-Mitarbeitern deshalb nun das notwendige theoretische Grundwissen, etwa zu den Kenndaten verschiedener Branchen, mög­lichen Energiedienstleistungen für Gewerbekunden, den Möglichkeiten eines Energie- und Lastmanagements sowie Marketing- und Vertriebsstrategien.“ Dazu kommt ein Vertriebstraining, das Mitarbeiter auf den direkten Kontakt mit den Kunden vorbereitet.

Außerdem hat die ASEW für ihre Mitgliedsunternehmen selbst einen „Ökoenergie-Check“ aufgelegt. Damit können Stadtwerke ihr Ökoenergie-Portfolio kostenlos überprüfen lassen. Die ASEW reagiert damit auf Änderungen in den Zertifizierungsbedingungen verschiedener Labelgeber für grüne Strom- und Gasprodukte und hilft Stadtwerken, ihre Produkte zügig daran anzupassen. „Die Ansprüche an Ökoenergieprodukte steigen – sowohl seitens des Gesetzgebers als auch bei den Kunden, die sich immer hochwertigere Angebote von den Energieversorgern wünschen“, so ASEW-Chefin Litzka. Wie bei den Gewerbekunden ist auch hier die Effizienz durchgängig angelegt: Der Check erfolgt online.

Ulrich Pfaffenberger


Artikel vom: 2012-10-29 11:15:00