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Börse zur Freiheit

Die Strombörse (Eu­ropean Energy Exchange EEX) ist ein Beispiel dafür, dass Liberalisierung auf dem Energiemarkt guttut. Seit sie besteht, hat sich der Markt nachhaltig belebt – und nicht nur die Großen und Starken haben ihre Chance bekommen, sondern auch die Flexiblen und ­Intelligenten. „Wir haben die Marktöffnung von Anfang an als Chance gesehen. Damit konnten wir unsere Beschaffungskosten senken, die Bezüge für den Vertrieb flexibel gestalten, unsere Erzeugungsanlagen optimal vermarkten und letztendlich un­seren Versorgungsauftrag nach marktwirtschaftlichen Gegebenheiten erfüllen“, bekräftigt Thorsten Körner, Abteilungsleiter Energiehandel bei den Stadtwerken Leipzig.

Doch die Welt nach Einführung der Strombörse hat durchaus ihre zwei Seiten. So räumt Gerhard Holtmeier, Mitglied des Vorstands der Thüga AG, auf die Frage, ob so der Markt eher übersichtlicher oder anspruchsvoller geworden sei, ein: „Sowohl als auch.“ Der Markt insgesamt sei zwar durch die Liberalisierung deutlich komplexer geworden. „Allerdings hat die EEX mit ih­rer Benchmark-Funktion einen wichtigen Beitrag zur Marktsicht und -übersicht geleistet. Wir können dank der EEX heute von einem liquiden und damit transparenten Strommarkt sprechen.“

Finanzwirtschaft als Vorbild

Börse, Liquidität, Transparenz: Die Terminologie, derer sich auch nicht aktiennotierte Energieversorger heute bedienen, macht sichtbar, wie genau die Strombranche sich am Vorbild Finanzwirtschaft orientiert. Denn durch die Börse ist Strom in großem Umfang zur Handelsware geworden – ein Umstand, den sich insbesondere Stadtwerke zunutze machen. „Seit es die Strombörse gibt, haben wir im Einkauf signifikant mehr Spielraum gewonnen“, sagt Bernd Adolph, bei den Stadtwerken Ulm/Neu-Ulm (SWU) zuständig für den Energiehandel. Ein Spielraum, der sich in beide Richtungen erstreckt: Kauf und Verkauf. „Vergleichbar zu den Wertpapierhändlern einer Bank ist es nun auch uns möglich, durch den Handel mit Strom zur Ergebnisverbesserung unseres Unternehmens beizutragen, sei es durch Verkaufserlöse, sei es durch die Absicherung von Preisen“, sagt Adolph.

Ein weiterer Vorteil für Stadtwerke: Durch die einheitliche, für alle verbindliche Preisfestsetzung können sie nun „auf Augenhöhe mit großen Energieversorgungsunternehmen (EVU) agieren“, wie Ulrich Gieselmann, Bereichsleiter Beschaffung und Handel bei den Stadtwerken Bielefeld, feststellt. „Dies ist anders als zu den Zeiten, in denen Energielieferant und vorgelagerter Netzbetreiber identisch waren. Vor Gründung der Strombörse waren die Stadtwerke auf die großen EVU als Vorlieferanten angewiesen und von deren Preisfestsetzungen abhängig.

Insofern hat die Strombörse für Chancengleichheit aller Marktteilnehmer auf dem Strommarkt gesorgt.“ Mit der EEX mussten sich „die Stadtwerke auf eine ,neue Welt‘ einstellen“, weiß Thorsten Körner aus Leipzig. „Zum einen bestand die Aussicht und die neue Freiheit, den Energiebedarf aus zunehmend transparenten Großhandelsmärkten zu beziehen und damit die Beschaffungskosten zu senken. Zum anderen sahen sich die Marktteilnehmer neuer und stärkerer Risiken ausgesetzt. Als Konsequenz wurden Know-how im Energiehandel, Portfoliomanagement und Risikomanagement mit den dazu notwendigen Prozessen, Organisations- und IT-Strukturen aufgebaut. Es wurde eine Entwicklung eingeleitet, die auf europäischer Ebene zu ­einer stärkeren Optimierung der Ressourcen führt.“

Die EEX bietet also allen Marktteilnehmern die gleichen Rahmenbedingungen für einen transparenten Handel an. Insoweit kann sich jedes Stadtwerk allein oder mit entsprechender Unterstützung, die zum Beispiel die Handelsplattform der Thüga-Gruppe – die „Syneco“ – exklusiv den Stadtwerken der Thüga-Gruppe anbietet, dem Wettbewerb mit anderen EVU stellen, seien es kleine oder große.

Risikomanagement ist der Schlüssel

Aus der Gleichheit erwachsen zusätzliche Chancen, wie Holtmeier anmerkt: „Heute kommt es weniger auf die Größe als auf den richtigen Umgang mit Risiko an. Ein schlüssiges und vor allen Dingen konsequent angewandtes Risikomanagement ist das entscheidende Kriterium. Echter Eigenhandel spielt dabei im Bereich der Stadtwerke eher eine untergeordnete Rolle, es geht dort mehr um eine inte­grierte Betrachtung der Ein- und Verkaufsportfolien.“

Verkaufsportfolio – das klingt nicht nur gut, das hat in der Tat bei vielen Stadtwerken angesichts immer marktsensi­blerer Kunden dringend der Auffrischung und Flexibilisierung bedurft. Die schnellen unter ­ihnen haben denn auch fix ihre Tarife neu gestaltet, um Firmenkunden in ihrer individuellen Entscheidungsfindung näherzukommen. „Wir haben heute eine Tarifvariante ,Index‘, deren Preis von der Entwicklung an der Strombörse abgeleitet wird“, sagt Marcus Deutenberg, Leiter Vertrieb bei der SWU. „Geschäftskunden wollen bei der Energie heute wie bei anderen Rohstoffen auch die Volatilität der Märkte zu ihrem Vorteil nutzen. Mit einem solchen Tarif bieten wir ihnen beim Einkauf von Strom – und übrigens auch Gas – die Möglichkeit, ihren Einkauf auf mehrere Zeitpunkte zu verteilen und so das Beschaffungsrisiko zu minimieren.“ Das Prinzip dahinter: Die gesamte benötigte Strommenge wird in Tranchen zerlegt, die getrennt voneinander preislich fixiert werden. Die Preisfindung ist an einen EEX-Index gekoppelt. Der Zeitraum der Preisfindung wird gemeinsam mit den Kunden analysiert und festgelegt.

Informationen über Preise und Preisentwicklungen, die auch an die Kunden fließen, entfalten so für Stadtwerke einen unmittelbaren Nutzen. Das bestätigt Thüga-Vorstand Holtmeier: „Eines ist klar: Börsenpreise haben eine wichtige Benchmark-Funktion für die Gestaltung von Handelsprodukten. Bei zahlreichen Produkten referenzieren die Vertragspreise darüber hinaus heute schon auf Closing-Preise der Börse.“

Handelsplatz, Marktgestalter, Impulsgeber: Die Möglichkeiten, die die Strombörse bietet, scheinen für die Branche sehr attraktiv zu sein. Einige Stadtwerke, darunter Thüga, SWU und Stadtwerke Leipzig, sind sogar noch einen Schritt weiter gegangen und haben sich an der EEX beteiligt. Um zügig einen Marktplatz in einem liberalisierten Umfeld zu schaffen und auch „als Bekenntnis nach außen zu einem wettbewerblichen Marktmodell“, habe die Thüga bereits in der Gründungsphase Anteile an der Strombörse erworben, ­bekräftigt Holtmeier. Und auch SWU-Experte Adolph ist fest davon überzeugt, dass sich die Beteiligung für sein Haus bezahlt macht: „Wir glauben an den freien Markt und wir nutzen seine Möglichkeiten. Die werden in Zukunft noch wachsen. Durch die Beteiligung an der Börse werden wir auch an diesem Wachstum teilhaben.“

Ulrich Pfaffenberger


Artikel vom: 2012-12-19 10:11:00
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