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Vom Winde vereint

Seit dem Ende der Gebietsmonopole und der Eröffnung des Energiewettbewerbs 1998 schien es ausgemacht, dass die Großen der Branche die „natürlichen Feinde“ der Stadtwerke sind. Doch unter dem Druck der – noch lange nicht gesicherten – „Energiewende“ wächst die Chance, dass die Energiewirtschaft wieder zusammenfindet. So wirbt die EnBW Energie Baden-Württemberg AG bei Stadtwerken und Regionalunternehmen für gemeinsame Windenergie-Projekte an Land und auf dem Meer. Auch Bürgergenossenschaften zeigen Interesse an Beteiligungen an gemeinsam geplanten, gebauten und betriebenen Windparks.

„Wir müssen Energie neu denken – und wir werden die EnBW neu denken“, beschrieb Frank Mastiaux, neuer EnBW-Vorstandsvorsitzender, die „Herausforderung der Energiewende“. Bewältigen könnten diese Herausforderung nur „alle Beteiligten gemeinsam – von den Kunden über die Stadtwerke bis hin zu den Energiekonzernen“. Der EnBW-Chef bekannte sich zur „immensen Bedeutung von Kooperationen“ mit Stadtwerken und Projektpartnern.

Nun kann Mastiaux bei dem Vorhaben, die EnBW als „Partner der Kunden, der Kommunen und der Stadtwerke“ in die Familie der in öffentlichem Besitz befindlichen lokalen und regionalen Energieversorger zurückzuführen und das Ver­hältnis zu den Kritikern zu entkrampfen, an die Vorarbeiten seines Vorgängers, Hans-Peter Villis, anknüpfen, der eine Reihe von ­Gemeinschaftsprojekten auf den Weg gebracht hatte.

Neben der Heilung des oft gestörten Verhältnisses zu Stadtwerken erhofft sich die EnBW von den Kooperationen mit Kommunen, Genossenschaften und Partnern eine größere „Chance auf Akzeptanz in der Bevölkerung“ durch die Einbeziehung lokaler Partner.

Ungewohnte Zustimmung

Die Bemühungen um ein besseres Verhältnis zeigen bereits Wirkung: Die EnBW erhält Zustimmung zu ihren Kooperationsprojekten – sogar aus den Reihen der bislang gegenüber den „Energie-Monopolisten“ eher ablehnenden lokalen Energie-Initiativen: Elisabeth Strobel, Vorstandsvorsitzende der Bürger­Energie AG, lobt die EnBW als „starken Partner, der uns die Beteiligung an attraktiven Projekten anbietet“. Auch in den Kommunen ist die Erleichterung über die Entkrampfung des Verhältnisses zwischen der EnBW und einem Großteil der Stadtwerke zu spüren: „Mit der Teilnahme an Projekten bereits in der Planungsphase können die Gemeinden auch die von vielen Bürgern gewünschte direkte Beteiligung an neuen Vorhaben sicherstellen“, beschreibt Arne Zwick, Bürgermeister von Meßkirch, ein „wichtiges Ziel der Projektpartnerschaften“. Und Andreas Thiel-Böhm, Geschäftsführer der Technischen Werke Schussental, betont: „Wir begrüßen sehr, dass die EnBW und die Stadtwerke jetzt auf einer verbindlichen Basis kooperieren.“ Mit über 40 Stadtwerken und Regionalunternehmen hat die EnBW Vereinbarungen über gemeinsame Vorhaben im Bereich Erneuerbare Energien abgeschlossen.

Leuchtturmprojekt ist der 2011 ans Netz gegangene Ostsee-Windpark Baltic 1: An dem 16 Kilometer vor der Halb­insel Darß-Zingst gelegenen Wind­park sind 19 Stadtwerke und Kommunen mit rund 49 % beteiligt, die Mehrheit von 51 % hält die EnBW. Die Planungs- und Baukosten der 21 Windräder mit einer Gesamtleistung von rund 50 Megawatt haben die Projektpartner gemeinsam getragen – und auch die Einnahmen werden anteilig ausgeschüttet.

Auch für das zweite, größere Offshore-Projekt in der Ostsee, Baltic 2, zeichnet sich eine hohe Beteiligung von Kommunen und Stadtwerken ab: Der Sprecher der EnBW-Tochter EnBW Erneuerbare Energien, Stefan Thiele, ist zuversichtlich, bis zur Hälfte der Anteile an der Projektgesellschaft abgeben zu können. Dabei geht es um ein Gesamtinvestment von rund 1 Mrd. Euro. Baltic 2, 32 Kilometer vor der Insel Rügen gelegen, wird aus 80 Windanlagen mit einer Gesamtleistung von 288 Megawatt bestehen. Bis 2014 soll der Park ans Netz gehen.

Zwei Offshore-Projekte in der Nordsee musste die EnBW vorerst auf Eis legen. Der Grund: die ungeklärte Frage, wann der zustän­dige niederländische Netzbetreiber Tennet die Einspeisung und den Abtransport des Nordsee-Windstroms im landseitigen Fernübertragungsnetz sicherstellen kann. Die Nordsee-Windparks seien „aber nur aufgeschoben, nicht aufgehoben“, versichert EnBW-Sprecherin Friederike Eggstein.

Ambitionierte Pläne für neue Windparks

Am Ausbauziel von 1 200 Megawatt zusätzlicher Windkraft bis 2020 will die EnBW festhalten. Der größere Anteil der Windkraft-Vorhaben wird auf Onshore-Projekte entfallen. Derzeit würden „wei­tere 150 Standorte für 500 Wind­kraftanlagen untersucht – in Baden-Württemberg und anders-wo“, berichtet Konzernsprecherin ­Eggstein. Der Vergleich mit dem Bestand an EnBW-Windparks – 100 Anlagen an 22 Standorten mit 170 Me­gawatt Gesamtleistung – verdeutlicht, wie ambitioniert die Planung für neue Windräder ist.

Auch bei den Windkraftprojekten zu Lande will die EnBW kommunale Partner und andere Investoren in Finanzierung und Trägerschaft einbinden. Zuletzt ist dies bei einigen Vorhaben gelungen: So errichtet die EnBW gemeinsam mit Standortgemeinden in Berghülen drei Wind­anlagen. Für einen bei Talheim geplanten Windpark haben die EnBW und die Gemeinden Meßkirch und Leibertingen ein Joint Venture gegründet.

Dass die Projekte so geräuscharm umgesetzt werden, sieht der EnBW-Vorstandsvorsitzende Mastiaux als Ermutigung zur Fortsetzung seiner Partnerstrategie: „Wenn alle Beteiligten ihre Verantwortung erkennen und am Umbau der Energiesysteme mitwirken, dann können wir auch ambitionierte Ziele erreichen.“

Klaus G. Wertel


Artikel vom: 2012-12-12 10:06:00
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