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Sonnenschein bei Nacht

WirtschaftsKurier: Das Gasnetz als vorübergehender Speicher, das ist eine auf den ersten Blick überzeugende Idee. Warum brauchte es die Energiewende, um sie „marktreif“ zu machen?

Klaus-Peter Dietmayer: Genau dieser Markt gibt die Antwort. Bisher gab es keine Notwendigkeit, Energie langfristig zu speichern. Das hat sich jetzt geändert – und entsprechend attraktiv ist die Idee heute. Die Technik der Energie­erzeugung aus Wind und Sonne ist heute so weit, dass tatsächlich genug Strom für die Industrie­nation Deutschland produziert werden kann – aber nicht immer. Die Speicherung dieser schwankenden Energiemengen muss gelöst werden, sonst haben wir jede Menge regenerativen Strom, den keiner braucht.

Welche Haken oder Hindernisse gibt es noch auf der technischen Seite?

Grundsätzlich gilt: Die Verfahren sind erprobt. Woran es noch mangelt, sind aber großtech­nische Erfahrungen in der Praxis. Die müssten zügig gesammelt werden, um die Nutzbarkeit für umfangreiche Speicherungen zu bestätigen.

Wie steht es um die Wirtschaftlichkeit des Verfahrens?

Keine Frage: Die Wirtschaftlichkeit ist nicht gegeben. Denn die Anlagen sind noch zu teuer. Außerdem gibt es noch zu wenige fluktuierende Strommengen. Beides sind in der Tat kritische Faktoren.

Werden auf Dauer die Chancen auf Einspeisung von Wind- und Sonnenenergie in großem Maßstab tatsächlich besser oder braucht es noch weitere Maßnahmen?

In diesem Punkt kommt es weniger auf Technik oder die Kräfte des Marktes an. Vielmehr müssen die Gesetze noch entsprechend angepasst werden. Als Basis für die zwingend erforderliche Diskussion über geeignete Fördermechanismen geht die Gaswirtschaft jetzt in Vorleistung und ­erbringt über geeignete Leuchtturmprojekte den Nachweis der technischen Machbarkeit.

Wachsen mit der verfügbaren Gasmenge auch die Chancen für Gas als Fahrzeug-Treibstoff?

Das ist sicher eine Möglichkeit, die es zu berücksichtigen gilt. Ganz fraglos wächst die öffent­liche Wahrnehmung dafür und sicher werden entsprechende Überlegungen auf Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit geprüft.

Sind sich die Marktteilnehmer, auf die es bei der Umsetzung ankommt, in der Akzeptanz einig?

Ja, prinzipiell besteht Einigkeit. Einige argumentieren allerdings noch mit zu geringem Wirkungsgrad und zu hohen Kosten – das hatten wir ja schon angesprochen.

Welche Chancen ergeben sich für Unternehmen wie erdgas schwaben daraus?

Wir sind ein universeller Anbieter. Dazu gehören Erdgas-Strom und Regelenergie, also werden wir unsere Chance auch auf diesem Feld suchen. Stand heute läuft eine Projektstudie und wir haben auch schon ein Grundstück gekauft, auf dem wir das umsetzen wollen.

Welche Ziele verfolgen Sie damit?

Wir wollen in Graben bei Schwabmünchen, neben der Bio-Erdgasanlage von erdgas schwaben, eine Power-to-Gas-Anlage bauen. Partner hierfür ist die Firma Solar Fuel aus Stuttgart. Dipl.-Ing. Gregor Waldstein und Dipl.-Ing. Stefan Rieke ­haben seit 2009 einen Prototyp erfolgreich laufen, realisiert vom Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZWS). Für erdgas schwaben untersuchen sie nun die Machbarkeit ­einer „Ein-Megawatt-Anlage“. Ein derartiges Zukunftsobjekt ist nur mit Partnern möglich. Gemeinsam mit der Berliner Gasag, der Gasunion und der Thüga AG soll dieses Projekt gestemmt werden.

Die Ansiedlung neben der Biogasanlage – ein Vorteil?

Die Lage neben dem Produk­tionsstandort für Bio-Erdgas in Graben ist optimal für eine ­Power-to-Gas-Anlage. Das benötigte CO2 für den Umbau des ­Bio-Stroms in Erdgas (Methanisierung) wird direkt von den fleißigen Mikroorganismen auf dem Nachbargrundstück geliefert. Hier kann Energieeffizienz schon bei der Produktion beginnen.

Profitieren die Kunden auch davon?

Heute kann noch keiner unserer Kunden daraus Nutzen ziehen. Vielleicht lässt sich das auf absehbarer Zeit auch gar nicht individuell bestimmen. Aber für eine Energiewende ist ein Verfahren wie Power-to-Gas zwingend notwendig – womit sich mittelbar ein Nutzen für jeden Kunden ergibt.

Ist Power-to-Gas eine „grüne“ Energielösung – oder soll das gar nicht erst ihr Image sein?

In der Summe kommt hier natürlich immer „Grün“ heraus, nicht zuletzt, weil Power-to-Gas als ­wesentliche Lösung zur Energiespeicherung viele offene Fragen in Zusammenhang mit der Energiewende löst.

Wo besteht aus Ihrer Sicht noch Handlungsbedarf, wenn das Verfahren wirklich erfolgreich zum Zuge kommen soll?

Gesetzliche Änderungen sind hier in der Tat unerlässlich. Und außerdem muss sich die Erkenntnis auf breiter Ebene durchsetzen, dass diese Technik wirklich benötigt wird.
Das Interview Führte
WiKu-Mitarbeiter
Ulrich Pfaffenberger


Artikel vom: 2012-09-29 14:50:00
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