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Erfolg der Erfahrung

Schon zu meinen Studienzeiten an der Uni Bingen beschäftigte ich mich mit erneuerbaren Energien“, erzählt Matthias Bockholt, Vorstand von ABO Wind, „damals galt ich allerdings noch als Spinner.“ Das würde heute niemand mehr sagen. 1996 hob er zusammen mit Jochen Ahn die Projektgesellschaft für Wind- und Biogasanlagen aus der Taufe, die bereits eine Krise in der jungen Branche gut überstanden hat. Mittlerweile haben die Vorstandskollegen jahrelange Erfahrung in der Windkraft.

Ihr jüngster Coup: die Gründung der ABO Invest AG, die seit Mitte vergangenen Jahres börsennotiert ist. Damit gibt es eine neue Anlagemöglichkeit für Windenergie. Üblicherweise nutzen Investoren dafür geschlossene Fonds oder Unternehmensbeteiligungen. Diese Formen haben – auch wenn es sich um attraktive Projekte handelt – einige Nachteile. Dazu gehört, dass sich der Anleger in der Regel nur bei einem einzigen Park einkauft, an den er sich dann etwa 20 Jahre bindet.

Dagegen ist die „Bürgerwindaktie“, wie Ahn und Bockholt sie getauft haben, dank der Börsennotierung täglich handelbar. Derzeit besteht das Portfolio von ABO Invest aus sieben Windparks und einer Biogasanlage mit einer Leistung von zusammen 67 Mega­watt, bis 2015 sollen 200 Megawatt erreicht werden. Damit ist das Risiko für den Anleger gestreut, falls mal ein Windpark unter den prognostizierten Werten bleiben sollte.

Allerdings ist die Erfahrung der beiden Experten ein Garant dafür, dass das eher selten eintreten dürfte. Selbst als Anfang des Jahrtausends die Entwicklung der Windkraft nicht die Erwartungen der Investoren erfüllte und einige Gesellschaften vom Markt ­verschwanden, balancierte ABO Wind aufgrund ihrer breiten re­gio­nalen Streuung und eines ­seinerzeit gerade gut startenden Frankreich-Geschäfts die Rückgänge in Deutschland aus.

Windkraft wird immer hipper

Mittlerweile wird die Windkraft – auch infolge der abkühlenden Liebe der Investoren zur Solarenergie – immer hipper. Ahn beobachtet, dass aufgrund der ­hohen Nachfrage Windprojekte bereits in einem frühen Stadium verkauft werden, manchmal sogar, wenn noch nicht einmal die Genehmigungen erteilt sind. ABO Wind will sich dieser Praxis anpassen und vermehrt Objekte in einem frühen Stadium veräußern.

Bis ein Windpark baureif ist, dauert es mitunter einige Jahre. Der Aufbau der Anlagen selbst braucht dann nur wenige Tage. Bis dahin müssen viele komplexe Probleme gelöst werden. ABO Wind hat dafür Spezialisten, die über Jahre hinweg Know-how und Kontakte aufgebaut haben. Sie initiieren Projekte, akquirieren Standorte, organisieren internationale Finanzierungen und errichten schließlich die Anlagen. Insgesamt hat die Gesellschaft bislang 321 Windenergie- und sieben Biogasanlagen in fünf Ländern gebaut. Die Anlagen ­erzeugen jährlich rund 1 200 Gigawattstunden Strom. Das entspricht dem Verbrauch von 340 000 Drei-Personen-Haushalten. Die fertigen Projekte werden derzeit überwiegend von Stadtwerken und großen Energieversorgern gekauft.

ABO Wind entwickelt auch das Gros der Projekte, die ABO Invest ins Portfolio nimmt. Dabei halten Ahn und Bockholt – die beiden Unternehmer arbeiten in maßgeblichen Positionen am Erfolg beider Gesellschaften zusammen – Biogasanlagen für eine interessante, stabilisierende Beimischung zur Windkraft. Auch mit der Bioenergie haben die ABO-Windler schon viele Jahre Erfahrung. Die Umsetzung solcher Projekte sei zwar komplizierter und dauere länger, aber die Erträge seien gut prognostizierbar und die Rendite sei höher als bei der Windkraft, erläutert Ahn.

Seit dem Börsenstart im ­August 2011 hat sich die Bürgerwindaktie ABO Invest (WKN: A1EWXA) gut entwickelt. Der Vorstand verspricht den Anlegern eine Wertsteigerung von 8 % bis 9 % pro Jahr, die im Startjahr erreicht worden ist. Eine Dividendenausschüttung wird es in den ersten Jahren nicht geben. Freie Liquidität dient stattdessen dem Ankauf weiterer Windparks.

Das Geschäftsmodell sei für eine börsengehandelte Gesellschaft durchaus untypisch, wie Ahn ausführt. ABO Invest ist eine der wenigen Aktien, mit der sich Anleger ausschließlich an Sachwerten beteiligen. Allerdings ist auch diese Anlageform nicht frei von Risiken. Dazu zählen insbesondere windarme Jahre, Fehler in den Ertragsgutachten und eine unerwartet hohe Reparaturanfälligkeit der Anlagen.

Momentan hat ABO Invest durch die Kapitalerhöhung im Frühjahr mit einem Erlös von 5,6 Mio. Euro noch genügend Cash in der Kasse, um das weitere Wachstum zu finanzieren. Um den Jahreswechsel dürfte es aber eine weitere Runde geben. Interessenten dafür werden wohl leicht zu finden sein, denn die Eigenkapitalrendite bei Windparks liegt bei 7,5 % und bei Biogas­anlagen bei 11 %. Insgesamt sieht Ahn die Bürgerwindaktie als „Gegenentwurf zu jenen Absurditäten, die die Finanzmärkte regelmäßig an die Grenzen des Kollabierens treiben“.

Elwine Happ-Frank


Artikel vom: 2012-08-10 13:48:00
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