Trends - Hintergründe - Innovationen
Home Kontakt Sitemap 

Aktuelle Printausgabe

Abo WirtschaftsKurier
inkl. 7% MwSt.
Zusendung per Post

Abonnement
27,50 Euro
Studenten-Abo*
20,62 Euro
Mehrfachlieferungen** ab 5 Stück
20,62 Euro

*Bitte gültige Immatrikulations-
bescheinigung an den Verlag senden

** Vorzugspreis kann nur gewährt werden, wenn ein identischer Besteller, Empfänger und Zahler die jeweilige Menge abnimmt


Abonnement Ausland – Jahrespreis
ohne MwSt.
Zusendung per Post

Abonnement
38,40 Euro


Weimer Media Group
Maximilianstraße 13
80539 München

Tel: 08022-7044443
E-Mail: Abo-Bestellung


Das Abonnement verlängert sich automatisch um jeweils ein Bezugsjahr, wenn nicht zwei Monate vor Ablauf gekündigt wird.
Widerrufsgarantie: Sie können die Bestellung innerhalb von zehn Tagen ohne Angabe von Gründen schriftlich bei der Weimer Media Group, Maximilianstraße 13, 80539 München, widerrufen. Zur Fristwahrung genügt die rechtzeitige Absendung (Poststempel).

Keine böse Überraschung

WirtschaftsKurier: Herr Becker, viele Mittelständler klagen, dass die ­stei­genden Preise für Rohstoffe ihre Geschäftsaussichten bedrohen. Wie ­beurteilen Sie die Perspektiven für die Rohstoffmärkte?

Franz-Josef Becker: Wir können wohl ­davon ausgehen, dass die Preise für die ­Industriemetalle und Energieträger langfristig weiter steigen. Das ist aber nicht ­automatisch negativ zu sehen. Denn zum ­einen ist es ein Zeichen für steigenden ­Bedarf und damit eine bessere Weltkonjunktur – für den häufig global aufgestellten deutschen Mittelstand eine positive Nachricht. Zum anderen ist die Konkurrenz in der gleichen Situation, und der deutsche Mittelstand hat in den vergangenen Jahren die Rohstoff- und Energie­effizienz massiv gesteigert, was sich nun als Wettbewerbsvorteil erweist. Den­noch muss sich der Mittelstand auf die an­stehenden Preisschwankungen und -erhöhungen vorbereiten.

Mit welchen Strategien kann er das machen?

Vor allem müssen sich die Unternehmen das Risiko der steigenden und volatilen Rohstoffpreise bewusst machen. Bisher stehen noch die eher moderat, aber ständig steigenden Energiepreise im Fokus. Aber es sind die Rohstoffpreisschwankungen, die die Kalkulation und damit die Erträge viel drastischer beeinflussen können. Um nicht böse von den Einkaufspreisen für Rohstoffe überrascht zu werden, empfehle ich, folgende Fragen zu prüfen:

Es gibt also viele Stellschrauben, um mehr Kalkulationssicherheit zu erlangen.

Welche Unterstützung können Mittelständler von den Banken erwarten?

Vor allem ist die Aufklärung über Chancen und Risiken am Rohstoffmarkt wichtig, denn immer noch ist nicht genügend Sensibilität bei Preisabsicherungen vorhanden. Wir haben im Rahmen unserer Initiative für den Mittelstand, den „Unternehmerperspektiven“, die  Studie „Rohstoffe und Energie: Risiken umkämpfter Ressourcen“ durchgeführt. Die Ergebnisse haben wir bundesweit unseren Kunden vorgestellt und Lösungsmöglichkeiten ­besprochen. Darüber hinaus diskutieren wir mit Unternehmen in persönlichen Gesprächen deren Risikoposition bei Rohstoffen und können die Preisvolatilitäten anhand unseres „Rohstoffradars“ aufzeigen. Wir können dann ausloten, welches Finanzinstrument sich eventuell zur Absicherung von Rohstoff-Preisschwankungen eignet. Zudem können die Banken die Unternehmen hinsichtlich günstiger Fördergelder beraten und diese bei der KfW (Kreditanstalt für Wieder­aufbau) beantragen.

Welche Finanzinstrumente eignen sich, um die Volatilität der Rohstoffmärkte abzufedern?

Das sind exakt dieselben Instrumente, die auch zur Absicherung von Währungs- oder Zinsrisiken von Unternehmen gern verwendet werden, nämlich Termingeschäfte, Swaps und Optionen. Diese Ins­trumente führen bei der Absicherung von Rohstoffen noch ein Schattendasein. Nur 12 % der Unternehmen sichern Preisrisiken von Rohstoffen ab. Magere 8 % ziehen den Einsatz von Finanzinstrumenten derzeit überhaupt in Betracht. Dabei zeigt es sich, dass die Unternehmen, die mehr ­Finanzexpertise nutzen, die erfolgreicheren sind. Daher rate ich den Finanzab­teilungen und dem Einkauf, sich stärker mit den drei Varianten der Rohstoffpreis-Absicherung vertraut machen. Welches der Finanzinstrumente am Ende für den Kunden das passende ist, muss von Fall zu Fall entschieden werden.

Wie geht Ihre Bank bei der Beratung des Mittelstands vor?

Zuerst wird im Kundengespräch der Rohstoffbedarf im Abgleich mit der Auftragslage und dem Geschäftsmodell analysiert. Dann schauen wir genau hin, welche Rohstoffe dabei die besonders volatilen sind, und klären dabei über die jeweiligen Chancen und Risiken des Rohstoffmarkts auf. Sollte sich ein Absicherungsinstrument für einen bestimmten Rohstoff rechnerisch lohnen, werden wir das passgenaue Sicherungsinstrument auswählen und das Chancenfenster berechnen. Der Kunde erhält so ein tieferes Verständnis für „seinen“ Rohstoffmarkt und die feste Kalkulationsbasis für seine Preisgestaltung.

Welche Ratschläge geben Sie Mittelständlern für die Sicherung der Rohstoffversorgung?

Vor allem den, sich mehr zu öffnen – sei es, um sich mehr externe Expertise ins Haus zu holen oder um eigene Informationen an Geschäftspartner wie Banken weiterzugeben. Meiner Erfahrung nach arbeiten die Unternehmen und Banken am besten zusammen, die einen partnerschaftlichen und transparenten Umgang miteinander pflegen. Dazu gehört auch, dass man sich gegenseitig als Feedback-Geber nutzt. So erweitert jeder seinen Horizont und kommt vielleicht auch zu der Erkenntnis, dass man durch andere Produkte, sub­stituierende Rohstoffe, moderne Produk­tionsverfahren oder Preisabsicherungen am Ende viel sparen kann.

Gibt es Fehleinschätzungen, vor denen Sie die Unternehmen warnen?

Eine weitverbreitete Falle ist die reine „Innensicht“ mancher Unternehmen. Das ­äußert sich zum Beispiel in der Einstellung „Das schaffen wir schon allein!“ oder „Wird schon nicht so schlimm!“. Leider kann ­diese Innensicht auch schnell in einer nicht zufriedenstellenden Rentabilität enden. Es gibt weit mehr externe Berater, die dem Unternehmen als Experten mit kosten­losem Know-how zur Verfügung stehen, als man denkt. Dazu gehören zum Beispiel Steuer- und Bankberater oder auch Energieberater. Wichtig ist der offene Austausch, um neue Anregungen an Bord zu holen. ­Eines möchte ich ganz deutlich sagen: Wer sich in diesen Zeiten volatiler Märkte nicht absichert, ist ein Spekulant!

Das Interview führte
Wiku-Mitarbeiter
Dr. Hans-Dieter Radecke


Artikel vom: 2012-08-28 11:52:00
ANZEIGE