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Schweigen ist Silber, Reden ist Gold

Es ist und bleibt eine Tat­sache in Deutschland und großen Teilen Europas, dass die Logistikindustrie nicht das Ansehen genießt und vielleicht auch niemals genießen wird, das ihrer Bedeutung entspricht. Warum eröffnet die ­Bundeskanzlerin die Frankfurter Buchmesse und die CeBit, nicht aber die transport logistic, die Transfairlog, die Logimat oder die Expo Real? Hat es etwas ­damit zu tun, dass dort keine in edles Leinen gebundene Geistesergüsse oder trendbewusste Designerprodukte ausgestellt und beworben werden, sondern nur langweilige Dienstleistungen? Wann spricht es sich endlich herum, dass auch unter der Oberfläche von Logistiksoftware überlege-nes Know-how und stille Ästhetik walten? Wann werden die Ingenieure der Logistikindustrie ähnlich „geadelt“ wie deren Kollegen aus der Automobil- oder Elektroindustrie? Ich fürchte, das werden wir so schnell nicht erleben – wenn überhaupt.

Es wird nicht genügend kommuniziert aus dem Innen­leben der drittgrößten Industrie Deutschlands. Es gibt zwar zahlreiche Verbände, aber eine Stimme hat die Logistikindustrie deshalb noch lange nicht. Um wie vieles besser ist da der vergleichsweise kleine Berufsstand der Bauern organisiert? Mit mäch­tiger Stimme äußert deren Verbandsführung regelmäßig Forderungen und Klagen in Richtung Politik – und das meistens mit ­Erfolg! Die Agrarwirtschaft ist die meistsubventionierte Branche Deutschlands. Das mag gute Gründe haben, hinterlässt aber einen schalen Nachgeschmack.

Die Logistikunternehmen sehen sich aufgrund des Mangels an Meinungsführerschaft aus einem Verband heraus gezwungen, das Heft selbst in die Hand zu nehmen. Die Großen der Branche haben ihre Hausaufgaben ­gemacht, überfluten die Medien mit Pressemitteilungen zu allen möglichen Themen und finden Gehör in den Fachzeitschriften, die mit professioneller Nabelschau zum Teil recht ordentliche Auflagen erzielen. In den über eine breite Leserschaft verfügenden Publikumsmedien finden indes auch ihre Botschaften kein Gehör. Warum auch? Selten kann man den offiziellen Pressebulletins etwas entnehmen, was auch nur annähernd geeignet wäre, das Interesse breiter Bevölkerungsschichten zu wecken.

An mangelndem Interesse der Menschen liegt es nicht, dass die Logistikindustrie derartig dürftig und technokratisch über sich selbst spricht. Es hat sich nämlich mittlerweile herumgesprochen, dass eine Vielzahl von Arbeitsplätzen an dieser Branche hängt, dass wir als Exportweltmeister nur dann im weltweiten Wettbewerb bestehen können, wenn wir nicht nur ein Hightech-Produktionsstandort, sondern auch ein Logistikland bleiben.

Man kann es gar nicht oft genug betonen: Die deutsche Wirtschaft ist nur dank der globalisierten Märkte so stark, wie sie ist. Alle wichtigen Rohstoffe müssen importiert werden, bevor sie von deutschen Unternehmen zu begehrten Produkten verarbeitet werden. Komplexe Produkte entstehen durch das vereinigte Know-how vieler Zulieferbetriebe, deren Teile zu Fertigungsstätten transportiert werden müssen. Und schließlich wandern die Güter auf den unterschiedlichsten Wegen zu den Kunden in aller Welt.

Weil diese Prozesse mehr oder weniger im Verborgenen ablaufen, werden sie in der Öffentlichkeit wenig wahrgenommen und daher schnell auf ihre offensichtlicheren, eher lästigen Seiten wie Lärm oder Umweltbelastung reduziert – und in ihrer Bedeutung für die Gesamtwirtschaft erheblich unterschätzt.

Die Logistikunternehmen sind deshalb gut beraten, sich gegenüber der Bevölkerung zu öffnen und den Menschen zu zeigen, was es heutzutage bedeu­tet, wenn der Lastwagen nicht fährt, sondern im Stau steht. Und wa­rum es keinen Zweck hat, ­gegen die Ansiedlung von Lo­gistik­betrieben zu protestieren, die ja schließlich irgendwo ihre Lager- und Umschlaghallen betreiben müssen.

Auch für die Speditions- und Logistik-Verbände gibt es zahlreiche Themen. Warum gelingt es nicht, mehr Transporte von der Straße auf die Schiene zu verlagern? Warum investieren wir nicht in eine leistungsfähige Schieneninfrastruktur, statt den vorhandenen Autobahnspuren immer wieder eine neue hinzuzufügen? Warum lassen wir es nicht zu, dass der Lang-Lkw vernünftig und flächendeckend erprobt wird, damit weniger, wenn auch größere Lkw auf unseren Straßen unterwegs sind?

Nicht nur Unternehmen, Verbände und die Politik verschleppen wichtige Debatten und Entscheidungen. Eine Gesellschaft, die es grundsätzlich unterlässt, die Verkehrsinfrastruktur den Notwendigkeiten anzupassen, die massiv in Investitions- und Bebauungspläne eingreift und es den Unternehmen schwermacht, auf dem Weltmarkt zu bestehen, wird sich über den Verlust von Wettbewerbsfähigkeit und damit den Abbau von Arbeitsplätzen nicht wundern dürfen. Auch wenn die Vision einer Freizeitgesellschaft, die sich in einem Naturpark zur Ruhe gesetzt hat, attraktiv ist: Im globalen Wettbewerb wird Deutschland damit ausschließlich als Urlaubsland wahrgenommen.

Peter H. Voß


Artikel vom: 2012-10-09 11:08:00
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