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Von Gelb auf Grün

Der Internethandel boomt – ein Ende ist nicht abzusehen. Laut einer Studie des Bundesverbands des Deutschen Versandhandels (BVH) ist das Onlinegeschäft der Wachstumstreiber für den Handel – und damit auch für die ­Logis­tikbranche. Allein im vergangenen Jahr lag das Plus bei 18,5 %, erstmalig wurde die 20-Mrd.-Euro-Grenze beim Umsatz gesprengt. Dieser ernorme Wachstumstrend setzt sich auch in diesem Jahr fort.

Während lange Zeit Medien wie Bücher und CDs sowie Unterhaltungselektronik die größten Zuwächse verzeichneten, sind es heute Mode-Artikel wie Bekleidung oder Schuhe. Aber schon bald werden die Verbraucher auch die Dinge des täg­lichen Bedarfs im Internet einkaufen: Lebensmittel, Drogerieartikel, Medikamente. Der Versandhandel wird damit künftig ein Weg sein, der – zumindest zum Teil – den täglichen Einkauf ersetzt. Insbesondere für weniger mobile Menschen und die ältere Generation wird er einer der wichtigsten Versorgungswege.

Paketumleitung per Mausklick

Das bedeutet vor allem eines: Immer mehr Pakete werden an Privatpersonen versendet. Um die Attraktivität dieses Vertriebswegs weiter zu erhöhen, arbeiten DPD, DHL, Hermes und andere Paketdienste massiv daran, die Annahmequote bei der Zustellung an der Haustür zu erhöhen, um teure Mehrfachzustellungen zu vermeiden. Da es sich bei den Käufern um eine internetaffine Zielgruppe handelt, setzt beispielsweise DPD darauf, dass der Empfänger bereit ist, sein Paket mit wenigen Klicks umzuleiten – zu einem Paketshop oder einem Nachbarn.

Auch die Posttochter DHL setzt auf Wachstum durch E-Commerce. Mit dem Launch von MeinPaket.de wendet sich der Dienstleister gezielt an kleinere und mittelgroße Händler, denen eine Möglichkeit geboten wird, ihre Produkte attraktiv und effizient im Internet zu platzieren. Über 2 500 Händler haben sich nach Unternehmensangaben bereits registriert. Mit einem flankierend zum Onlineportal erscheinenden Katalog sollen auch weniger onlineaf­fine Zielgruppen mehr Orientierung und Anreize für Einkäufe im Internet erhalten. Hier gehe es um Bedarfsweckung und weniger um Bedarfsdeckung, betont DHL.

Der Trend zu mehr Internethandel führt dazu, dass mehr ­Logistikflächen benötigt werden. Allerdings nimmt die Reserviertheit gegenüber Großprojekten, die Verkehr anziehen, die Umwelt verschmutzen und für die vermeintlich nur Arbeitsplätze, für die eine geringe Qualifikation benötigt wird, schaffen, in der Bevölkerung zu. Einige Logistikunternehmen reagieren auf die gesellschaftlichen Herausforderungen mit der Einführung einer CO2-Bilanz. Durch den Einsatz von Fahrzeugen mit Elektro- oder Hybridantrieb, eine effizientere Routenplanung und das Angebot von GoGreen-Produkten hat sich beispielsweise der „ökologische Fußabdruck“ des DHL-Paketgeschäfts stark verbessert. Im Jahr 2007 lag der durchschnittliche CO2-Ausstoß pro Paket noch bei 630 Gramm, heute unter 500 Gramm – eine Reduzierung von mehr als 20 % in vier Jahren. Auf dem Weg zum klimaneutralen Versand sieht sich auch der DHL-Konkurrent DPD. Ein Bündel von Maßnahmen soll zu nennens­werten CO2-Reduk­tionen führen, zum Beispiel die nachhaltige Bauweise bei neuen Depots oder der Einsatz von Elektrofahrzeugen beziehungsweise Lastenfahrrädern in der Paketzustellung.

Dass selbst an B-Standorten noch ganz andere Probleme als eine kritische Bevölkerung lauern können, zeigt sich in den Rand­lagen vom Ruhrgebiet, immerhin Deutschlands größtem Ballungszentrum. Dort droht, wie im gesamten Ruhrpott, Gewerbeflächenknappheit. Die Kammern der Region schätzen den Flächenbedarf bis zum Jahr 2030 auf 3 200 Hektar. Für gerade einmal die Hälfte haben Investoren Inter­esse signalisiert. Worte wie „Flächennotstand“ und „Deindustria­lisierung“ machen deshalb die Runde, was die Entscheidungsprozesse, die durch den Regionalverband Ruhrgebiet gebün-delt werden, nicht sonderlich beschleunigt. Voraussichtlich wird frühestens im Jahr 2016 ein übergreifender Plan für die Ausweisung von neuen Gewerbeflächen vorliegen.

Neue Lagerhallen braucht das Land

Wie groß der Mangel an geeigneten Gewerbeflächen ist, ist nur schwer einzuschätzen. Denn in Deutschland herrscht, gemessen an internationalen Standards, wenig Transparenz über den heimischen Immobilienmarkt. Es gibt nämlich schlicht keine gesicherten Daten über Leerstände. Geht man jedoch von rund 330 Mio. Quadratmetern Logistikfläche hierzulande aus, dann bleibt die Feststellung, dass nur etwa 15 % dieser Immobilien nach 1985 gebaut wurden und eine Mindestgröße von 8 000 Quadratmetern aufweisen. Angesichts steigender Energiekosten sind Immobilien, die älter als zehn oder 15 Jahre sind, wahre Verschwender und damit Kostentreiber.

Immerhin sind deutschlandweit derzeit rund 1,2 Mio. Qua­drat­meter Logistikfläche mit einer Größe von mehr als 5 000 Qua­dratmetern im Bau. Das klingt viel, ist aber eine schwere Hypothek auf die Zukunft. Wenn man überdies berücksichtigt, welche Zeiträume ins Land ziehen, bis eine neue Fläche bebauungsreif ist – es vergehen mindestens zwei, in der Regel jedoch eher vier bis fünf Jahre –, dann wird sich die Problematik sicher noch verschär­fen, nicht überall, aber in besonders attraktiven Regionen auf jeden Fall.

Thomas Pool


Artikel vom: 2012-11-01 10:49:00
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