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Zukunfts-Radar

Manchmal gibt es Momente, in denen man etwas mit Erstaunen wahrnimmt, weil es überraschend, zuweilen irritierend ist. Das kann eine Telefonzelle sein, die zu einem öffentlichen Bücherschrank umfunktioniert wurde. Allerdings nicht in öffentlichem Auftrag, sondern von einem bibliophilen Mitmenschen. Entweder man vergisst so eine Beobachtung wieder – oder man fragt sich, ob es nicht Zusammenhänge mit anderen Phänomenen gibt. Zum Beispiel damit, dass Unbekannte Verkehrsinseln mit Blumen bepflanzen. Kreative Urbanisten beginnen, mit kleinen Eingriffen den öffentlichen Raum umzugestalten. Es ist ein kleiner, aber relevanter Mikro­trend, der ein verändertes Verhältnis zwischen Stadtverwaltung und den Bewohnern ankündigt. Wir nennen diesen Mikrotrend „Urban Hacking“, weil ganz im Stil des Computer-Hackers der Code der Stadt neu programmiert wird. Aus hässlichen Mülleimern werden Kunstwerke und aus Parkbänken Liegestühle. Solche „Urban Hacks“ können zu idealen „Providern“ für neue Ideen im Labor Stadt sein.

Es lohnt sich, die kleinen Veränderungen im Alltag aufmerksam zu beobachten und zu prüfen, ob sich ein Mikrotrend dahinter verbirgt. Mikrotrends sind die kleinen Kräfte hinter den großen Veränderungen von morgen. Sie können als Seismografen der Jetzt-Zeit verstanden werden. Sie liefern weit mehr als nur Inspira­tion: Klug interpretiert beinhalten Mikro­trends das Potenzial für neue Marktideen. Sie können Indikator für das Business von morgen sein und zeigen auf, welche Themen man nicht unterschätzen sollte. In der aktuellen „Mikro­trends“-Studie des Zukunftsinstituts werden insgesamt 52 Trends beschrieben. Kleine Zukunftspflänzchen, aus denen große Geschäfte erwachsen können. Dazu gehört zum Beispiel der „Aufbruch ins Algenzeitalter“.

Algen sind kleine Photosynthese-Kraftpakete, die helfen können, die Energieprobleme der Zukunft zu lösen. Waren es bisher Solarzellen, die eine dezentrale Energieversorgung ermöglichen, sind nun Algen auf dem Vormarsch – unter anderem in der Baubranche. In Hamburg entsteht weltweit das erste Haus mit einer Bioreaktorfassade. BIQ, so der Name des visionären Projekts, wirkt von der Ferne wie eine normale, moderne Architektur. Die Fassade hat es aber in sich: In plattenförmigen Glaselementen werden Mikroalgen gezüchtet, die durch Photosynthese und Solarthermie Energie und Wärme produzieren.

Stromsparen wird zum Facebook-Turnier

Rund um das Thema Energiemanagement und Energieeinsparung dreht sich der Mikrotrend „Social Metering“. Bei dieser Entwicklung werden Smart Meter – Stromzähler, die den Energieverbrauch von Geräten ausweisen – um soziale Intelligenz ergänzt. Mit der Social-Metering-App des deutschen Start-ups GreenPocket wird Energiesparen zum spielerischen Wettbewerb: Die per Smart Meter aufgezeichneten Verbrauchsdaten können durch die App mit Facebook-Anbindung dazu genutzt werden, sich mit anderen zu vergleichen. Push-Nachrichten und Wettbewerbe motivieren die Nutzer dazu, sich langfristig mit ihrem Energieverbrauch zu beschäftigen und möglichst CO2-effizient zu leben. Wer kontinuierlich effizient mit Energie haushaltet, erhält virtuelle Trophäen. Durch die Verbindung von Smart Metering und Social Web ergeben sich neue Marketing- und Kommunikationskanäle für Energieversorger.

Soziale Vernetzung ist eine der Triebfedern für Mikrotrends – auch bei den „Blog-Up-Stores“. Lange Zeit hat der Einzelhandel das Potenzial von Bloggern nicht ernst genommen, nun nutzen Pioniere die Chancen. Die britische Modekette River Island bringt im Herbst eine Kollektion mit dem Namen „Blogger“ auf den Markt. Inspiriert von Bloggern soll es Accessoires zu kaufen geben, die von ausgewählten Fashion-Bloggern designt wurden. Einen anderen Ansatz realisierte der schwedische Retailer Lagerhaus. Er macht die Blogger zu exklusiven Verkäufern. Zum Start seines Online-Shops ließ sich der Einzelhändler für Einrichtungsgegenstände und Wohnaccessoires Folgendes einfallen: Sechs ausgewählte Design-Blogger stellten sich mithilfe eines Widgets (kleines Anwendungsprogramm) ihre Lieblingskollektion von Lagerhaus zusammen, die sie exklusiv über ihren Blog vertreiben. Wie stark sich ein Mikrotrend wie dieser entwickeln wird, lässt sich nicht sagen. Mitunter ist er nicht von langer Dauer. Das heißt aber nicht, dass er unbedeutend wäre. Denn es sind die Wirkungen auf die Systeme des Marktes, die Mikrotrends umso nachhaltiger machen. Die meisten Mikrotrends befördern die Mechanismen einer immer stärker vernetzten Gesellschaft: Offenheit, Transparenz und Partizipation.

Andreas Steinle,
Geschäftsführer Zukunftsinstitut


Artikel vom: 2012-09-18 11:30:00
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