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China – der unheimliche Retter

Weltwirtschaft | Warum die Volksrepublik die westliche Lebensart finanziert und dies auch weiterhin tun wird

Die besten Propheten sind die, die möglichst vage bleiben. Auf diese Weise hat sich auch Kurt Georg Kiesinger als dauerhafter Prophet erwiesen. Sein „Ich sage nur – China, China, China“ gilt mehr denn je, nur ganz anders als der damalige Bundeskanzler sich das gedacht hat. China, China, China ist heute für manches Land des Westens die große, womöglich die letzte wirtschaftliche Hoffnung, der Ritter, der den in Not geratenen Westen rettet.

Nur: Ein weißer Ritter, dem sich Europa und Mrs. Liberty freudig seufzend in die Arme werfen, ist China sicher nicht. Das Unheimliche, das Kiesinger seinerzeit in seine China-China-China-Stimme gelegt hatte, wirkt immer noch. Zu Recht? Oder ist es nicht an der Zeit, dass Finanzpolitiker und Unternehmer des Westens ihre latente China-Angst ablegen?

Die China-Angst ist ja schon lang nicht mehr das, was sie mal war. Zu Tausenden tummeln sich westliche und nicht zuletzt auch deutsche Unternehmer auf dem chinesischen Markt. Gerade Mittelständler haben mit Mut, Elan und Erfolg die Chance ergriffen, die der ostasiatische Gigant bietet. Dass die deutsche Wirtschaft immer noch brummt, als habe es die Welt­finanzkrise nie gegeben, ist dem wachsenden Hunger der Chinesen nach Qualitätsware zu verdanken. Auch andere westliche Länder profitieren davon. Der Retter mag ein bisschen unheimlich sein, aber er zahlt pünktlich und man ist zufrieden. Wo stünde man, wenn es ihn nicht gäbe?
Man stünde bis zum Hals in der Krise. Und jetzt erst recht, da die Börsen schon wieder ihren Hang zur überzogenen Panik demonstrieren. Ein aufstrebender ökonomischer Gigant wie China wirkt da im Zweifel als ein Element der Ruhe und Besonnenheit in einem westlichen Meer von Hektik. Vergessen wir mal Kiesingers düstere Ahnungen und schauen wir nüchtern auf die Szene. An der Verschiebung
der Machtverhältnisse lässt sich kaum noch zweifeln.

Der Titanic-Vergleich drängt sich auf
Etwas ganz Besonderes, geradezu etwas für Feinschmecker, ist Chinas Beziehung zu Amerika. Die Amerikaner leben fröhlich über ihre Verhältnisse und die Chinesen machen es möglich, indem sie das amerikanische Wohlstandsleben vorfinanzieren. Der „Tita­nic“-Vergleich drängt sich auf. Und es liegt in der Natur der Sache, dass China irgendwann die Rechnung präsentieren wird. Aber wie? Indem es den Billionen-Schuldner untergehen lässt und dabei selbst schwerste Verluste erleidet? Das kann sich China mit seinen weltweit größten Devisenreserven und seinen 2,5 Bil. US-Dollar auf der hohen Kante kaum leisten. Nein, China wird die USA nicht verkommen lassen.
Aber allein diese Aussage spricht Bände. Allein wegen seiner Schulden und obendrein wegen seiner teuren Kriege hat Washington die größte Mühe, sich als einzig verbleibende ­Supermacht zu halten. Alle Vorhersagen gehen davon aus, dass China in zwei, drei Jahrzehnten die Wirtschaftsmacht Nummer eins ist. Und die Herren in Peking sind längst dabei, den Amerikanern finanzpolitisch die Leviten zu lesen.

Kein Zweifel: China wird immer deutlicher mitreden und auch ein neues Weltgefüge schaffen. Die US-Dollar-Dominanz soll einem Dreigestirn aus US-Doller, Euro und Renminbi weichen. China, so ein deutscher Finanzpolitiker nach Gesprächen in Peking, ist vor allem daran interessiert, eine größere finanzpolitische Verantwortung in der Welt zu übernehmen.

Und damit wird der ostasiatische Riese fast automatisch zum Retter des verschuldeten Westens, nicht nur Amerikas, sondern auch Europas. China will den US-Dollar nicht abschreiben, sich aber auch nicht mehr wie bisher fast allein auf ihn stützen. Dass die ­Chinesen dem tief verschuldeten Eurostaat Griechenland eine rettende Hand gereicht haben, kann man getrost als einen Hinweis auf die neue Drei-Säulen-Politik verstehen. Auch andere wackelnde Euroländer dürfen auf chinesisches Interesse hoffen. Im Zweifel wird China verschuldete Staaten in Europa sogar gegen ihren Willen retten.

Für den Handel und Wandel ist Chinas Bereitschaft, als verantwortungsbewusster Riese und im Zweifel als Retter der verschuldeten Westler aufzutreten, ein Segen. Es ist der Weg der Vernunft, auch wenn das dem Stolz einiger Europäer und vor allem der Amerikaner wehtut. Natürlich tut es weh, ausgerechnet von Peking zur guten Haushaltsführung ermahnt zu werden. Aber solche Ermahnungen sind notwendig, auch wenn sie aus einem Munde kommen, von dem man es nicht hören mag. Entscheidend ist aber, dass die Geschäfte weiter blühen können, dass also der westliche Traum „Wohlstand für alle“ bei uns weiter wahr bleibt. Wenn dabei Aufsteiger wie China, Indien und andere zeigen, dass diese Vision auch weltweit immer realistischer wird, so kann das nur gut sein.

Rainer Bonhorst


Artikel vom: 2011-09-02 14:55:00
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