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Schöne neue Welt des Mülls

Abfallmanagement | Unterirdische Rohre versprechen mehr Effizienz

Erst auf den zweiten Blick fällt einem auf, dass in Hammarby-Sjöstad etwas fehlt: Weder Gestank noch Abfallcontainer stören das Bild der gemütlichen Wohngegend in Stockholm. Auch einen Wagen der städtischen Müllabfuhr sucht man weit und breit vergebens. Um herauszufinden, wohin der Müll der Bewohner wandert, muss man schon etwas genauer hinsehen: Hinter Holzverkleidungen verbergen sich vor den Häusern knapp 50 Zentimeter breite Einwurfschächte, über die der Hausmüll in den Untergrund gelangt. Rund anderthalb Meter tief unter der Erde fällt er zunächst in einen Zwischenbehälter und wird von einem Sensor erfasst. Sobald der Behälter voll ist, werden Ventilatoren in Gang gesetzt, die Unterdruck erzeugen und den Abfall wie ein riesiger Staubsauger durch die unterirdischen Röhren in einen zentralen Sammelcontainer befördern. Alle paar Tage wird dieser dann vom städtischen Entsorger entleert, der sich somit den Weg von Tonne zu Tonne spart und deutlich effizienter arbeitet. „Im Durchschnitt kann man die Abfuhrkosten mit unserer Lösung um rund 40 % reduzieren“, sagt Jonas Törnblom, Marketingmanager bei der schwedischen Firma Envac.

In über 30 Länder konnte sein Unternehmen bereits Anlagen verkaufen, über 600 Systeme wurden installiert. Auch hierzulande ist das Interesse an dem schwedischen Modell groß. In Hamburg testet man eines der unterirdischen Transportsysteme sogar bereits versuchsweise in der Praxis. Selbst die deutsche Leidenschaft für Mülltrennung ist mit dem Untergrundsystem kein Problem: Für Papier, Bioabfall und Restmüll werden schlichtweg unterschiedliche Schächte angeboten. Das System saugt die Abfälle dann einfach abwechselnd durch die Röhren und platziert sie in verschiedenen Sammelcontainern. Einen Haken hat das schwedische System dann allerdings doch: In Städten ist der nachträgliche Aufbau einer unterirdischen Infrastruktur in der Regel mit hohen Kosten verbunden. Deutlich günstiger könnte da eine Alternative aus Österreich kommen: In Salzburg haben es Forscher nämlich ebenfalls auf einen effizienteren Transport von Abfällen abgesehen. „In der Abfallwirtschaft ist die Logistik ein zentraler Kostenfaktor“, sagt Margit Greisberger von Salzburg Research. Durch bessere Transportprozesse könnten Städte die gesamten Entsorgungskosten um rund 20 % reduzieren, schätzt die Expertin.

Eine Möglichkeit dazu teste man gerade in einem Pilotprojekt: In Salzburg wollen die Forscher einzelne Müllcontainer versuchsweise mit speziellen Ultraschallsensoren ausstatten. Die Sensoren, die über ein integriertes Dünnschicht-Solarmodul mit Strom versorgt werden, erfassen permanent den Füllstand der Container und übermitteln diesen per Mobilfunk an eine Internetplattform. „Die Entsorgungsunternehmen sehen so in Echtzeit, auf welchen Routen die Container geleert werden müssen und wo das mög­licherweise noch Zeit hat“, erklärt Greisberger. Durch die bessere Planung könne man auch die gefahrenen Kilometer und damit den CO2-Ausstoß drastisch reduzieren. In der Stadt der Zukunft mache das die Abfallwirtschaft deutlich effizienter.

Schrott ist Gold wert
Wobei: „Abfallwirtschaft“ ist eigentlich das falsche Wort. Denn in den 455 Kilogramm Müll, die ein Bundesbürger pro Jahr produziert, sind immerhin jede Menge wertvolle Rohstoffe enthalten. Wie attraktiv das Geschäft mit Abfällen ist, weiß auch Dominik Lochmann. Mit seiner Firma ESG Edelmetall in Rheinstetten bei Karlsruhe hat er sich auf den mit Abstand wertvollsten aller Haushaltsabfälle spezialisiert: Elektroschrott. Meterhoch stapeln sich alte Mobiltelefone, Computerchips und Prozessoren in seinen Lagerräumen. „Dieser Schrott ist Gold wert“, weiß der Geschäftsführer: „In einer einzelnen Computerplatine stecken rund 0,8 Milligramm des Edelmetalls.“ Auch winzige Mengen von Silber, Platin, Rhodium und seltene Erden sind im Elektroschrott enthalten. Für Lochmann wird aus diesen Mikromengen in der Masse ein lukratives Geschäft: Auf einen achtstelligen Betrag würden sich die recycelten Rohstoffe im Hochsicherheitslager seiner Firma aktuell summieren, sagt er. Auch die Nach­frage sei in den letzten Jahren kontinuierlich gewachsen.

Doch nicht immer ist Recycling für Städte wirtschaftlich und ökologisch gesehen die erste Wahl. Im Rahmen der Messe „Waste to Energy“ wurden Mitte Mai 2011 in Hannover auch Möglichkeiten der energetischen Abfallverwertung diskutiert. Zum Beispiel
eignet sich ungeliebter Klärschlamm, der während der Abwasserreinigung nicht nur Bakterien, sondern auch Schwermetalle und Medikamentenrückstände aufnehmen kann, hervorragend zur Energiegewinnung: Mehr als 2 Mio. Tonnen Klärschlamm-Trockenmasse fallen nach Angaben des Bundesumweltministeriums jährlich in Deutschland an. „Das Gute an Klärschlamm ist, dass er als Rohstoff in Städten regelmäßig und reichlich verfügbar ist“, sagt Ulrich Wendeln vom Unternehmen Goldene Energie aus Ladbergen. „Für die dezentrale Energieversorgung in Kommunen macht ihn das besonders interessant.“ Auch energetisch sei der Rohstoff hoch­attraktiv: Nach vollständiger Trocknung entspricht der Brennwert von Klärschlamm immerhin in etwa dem herkömmlicher Braunkohle. Als Unternehmer testet Wendeln das Prinzip momentan mit einer Vergasungsanlage in der niedersächsischen Gemeinde Garrel. Bei der Vergasung entsteht ein Prozessgas, das später etwa in Blockheizkraftwerken zur Strom- und Wärmeerzeugung eingesetzt wird. „Auch andere organische Reststoffe und Abfälle können effizient in Energie verwandelt werden“, sagt Wendeln, der Kommunen seine in der Industrie getestete Technologie für die  Bioenergieversorgung anbieten will.

Eloy Barrantes


Artikel vom: 2011-06-27 17:12:00
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