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Bayerische Verbundenheit

Bundeskanzlerin Angela Merkel, Fußball-Star Mario Gómez und Schlagersänger Hansi Hinterseer haben eines gemeinsam: Sie sind stolze Besitzer von einem weltweit bekannten und erfolgreichen Erzeugnis aus Oberbayern – einem Audi. Der Freistaat im Süden Deutschlands ist bekannt für die dort herrschende Gemütlichkeit, seine Heimat­verbundenheit und nicht zuletzt für die Liebe zu Volksmusik, Bier und Schweinebraten. Doch große Aushängeschilder sind neben den Klischee-­Größen CDU, FC Bayern und Ok­toberfest auch die beiden Automarken Audi und BMW. So weit, so bekannt. Interessant wird es jedoch, betrachtet man die zahlreichen angesiedelten Automobilzulieferer. Unter ihnen finden sich weltweit agierende Unternehmen, deren Namen nicht jedermann ein Begriff sind.

Auch jenseits des Weißwurst-Äquators

Bemerkenswertes Beispiel für einen erfolgreichen mittelständischen Betrieb aus Oberbayern ist die Webasto Gruppe. Das Klischee der Traditionsverbundenheit des Freistaats erfüllt der Weltmarktführer für Standheizungen, Autoschiebedächer und Ca­briodächer mit seiner mehr als 110-jährigen Geschichte und dem Familienbesitz, in dem sich der Betrieb noch heute befindet.

Hier hört die Weißwurst-Mentalität jedoch bereits wieder auf. Das Unternehmen mit Sitz in Stockdorf bei München ist auf der ganzen Welt an mehr als 50 Standorten tätig. Als einer der 100 größten Automobilzu­lieferer – deutschlandweit unter den Top 20 – beschäftigt Webasto mehr als 10 000 Mitarbeiter und erwirtschaftete im Jahr 2011 einen Umsatz von 2,3 Mrd. Euro. Ob die 300er-Sonderserie „Adenauer“ von Daimler-Benz, der Klassiker Ford Fiesta, der Mini Roadster und seit der Übernahme von Karmann USA im Jahr 2010 auch Klassiker wie das Mustang Cabrio – alle sind oder waren mit Produkten aus dem Hause Webasto ausgestattet. Im Juli 2012 verpasste sich das Familienunternehmen eine neue Struktur und wurde in eine europäische Ak­tiengesellschaft (SE) überführt. Gleichzeitig sind die beiden Unter­nehmensbereiche für Dach- und Thermosysteme rechtlich verselbstständigt worden.

Tradition, Voraussicht und Kreativität

Betrachtet man die Firmenhistorie von Webasto, liegen die Erfolgsfaktoren des oberbayerischen Autoteilezulieferers in solidem Traditionsbewusstsein, verbunden mit weiser Voraussicht und innovativer Kreativität. Im reifen Alter von 55 Jahren gründete Wilhelm Baier im Jahr 1901 die Firma „Esslinger Draht und Eisenwarenfabrik Wilhelm Baier, Esslingen/Neckar“, mit der er sieben Jahre später nach Stockdorf umsiedelte. So modern der Firmenname Webasto auch klingen mag – er ist eine Mischung der ­Initialen von Wilhelm, Baier und Stockdorf. Die Nähe zur nord­italienischen Fahrradindustrie begünstigte die Produktion von Schutzblechen und Gepäckträgern. Erst Mitte der 1930er-Jahre wurde das erste „Baier-Faltdach“ in die Karosserie eines Panorama-Busses eingebaut. 1935, mit 79 Jahren, konstruierte Baier die Auto-Frischluftheizung für wassergekühlte Motoren, die nach dem Prinzip eines Wärmetauschers funktionierte. Seither hat sich Webasto mit zahlreichen Marktneuheiten immer wieder erfolgreich in der Branche platziert, sei es mit dem ersten Schiebehebedach aus Glas in den 70er- Jahren, dem ersten Schiebedach aus monokristallinen Solarzellen zur Standbelüftung in den 90er- Jahren, dem weltweit größten Dachelement aus Polycarbonat 2007 oder den bisher leichtesten Pkw-Heizungen im Jahr 2010.

Auch im Bereich Leichtbau nimmt die Stockdorfer Firma eine führende Position ein: 2003 entstand in Schierling bei Regensburg ein unternehmens­eigenes Kunststoff-Kompetenzzentrum. Hier werden innovative Dachelemente aus Polycarbonat entwickelt und gefertigt. Da die Reduzierung des Spritverbrauchs derzeit eine der großen Herausfor­derungen der Branche darstellt, ist ein geringeres Gewicht der einzelnen Autoteile essenziell. Denn um mit weniger Kraftstoff auszukommen, müssen Fahrzeuge auch deutlich weniger wiegen. Durch Forschung und Produktion von innovativen und leichten Werkstoffen zeigt Webasto die Absicht, Vorreiter auf diesem Gebiet zu sein. In angrenzenden Märkten ist das Unternehmen inzwischen ebenfalls mit seinen Produkten zu finden. Gestützt auf seine lang­jäh­rige Erfahrung und das dazuge­hörige Wissen aus der Autobranche bietet der Spezialist Dach- und Temperatursysteme auch für Camping und Marine an.

Versteckte Sieger aus dem Süden

Genauso wie Webasto ist W.E.T. Automotive Systems aus Odelzhausen ein Hidden Cham­pion der oberbayerischen Automobilzulieferer-Branche. Das Unternehmen ist Weltmarktführer für Sitzheizungen und produziert seit 1968 – inzwischen neben Audi und BMW unter anderem für Chrysler, Ford, Porsche und Volkswagen. W.E.T. ist international mit elf Niederlassungen vertreten, vier davon sind Produktionsstandorte. Rund 6 000 Mitarbeiter tragen zum Erfolg des Sitzheizungsbauers bei, so konnte die W.E.T. Group im Jahr 2011 insgesamt 270 Mio. Euro erwirtschaften.

Zwei Tochterunternehmen gehören außerdem zur Firmengruppe: Der Lüfterhersteller Com­air Rotron in Shanghai ist seit 2008 im Besitz der Oberbayern sowie die W.E.T. Special Products, die im Bereich individueller, ­thermischer Komfort engagiert ist und beispielsweise Heizelemente für Flugzeuge, Yachten, Skilifte oder Stadionsitze anfertigt.

Japanisches Prinzip für bayerischen Erfolg

Oberstes Gebot des Unternehmens, das weltweit für ein ­angenehmes Sitzklima sorgt, und ­sicher auch sein Erfolgsmultipli­kator ist stringente Qualität – nicht nur bei den Produkten: Die Firmenphilosophie wird kon­sequent vom Gütegedanken ge­tragen. Der Leitsatz lautet hier: „Quality first – everywhere“ und wird bei W.E.T. nach dem japanischen Kaizen-Prinzip umgesetzt, was zu Deutsch so viel wie „ständiges Streben zum Besseren“ heißt. Beispielsweise kann jeder Mitarbeiter aktiv Vorschläge einbringen und an einem Training teilnehmen, das ihn W.E.T.-weit zum Q(ualitäts)-Experten zerti­fiziert. Außerdem werden Ziele und Ergebnisse in Daten trans­parent gemacht und Erfolg aufseiten der Mitarbeiter belohnt. So erreicht der Branchenprimus eine hohe Motivation seiner Belegschaft, die nicht unerheblich an der positiven Bilanz des Betriebs beteiligt ist.

Doch Webasto und W.E.T. sind nur zwei Beispiele für erfolgreiche Zulieferer aus dem Süden. Auch der Bremssysteme-Pro­duzent Knorr-Bremse oder der Auto­teppiche-Hersteller Hanns Glass sind weltweit agierende Firmen, die im Automotive-Bereich nicht nur keine Unbekannten sind, sondern echte Schwergewichte. Sehr unwahrscheinlich ist es da nicht, dass sich in den Fahrzeugen von Frau Merkel und Co das ein oder andere Produkt aus Oberbayern finden lässt.

Kathrin Hansel



Artikel vom: 2012-11-23 14:36:00
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