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O'glegt is!

Traditionell, unabhängig und individuell – so präsentieren sich kleine, inhabergeführte Privatbanken dem exklusiven Kundenstamm. Bereits vor 500 Jahren widmeten sich Privatbankiers großen Reichtümern und erhielten so politischen Einfluss auf ­Königswahlen und Kriege. Heute ist die Macht der privaten Klein­institute nicht mehr ganz so tragend, dennoch verwalten sie noch immer erhebliche Vermögen.

Auch in Bayern, mit München als wichtigem deutschem Finanzplatz, treten neben brancheninternen Riesen wie der UniCredit Bank oder der Allianz Versicherungsgruppe kleine Privatbanken in Erscheinung – verbunden mit langer Tradition und suggerierter Individualität.

Die älteste Bank Bayerns ist mit 238-jähriger Geschichte seit ihrer Gründung im Jahr 1774 die Fürstlich Castell’sche Bank, Credit-Casse mit Sitz im fränkischen Würzburg. Sowohl Wirtschaftswunder als auch Finanzkrisen der vergangenen beiden Jahrhunderte hat das Bankhaus miterlebt, mitgestaltet und überlebt – als noch heute eigenständiges Unter­nehmen.

Fürstliche Finanzgeschäfte

Ursprünglich wurde das Geldinstitut als Gräflich Castell-Remlingen’sche Landes-Credit-Cassa gegründet und sollte in Zeiten von Hungersnot den Wohlstand der Region sichern und steigern. Darüber hinaus entstand im Jahr 1857 für die finanzstärkeren Bürger die Gräflich Castell’sche Neue Credit-Casse. Nach der Erhebung der Familien Castell-Castell und Castell-Rüdenhausen in den Fürstenstand 1901 wurde im Jahr 1941 mit der Fusionierung der Bankhäuser der Grundstein der Fürstlich Castell’schen Bank gelegt. Diese zählt heute mit 17 Filialen und Niederlassungen zu den ältesten deutschen Privatbanken. Das ­Besondere an der Fürstlich Castell’schen Bank ist, dass sie sich als eine der letzten konzern­unabhängigen Privatbanken in 100 %igem Privatbesitz befindet. Hinter der nicht börsennotierten Aktiengesellschaft stehen noch heute die Adelsfamilien Castell-Castell und Castell-Rüdenhausen, die für die Einlagen der Kunden haften. Im Jahr 2011 beschäftigte das Institut insgesamt 308 Mitarbeiter bei einer Bilanzsumme von rund 1 050 Mio. Euro.

Eine weitere bayerische Größe der Kleinen ist die Augsburger Fürst Fugger Privatbank. Wie der Name verrät, geht das Bankhaus auf die traditions- und finanz­reiche Fugger-Dynastie zurück. Dennoch knüpft die Tradition des Geldinstituts nicht nahtlos an den Erfolg der familieneigenen Ban­kiers an. Zwar erlangte die Fugger-Bank im 15. und 16. Jahrhundert Einzug in die Riege der wichtigsten Geldhäuser sowie im Jahr 1508 das päpstliche Münzrecht und finanzierte unter Jakob Fugger (1459–1525) die erste Päpst­liche Schweizergarde; trotzdem wird das Institut 1646/47 zunächst ein letztes Mal im Verzeichnis der deutschen Kaufleute im „Fondaco dei Tedeschi“ in ­Venedig erwähnt.

Erst rund 300 Jahre später, im Jahr 1954, wurde das Fugger’sche Bankgeschäft mit der Übernahme des Bankhauses Friedl & Dumler durch die Familie Fugger-Babenhausen wiederbelebt. Im Zuge der Übernahme wurde es in „Fürst Fugger-Babenhausen Bank im Fuggerhaus Augsburg“ umbenannt. Seit 1977 kommt das Institut ohne den lokalen Namens­zusatz aus und nennt sich schlicht Fürst Fugger-Babenhausen Bank. Im Jahr 1999 wurde sie in die Nürnberger Versicherungsgruppe eingegliedert. Diese und das Fürs­tenhaus Fugger-Babenhausen stehen seither neben den persönlich haftenden Gesellschaftern als Kommanditisten hinter dem Unternehmen. Etwa 150 Mitarbeiter arbeiteten im vergan­genen Jahr bei der Fürst Fugger Privatbank, bei einer Bilanzsumme von rund 443 Mio. Euro. 2011 wurde die Bank vom Deutschen Institut für Service-Qua­lität (DISQ) auf den ersten Platz für die beste Beratung vor Ort gewählt. Mit dem im ­selben Jahr erhaltenen Prädikat „summa cum laude“ des Spezialreports „Die Elite der Vermögensverwalter“ zählt die Fürst Fugger Privatbank zu den besten Vermögensverwaltern im deutschsprachigen Raum.

Auch die Merkur Bank ist eine der wenigen inhabergeführten Privatbanken in Bayern. Mit Hauptsitz in München bietet das Geldinstitut seine Finanzdienstleistungen sogar in Sachsen und Thüringen an. Das Hauptgeschäft der Merkur Bank liegt im Bau­wesen und Immobilienbereich, doch auch um die Finanzen von Privat- und Firmenkunden kümmert sich das Institut. Neben der Vergabe von Unternehmenskrediten bietet das Bankhaus eine umfassende Vermögensberatung an und ermöglicht den Privatkunden zudem einen direkten Online-Zugriff auf ihr Kapital.

Gegründet wurde das Institut 1959 unter dem Namen „Merkur Bank Horowicz“. Das Geschäft konzentrierte sich auf den Medaillen- und Sortenverkauf. 1986 erfolgte die Übernahme durch eine Investorengruppe um Siegfried Lingel. Im selben Jahr wechselte das Institut in das Universalbankgeschäft mit Schwerpunkt Bauträgerfinanzierung und stärkte in den Folgejahren seine Position in Bayern. Mit der Eröffnung einer Filiale in Auerbach 1991 gelang dem Geldinstitut die Expansion nach Sachsen und Thü­ringen – mit weiteren Standorten in Weimar, Jena, Treuen und Markneukirchen. Mit Lingel als persönlich haftendem Gesellschafter fand 1999 der Börsengang der Bank an der Bayerischen Börse in München statt. Seit 2005 stehen die Geschäfte der Bank ganz unter dem Motto der Veränderung: Marcus Lingel löste seinen Vater ab und das Unternehmen ging in das Börsensegment M:access. Der Trend setzt sich fort: 2011 wechselte das Bankhaus in den Freiverkehr. Das Institut wurde 2010 für den Großen Preis des Mittelstandes nominiert und erhielt die Auszeichnung als Bank des Jahres sowie als Beste Tagesgeldbank. 2011 beschäftig-te der Finanzdienstleister rund 170 Mitarbeiter, die Bilanzsumme belief sich auf 786 Mio. Euro.

Es geht nicht immer nur ums Geld

Darüber hinaus zeigt sich auch soziales Engagement in dem inhabergeführten Institut. Im Jahr 1994 gründete Lingel senior die Deutsch-Mosambikanische Gesellschaft, die sich für politische, wirtschaftliche und gesellschaft­liche Fragen, für Entwicklungs­politik und Kultur in dem afrikanischen Land einsetzt.

So klein die inhabergeführten Privatbanken, deren Zahl sich im Lauf der Jahrhunderte stark verringert hat, sein mögen: An Ideen, Traditionsreichtum und Engagement fehlt es ihnen nicht – wie die bayerischen Erfolgsgeschichten aus Würzburg, Augsburg und München zeigen.

Kathrin Hansel


Artikel vom: 2012-11-13 12:30:00
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