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Kochen an der Frischluft

So macht der Dunstabzugshersteller Bora Werbung für sein Produkt: Kochen wie an der Frischluft. Der Dampf steigt duftend aus Pfannen und Töpfen auf und wird sofort abgesaugt – aber nicht über dem Herd, sondern neben den Kochfeldern. Dabei nutzt Bora ein physikalisches Grundprinzip: Der Dampf steigt mit einem Meter pro Sekunde nach oben, Bora saugt die Gerüche jedoch mit vier Metern pro Sekunde nach unten ab. Nach Angaben des Herstellers erhöht sich dabei die „Cleanrate“, die Sauberkeit der Kochluft auf Kopfhöhe, von 60 % auf 100 %.

Die Technologie ist nicht vollkommen neu: Die ersten Ansätze für diese Erfindung liegen in den 1940er-Jahren. Willi Bruckbauer, Gründer und Geschäftsführer der Bora Lüftungstechnik GmbH mit Sitz im oberbayerischen Raubling, hat die Technik zur Serienreife weiterentwickelt.

Das Ganze schaut jetzt auch noch sehr gut aus: Das Design ist edel, die Anlagen sind viel leichter zu reinigen und verbrauchen weniger Energie als konventionelle Abzüge. Der Koch beziehungsweise die Köchin sehen auch gut aus, weil keine Küchendämpfe mehr muffig in den Kleidern hängen bleiben.

Dunstabzugshauben sind „viel zu teure Herdbeleuchtungen“, konstatiert Bruckbauer. „Diese wollte ich durch ein effizientes System ersetzen.“ Das finden anscheinend auch die Kunden. Jedenfalls wächst das Unternehmen kontinuierlich. Der Hauptsitz im schönen Raubling wird gerade um einen 1 200-Quadratmeter-An­bau erweitert.

Der Heimatmarkt ist Bora aber schon lange zu eng geworden. Schon bald nach der Gründung im Jahr 2008 rückten weitere Länder ins Visier. Das Unternehmen ist mittlerweile in den Niederlanden, in der Schweiz und in Österreich mit Vertriebsgesellschaften präsent. In Australien wurden erste Geschäftsabschlüsse getätigt und der Einstieg in den USA wird derzeit geprüft.

Die Ansiedlung in Tirol dient als Drehscheibe für die Belieferung von Drittmärkten vor allem in Osteuropa. „Wir haben aber auch schon eine Lieferung nach Dubai über Tirol abgewickelt“, so Bruckbauer. Die Köche der Alpenrepublik sind aber auch selbst eine interessante Zielgruppe. Die Kaufkraft pro Kopf liegt nämlich um einiges höher als in Deutschland, erläutert Bernhard Bachleitner, Direktor für Süddeutschland der Austrian Business Agency (ABA). Für den Einstieg in dem Nachbarland holte sich Bora Hilfestellung bei der ABA, der offiziellen österreichischen Ansiedlungsberatung. Sie bot „umfassende, realistische Informationen“ (Bruckbauer), half auch bei der Suche nach der passenden Immobilie und mit Kontakten zu Steuerberatern.

Eine Dependance in Österreich hat zahlreiche interessante Vorteile. Dazu gehört das Arbeitsrecht. Angestellte können beispielsweise ohne Angabe von Gründen gekündigt werden. Abfindungen werden aus einer Vorsorgekasse bezahlt, in die die Firmen einzahlen. Beim Steuerrecht gibt es viele Pluspunkte, dazu kommen diverse Förderprogramme.

All das war aber für den Bora-Geschäftsführer nicht der entscheidende Grund für die Österreich-Ansiedlung: „Für uns war die einfachere Abwicklung im Außenhandel ausschlaggebend“, so Bruckbauer. Der bürokratische Aufwand sei viel geringer als in Deutschland. Das sehen offenbar viele andere Firmen auch so: Von Österreich aus lenken über 1 000 Unternehmen ihre Ost-Geschäfte. Dazu gehören Blue Chips wie Siemens, MAN oder DHL, aber auch Mittelständler wie Knorr-Bremse, Gefco oder Lilly.

Sehr attraktiv ist auch die Forschungsförderung, die Österreich das höchste Wachstum in diesem Bereich in der EU beschert. Auch für Bruckbauer war das ein wichtiger Faktor. 10 % seiner Ausgaben werden komplett erstattet: seien es Personal, Geräte und sonstige Investitionen, die „mehrheitlich für Forschung & Entwicklung aufgewendet werden“, wie ABA-Repräsentant Bachleitner ausführt. Vermutlich wird nun die nächste Generation der Bora-Geräte in Tirol entwickelt.

Elwine Happ-Frank


Artikel vom: 2012-10-12 11:23:00
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