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Ein Bayer im Himmel

Luft- und Raumfahrt: Die bayerische Aerospace-Industrie ist einer der bedeutendsten Wirtschaftszweige des Freistaats. Vor allem Mittelständler prägen diese Branche und sind an der Entwicklung vieler „Vögel“ maßgeblich beteiligt. Der Superjumbo A 380 von Airbus beispielsweise wäre ohne bayerische Beteiligung vielleicht nie abgehoben.

Wir erwarten ein Jahr der Herausforderungen. Aber denen werden wir uns stellen!“ Es war keine beschwörende Formel, die Johann Heitzmann, Vorstandsvorsitzender des bavAIRia e. V., beim Neujahrsempfang des bayerischen Spitzenclusters benutzte. Es war eine Ansage, bei der sich die versammelten Spitzenvertreter der bayerischen Luft- und Raumfahrt einig waren. Denn, so Heitzmann, es lasse sich nicht leugnen, dass 2012 angesichts der Schuldenkrise besonders im Hinblick auf die Herausforderungen der Raumfahrt in Bezug auf Galileo die Umsetzung der Bundeswehrreform, die Airbus-Fertigung, die Verstärkung deutscher und europäischer Fördermittel und die Diskussion um die dritte Startbahn in München „spannend“ werde.

Diese Spannung betrifft eine Branche, die in einer inzwischen mehr als 100-jährigen Tradition den Freistaat zu einem der renommiertesten Luft- und Raumfahrtstandorte in Europa gemacht hat. Neben einer Vielzahl relevanter Unternehmen, von OEMs und Tier-1-Suppliern sorgen hoch spezialisierte Zulieferer für sowohl zivile als auch militärische Systeme sowie hochrangige Hochschulen und Forschungseinrichtungen dafür, dass „Aerospace made in Bavaria“ rund um den Globus präsent ist – nicht zuletzt aufgrund einer starken Clusterstruktur. 2010 arbeiteten etwa 36 000 Personen in Industrie und Forschung im bayerischen Luft- und Raumfahrt-Cluster; in der Satellitennavigation sind es 1 500 Mitarbeiter. Sie erwirtschafteten gemeinsam rund 7 Mrd. Euro Umsatz, von denen rund 40 % auf den Bereich „Verteidigung“ entfallen. Die Flughäfen, ihre diversen Geschäftszweige und ihr Personal sind da noch gar nicht mitgerechnet.

Der beim gemeinsamen Fortschritt federführende Verein bavAIR­ia wurde im Jahr 2006 von der bayerischen Staatsregierung mit dem Management der beiden Cluster „Luft- und Raumfahrt“ sowie „Satellitennavigation“ beauftragt. Ziel von bavAIRia ist es, die bayerischen Kernkompetenzen in Luftfahrt, Raumfahrt und Satellitennavigation zu identifizieren und die Kompetenzträger stärker miteinander zu vernetzen, um die globale Wettbewerbsfähigkeit dieser Branchen zu erhalten und zu steigern. Seine Mitglieder repräsentieren die gesamte Industrie- und Forschungsland­schaft des Freistaats Bayern – und bilden die komplette Wertschöpfungskette der Luft- und Raumfahrt ab.

Know-how für den Superjumbo

Gut sichtbar wird dies am Beispiel des größten derzeit betriebenen Zivilflugzeugs, dem Airbus A 380. Da kommen nicht nur äußerlich gut sichtbare Elemente wie Rumpfbauteile aus dem Augsburger Werk der Premium Aerotec. Auch im Innenleben wirken zahlreiche weiß-blaue Kräfte. So hat Liebherr Aerospace im Allgäu zur Flugsteuerung des A 380 erstmalig für eine Anwendung in der Luftfahrt Geräte mit variabler Hydrauliksteuerung zum Antrieb der Flügelhinterkante gebaut. Zudem liefert das Unternehmen pro Flugzeug zwölf konventionelle hydraulische Stell­antriebe und vier hydrau­lische Stellantriebe mit zusätz­lichem elektrischem Antrieb. Damit wird auch bei einem Ausfall der Hydraulikversorgung die Funktion sichergestellt. Liebherr stattet das neue Großflugzeug obendrein mit dem eigenentwickelten Triebwerk-Zapfluftsystem („Bleed Air“-System) aus, das heiße Luft von den Flugzeugtriebwerken abzapft und verschiedenen Verbrauchersystemen an Bord zur Verfügung stellt. Das ­Hydraulik-Kühlluftsystem kommt auch aus dem Allgäu, und für das Sauerstoff-Zufuhrsystem, das die Passagiere des A 380 in Ausnahmesituationen mit zusätzlichem Sauerstoff versorgt, entwickelte Liebherr den Kontrollrechner sowie das integrierte Luftzufuhrsystem, aus dem der Sauerstoff ex­trahiert wird.

Von AOA Apparatebau Gauting kommen ebenso sensible wie komplexe Kraftstoff-, Sensor- und Wassersysteme für die Airbus-Flotte. MTU in München-Ludwigsfeld ist Mitglied der Engine Alliance, eines Joint Ventures von General Electric und Pratt & Whitney, in dem das GP7000-Triebwerk federführend entwickelt und produziert wird. MTU ist dabei verantwortlich für die Entwicklung und Fertigung der Niederdruckturbine und des Turbinenzwischengehäuses sowie die Fertigung von Hochdruckturbinen-Komponenten.

Von der Cockpitausrüstung über die Flugsteuerung bis hin zu Kabinensystemen reichen die Beiträge der zum Teilkonzern Diehl VA Systeme gehörenden Avionikunternehmen Diehl Avionik Systeme GmbH (DAv), Überlingen, und Diehl Luftfahrt Elek­tronik GmbH (DLE), Nürnberg. Sie addieren sich beim größten Airbus auf einen Auslieferungswert von 1,3 Mio. US-Dollar pro Flugzeug. Bereits auf den ersten Augenschein als innovativ zu erkennen sind die Beiträge von DLE in Nürnberg, die vornehmlich dazu dienen, dass sich die Passagiere auf den langen Flugstrecken wohlfühlen können. Mit dem ­kreativen und technisch höchst anspruchsvollen Beleuchtungskonzept „Mood Lighting“ (Stimmungsbeleuchtung) erzeugt DLE als marktführender Spezialist der Kabinenbeleuchtung das biorhythmisch angemessene Licht, wobei auch auf die zielgruppen­orientierten Gestaltungswünsche der einzelnen Fluggesellschaften – vom Sternenhimmel bis zur Morgenröte – eingegangen werden kann. Beide Diehl-Unternehmen haben seit Anfang der 70er-Jahre zum Erfolg von Airbus ebenso beigetragen wie zu den großen militärischen Luftfahrtprogrammen Eurofighter, NH90, Tiger und Tornado. Diehl ist damit größter deutscher Hersteller von Avioniksystemen.

Noch ist der A 380 ein seltener Gast

Bei so vielen bayerischen Elementen im Superjumbo konnte es sich der Flughafen München seinerzeit nicht nehmen lassen, als erster Airport in Europa die Zulassung für den A 380-Betrieb zu erwerben. Noch ist das Großflugzeug dort ein seltener Gast. Dafür machen aber die vielen ­anderen „Vögel“, die dort landen, die ungezählten weiteren Ansatzpunkte für die bayerische Aero­space-Industrie sichtbar – von der Wartung, Reparatur und Erneuerung, worauf sich beispielsweise die Ruag in Oberpfaffenhofen spezialisiert hat, über Management-, Logistik- und Service-Konzepte zahlreicher kleiner Firmen bis zur Forschung und Entwicklung, wie sie die DLR am gleichen Standort und Wissenschaftler an zahlreichen Hochschulen im Freistaat betreiben.

Ulrich Pfaffenberger


Artikel vom: 2012-06-28 10:28:00
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