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Marmor und Marzipan

Beteiligungskapital: Die BayBG Bayerische Beteiligungsgesellschaft feiert 2012 ihr 40-jähriges Bestehen.Bei rund 2 000 Mittelständlern waren die Münchner in dieser Zeit engagiert – vom Automobilzulieferer bis zum Baustoffspezialisten. Angefangen hat alles mit einer kleinen Schokoladen-Kugel.

Beteiligungskapital hat schon in so manchem Unternehmen den Wachstumskurs oder Innovationen überhaupt erst ermöglicht. Ein Finanzierer, der seit nunmehr 40 Jahren Firmen zur Seite steht, ist die Bayerische Beteiligungsgesellschaft BayBG. Es gibt kaum eine Branche, in der die Münchner nicht unterwegs sind: vom Maschinenbauer über den Automobilzulieferer bis hin zum Tourismusunternehmen oder Baustoffhersteller. Mittelständler aus ganz Bayern schätzen die Möglichkeit, durch eine stille oder auch offene Beteiligung frisches Geld zu erhalten – und dennoch Herr im eigenen Haus zu bleiben. Doch wie so viele Unternehmen hat auch die BayBG klein angefangen: mit einer winzigen, süßen Sünde aus Schokolade.

Im Jahr 1972 gründeten der Freistaat, Kreditinstitute, Verbände und Kammern die „Kapitalbeteiligungsgesellschaft für die mittelständische Wirtschaft Bayerns“ (KBG). Damals war die KBG primär auf Wachstumsfinanzierungen ausgerichtet. Das erste Unternehmen, das dem Beteiligungsunternehmen die Türen öffnete, war das seit 1865 bestehende Familienunternehmen Reber aus Bad Reichenhall. Die Stadt nahe der österreichischen Grenze, die jahrhundertelang vom Salz, dem weißen Gold, profitierte, ist heute berühmt für ihr süßes Gold. Der Traditionsbetrieb stellt die echten Reber Mozart-Kugeln im rot-goldenen Silberpapier her. Eine süße Sünde, die heute in mehr als 50 Ländern begeisterte Anhänger hat. 1972 stand Reber vor der ­Herausforderung, einen Wachstumsschub zu finanzieren. Dafür stand die neu gegründete KBG dem Süßwarenhersteller zur Seite – und die BayBG tut es noch heute. 

Bessere Position bei den Banken

Reber-Geschäftsführer Bernhard Pfaff setzt vor allem bei der Realisierung neuer Anlagen für Wachstum durch Innovationen auf Beteiligungskapital: „Vorteil ist die problemlose Finanzierung zukunftsweisender Projekte und Investitionen“, bestätigt Pfaff. Weiter seien die langfristige strategische Ausrichtung in der Zusammen­arbeit mit der Beteiligungsgesellschaft und der Eigenkapitalcharakter der Einlage von Vorteil. „Außerdem verbessert sich durch die BayBG unsere Position bei Geschäftsbanken“, bestätigt Pfaff. Der Reber-Chef lobt besonders die konstruktive Zusammenarbeit mit den Münchnern: Gegenseitiger Austausch und die Diskussion im Vorfeld von Entscheidungen träfen auf eine offene und kom­petente Geschäftspartnerkultur. „Dabei geht es nicht immer nur um Finanzierungsfragen, sondern auch um strategische Weichenstellungen und deren Perspek­tive“, bestätigt Pfaff.
 
In ihren 40 Jahren hat die BayBG mehr als 2 000 Unternehmen begleitet. Aktuell ist sie bei rund 500 Firmen engagiert. Eine davon ist die Vöwa GmbH aus dem bayerisch-schwäbischen Bobingen. Der Mittelständler ist Spezialist für Dämmstoffe und Isolierungen, die aus Recyclingmateria­lien hergestellt werden. Die pfif­fige Unternehmerfamilie – mittlerweile sind die Söhne Günther und Robert des Gründers Walter Vöst für das Geschäft verantwortlich – hat ihre Produkte für die Bauindustrie allesamt selbst entwickelt. Für Stanzrückstände aus Kunststoff und Aluminium, die etwa bei der Produktion von Verpackungen für Kaffeesahne oder Joghurt entstehen, hat der Senior Walter Vöst ein Verfahren entwickelt, um diesen Mischreststoff zu verwerten – ohne ihn aufwendig trennen zu müssen. Die Bobinger produzieren daraus extrem wit­terungsbeständige Platten für die Möbel- und Freizeitindustrie.

Dieser „Bobinger Marmor“ ist feuchtigkeitsabweisend und sehr bruchsicher. Besonders stolz ist die Eigentümerfamilie darauf, dass ihr berühmter „Marmor“ aus Kunststoff im Taipei 101 als Deko- und Baumaterial zum Einsatz kommt. Im einem der höchsten Gebäude der Welt wurde das Bobinger Produkt in einem Schönheitssalon in Eingangs- und Servicebereichen sowie Behandlungszimmern verbaut. 

Doch die Entwicklung bei den „Düsentriebs“ aus Bobingen steht nicht still. Robert Vöst hat zusammen mit einem Lieferanten eine Dämmung für Boiler entwickelt. Sein Bruder Günther arbeitet an Einsatzmöglichkeiten von textilen Dämmplatten in Kombination mit Fußbodenheizungen. Firmengründer Walter Vöst entwickelt derzeit rutschfeste Kunststoffplatten, die beispielsweise bei Freiluftbühnen eingesetzt werden können – aus Recyclingmaterial. Natürlich. 

Neben Wachstumsfinanzierungen, wie sie Reber und Vöwa in Anspruch genommen haben, hat sich jedoch der Bedarf der Unternehmen über die Jahre verändert. Im technikbegeisterten Deutschland der 80er-Jahre etwa war vor allem Wagniskapital rar. So entstand neben der KBG die BWB Bayerische Wagnisbeteiligungsgesellschaft. 

Neue Zeiten – neue Ansprüche

Auch der Bedarf an neuen Finanzierungslösungen ist in dieser Zeit gewachsen. Die 1978 gegründete BUB Bayerische Unternehmensbeteiligung-Aktiengesellschaft stand den Unternehmen fortan bei größeren Inves­titio­nen oder der Regelung der Unternehmensnachfolge zur Seite. Als Mitte der 90er-Jahre die Wirtschaft kriselte, stieg die Nach­frage nach Restrukturierungs- und ­Turnaround-Finanzierungen. Die Beteiligungsgesellschaft der Bayerischen Wirtschaft (BBW) wurde 1994 aus der Taufe gehoben. Im selben Jahr werden die vier ­Finanzierungsspezialisten – KBG, BWB, BUB und BBW – unter einer gemeinsamen Management-Gesellschaft zusammengefasst: der Bayerischen Beteiligungsgesellschaft. Zum Jahrtausendwechsel erfolgte die Fusion. 

Die besondere „Kunst“ der BayBG war dabei immer, den Bedarf der Unternehmen zu erkennen und die richtigen Lösungen zur Verfügung zu stellen – das galt 1972 genauso wie heute. Lag der Fokus bislang auf Beteiligungen zwischen 200 000 Euro und 5 Mio. Euro für größere Unternehmen, wollen die Münchner mit einem neuen Produkt nun auch klei­neren Firmen den Zugang zu ­Beteiligungskapital ermöglichen. Bereits ab einem Volumen von 10 000 Euro können Betriebe aus Handwerk, Handel und Gewerbe ihre Eigenkapitalausstattung verbessern und so ihre Kreditwürdigkeit erhöhen – mit Blick auf Basel III schon heute für viele ­Unternehmen von zentraler Bedeutung. Vielleicht entwickelt sich auch aus einem Handwerksbetrieb schon bald eine neue ­Erfolgsgeschichte – wie beim Mozart-Kugel-Hersteller zu Beginn der Geschichte der BayBG. 

Constanze Meindl


Artikel vom: 2012-06-25 10:09:00
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