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"Steife Brise" im Süden

Onshore: Die Stadtwerke München treiben die Energie­wende voran wie kaum ein anderes kommunales Unternehmen. Jetzt wollen die Münchner, die europaweit in erneuerbare Projekte investiert haben, den Ausbau der Windkraft in Bayern pushen.

Spätestens seit dem Tamtam um die Kürzung der Solarförderung in Deutschland rücken wieder an­dere umweltfreundliche Erzeugungstechnologien aus dem Schatten der Photo­voltaik. Ob Biomasse-Kraftwerke, Geothermie- oder Windkraftanlagen: Sie alle sind Teil der Energiewende und leisten einen wichtigen Beitrag zur grünen Stromversorgung. Windenergie hatte es dabei vielerorts schwer, sich durchzusetzen. Nicht nur weil Anwohner oder Umwelt­aktivisten die Errichtung solcher Anlagen infrage stellen, sondern auch weil der Wind nun mal nicht überall erzeugungstauglich weht.
 
Die Stadtwerke München (SWM) wollen der Windenergie in Bayern auf die Sprünge helfen. Zusammen mit den Kommunen wollen die SWM in den nächsten sieben bis acht Jahren 200 Windräder errichten. Rund 1 Mrd. Kilowattstunden Windstrom sollen diese Anlagen pro Jahr erzeugen. Eine ambitionierte Vorgabe für ein Bundesland, in dem aktuell durchschnittlich nur alle 145 Quadratkilometer ein Windrad steht. Doch SWM-Chef Kurt Mühlhäuser ist sich sicher: „Wir können dieses hochgesteckte Ziel erreichen.“ Stand heute betreiben die SWM deutschlandweit über 100 Onshore-Anlagen – davon eine in München –, auf dem Müllberg neben der Allianz Arena im Norden der Metropole.

Bayern ist Entwicklungsland

Das kommunale Unternehmen prophezeit der Windkraft das größte Potenzial unter den Erneuerbaren – und das, obwohl die „steife Brise“ tendenziell eher im hohen Norden weht. Doch Windkraftanlagen werden immer effizienter und sind dadurch nun auch für weniger windige Standorte geeignet. Im Freistaat hat die Onshore-Technologie derzeit das größte Ausbaupotenzial. Im Norden und Osten der Republik sind bereits rund 22 300 Windkraftanlagen installiert. In Bayern sind nicht ganz 490 Anlagen in Betrieb. Daher überrascht das Resümee von Christian Ude (SPD), Münchens Oberbürgermeister und SWM-Aufsichtsratsvorsitzender, nicht: „In Sachen Windkraft kann man Bayern getrost als Entwicklungsland bezeichnen.“

Um Gemeinden und Städten bei der Errichtung der Anlagen zu unterstützen, haben die SWM zusammen mit dem Bremer Windkraftspezialisten wdp, einem langjährigen Partner der Oberbayern, die SWM Bayernwind gegründet. Das Joint Venture übernimmt für Kommunen die Erstellung aller notwendigen Gutachten, den Einkauf der Anlagen, die Bauplanung sowie -durchführung. Die Kommunen würden, so der OB weiter, zum Akteur der Energiewende – und das ohne Risiken. Den Gemeinden steht jedoch weiterhin offen, ob sie die Anlagen in Zusammenarbeit mit der SWM Bayernwind errichten oder aber eine rein kommunale Lösung mit den Stadtwerken bevorzugen. Diese Möglichkeit lobt Oberbürgermeister und Städtetagspräsident Ude ausdrücklich: „Wir zwingen keiner Kommune einen privaten Partner auf, sondern vermitteln ihn auf Wunsch.“ 

SWM-Chef Mühlhäuser hebt aber die wirtschaftlichen Vorteile einer Zusammenarbeit mit SWM Bayernwind hervor: Die Beteiligungshöhe werde eine „Partnerschaft auf Augenhöhe“ ermöglichen. Nach der Errichtung der Anlagen kann sich die Kommune dann an dem fertiggestellten Projekt beteiligen – entweder direkt, sodass alle Gemeindemitglieder davon profitieren, oder auch in der Form von Bürgerbeteiligungsmodellen. Generell realisiere die SWM Bayernwind jedoch nur wirtschaftliche Projekte. Allerdings sei es schwierig, die Investitionen im Voraus genauer zu spe­zifizieren: Schwierige Bodenverhältnisse oder größere Entfernungen zu bestehenden Stromleitungen könnten zum Beispiel die Ausgaben in die Höhe treiben. Generell müssten die Kommunen etwa 3,5 Mio. bis 5 Mio. Euro für eine Anlage rechnen. 

Wind spart bis zu 5 300 Tonnen CO2

Solche modernen Windräder erzeugen, je nach Standort, zwischen 4 Mio. und 6 Mio. Kilowattstunden Ökostrom pro Jahr. Damit könnten etwa 1 600 bis 2 400 Haushalte versorgt werden. Außerdem würde der Wind aus Bayern circa 3 500 bis 5 300 Tonnen CO2 einsparen.

Die SWM möchten in Sachen grüner Strom weltweit Vorreiter sein. Bis zum Jahr 2025 soll die ­gesamte Stadt München mit regenerativ erzeugtem Strom versorgt werden – stolze 7,5 Mrd. Kilowattstunden pro Jahr. Damit will die Bayern-Me­tropole weltweit die erste Stadt sein, die dieses Ziel erreicht. Mit den bereits angestoßenen oder realisierten Projekten verfügen die SWM nach deren Fertigstellung schon jetzt über eine Erzeugungskapazität von rund 2,4 Mrd. Kilowattstunden Ökostrom in eigenen Anlagen. Durch die Kooperation mit wpd wächst das Erzeugungspotenzial auf insgesamt 3,6 Mrd. Kilowattstunden bis 2020 – weitere mögliche Projekte nicht mitgerechnet.

Constanze Meindl


Artikel vom: 2012-06-15 15:27:00
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